{"id":1919,"date":"2021-12-01T08:00:00","date_gmt":"2021-12-01T08:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.iuf.li\/?p=1919"},"modified":"2024-08-06T12:45:42","modified_gmt":"2024-08-06T12:45:42","slug":"kein-ausweg-aus-der-inflationsfalle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.iuf.li\/de\/publikationen\/kein-ausweg-aus-der-inflationsfalle\/","title":{"rendered":"Kein Ausweg aus der Inflationsfalle?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Jeder durch Kreditausweitung erzeugte Boom m\u00fcndet in eine Korrektur. Statt diese Kur hinauszuz\u00f6gern, w\u00e4re es ratsamer, kontrolliert im staatlichen und im supranationalen Bereich die Ausgaben zu k\u00fcrzen. In seinem in der Schweizer Wirtschaftszeitung Finanz und Wirtschaft (<a href=\"http:\/\/www.fuw.ch\" data-type=\"URL\" data-id=\"www.fuw.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">www.fuw.ch<\/a>) erschienen Kommentar zeigt S.D. Prinz Michael von und zu Liechtenstein die Gr\u00fcnde auf.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Inflation kommt nicht \u00fcber uns als ein Fluch oder ein tragisches Geschick. Sie wird immer durch eine leichtfertige oder sogar verbrecherische Politik hervorgerufen\u00bb \u2013 so bezeichnete Ludwig Erhard einst das kontraproduktive Wirken einer selbstbezogenen, marktfernen Politik. Eine pr\u00e4zise Feststellung, die der deutsche Nachkriegs-Wirtschaftsminister da unbeabsichtigt f\u00fcr unsere aktuelle Situation lieferte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die westlichen Zentralbanken sind l\u00e4ngst nicht mehr H\u00fcter von Geldwert und Preisstabilit\u00e4t, sondern beweisen sich als Financiers einer kurzsichtigen staatlichen Ausgabenpolitik. Was Erhard als \u00abverbrecherisch\u00bb bezeichnete, verdeutlicht sich heute in der Art und Weise, wie die Regeln einer gesunden Haushaltspolitik mutwillig missachtet werden. Mit der extrem lockeren Geldpolitik verstossen die Europ\u00e4ische Zentralbank EZB und das amerikanische Federal Reserve Board immer wieder gegen die Prinzipien einer unabh\u00e4ngigen Notenbankpolitik.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sowohl die USA als auch die Eurozone sehen sich einer markant z\u00fcgig voranschreitenden Inflation gegen\u00fcber, und dennoch zeigen sich die Zentralbanken nur z\u00f6gerlich in der Abkehr ihrer Geldpolitik. Warum? Die Inflation im Konsumg\u00fcterbereich zeigte sich bis dato eher geringf\u00fcgig, weil die Produktivit\u00e4t in den Produktions- und den Dienstleistungssektoren extrem stark gestiegen ist, wodurch die Kosten gesenkt werden konnten und dadurch, im Rahmen des Wettbewerbs, auch die Preise.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Politisch induzierte Inflationstreiber<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Bereich der Wertanlagen (Immobilien, Aktien, Unternehmensbeteiligungen etc.) hingegen ist die Inflation bereits seit einigen Jahren enorm, haupts\u00e4chlich verantwortet durch die andauernde Niedrigzinspolitik. In den USA werden zudem billionenschwere Infrastruktur- und Sozialprogramme von Pr\u00e4sident Biden das Angebot im Dienstleistungs- und im Produktionsbereich drosseln, weil viele Personen \u2013 verleitet durch die neuen Sozialprogramme \u2013 nicht mehr zur Arbeit zur\u00fcckkehren. Besonders Bidens Sozialprogramm wird ein kr\u00e4ftiger, jetzt noch untersch\u00e4tzter Inflationstreiber sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zudem zeigen sich die durch die Coronapandemie ausgel\u00f6sten Unterbr\u00fcche in den Lieferketten als inflationstreibend, auch wenn Zentralbanken dies als \u00abkurzfristigen Effekt\u00bb abtun wollen. Dazu wiederum ein Blick auf die USA, die bspw. sehr stark auf Importe aus \u00dcbersee angewiesen sind. Dort stauen sich die Container in und vor den H\u00e4fen von San Diego und Los Angeles, den Kernzonen der internationalen Importverschiffung. Der Grund liegt darin, dass es an Lastwagenfahrern mangelt, was sich u.\u2009a. auf Bidens Sozialprogramm zur\u00fcckf\u00fchren l\u00e4sst. Dieses Problem steht auch Europa bevor. Der Hauptanteil der Schwertransporte in Europa wird durch Fahrer aus Mitteleuropa \u2013 haupts\u00e4chlich Polen, Ungarn und der Slowakei \u2013 ausgef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleichzeitig fordern aber die deutsche und die franz\u00f6sische Politik seit geraumer Zeit von eben diesen L\u00e4ndern, dass die dortige Politik ein \u00e4quivalentes Sozialsystem einf\u00fchrt mit der Konsequenz, dass die Dienstleistungsfreiheit im Binnenmarkt verletzt wird. Weiter f\u00fchrt dies zu grossen Sch\u00e4den im Transportwesen in ganz Europa. Damit provozieren Deutschland und Frankreich mutwillig Lieferengp\u00e4sse und eine weitere Inflation der Konsumentenpreise.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiterer Inflationstreiber ist die seit Jahren anhaltende Regulierungs- und Gesetzesflut, auch wenn viele dies nicht wahrhaben wollen. Je mehr Gesetze und Regulierungen ber\u00fccksichtigt werden m\u00fcssen, desto mehr steigt der unproduktive administrative Aufwand. Er erh\u00f6ht die Kostenstruktur in etlichen Branchen um ein Vielfaches, mit dem \u00adEffekt, dass die Kosten letztlich an Konsumenten und Abnehmer weitergegeben werden (m\u00fcssen). Zudem erschwert ein immer enger werdendes Korsett an Vorschriften den Innovationsgrad. Denn wie soll Innovation entstehen, wenn wenig Freiraum daf\u00fcr besteht?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Krise ist wahrscheinlicher als Reformen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der beratende Wirtschaftssektor mit den grossen Beratungsunternehmen und Anwaltskanzleien ist in den vergangenen Jahren enorm gewachsen, ebenso wie der Anteil der Arbeitnehmer w\u00e4chst, die im Bereich der \u00f6ffentlichen Hand t\u00e4tig sind. Dadurch findet schleichend eine wesentliche Verlagerung weg vom produzierenden und dienstleistenden Gewerbe statt. Das heisst, f\u00fcr die Erzeugung von Produkten und Dienstleistungen gibt es immer weniger Personal, gleichzeitig steigt der Anteil der Personen, die die Kaufkraft f\u00fcr eben diese Produkte und Dienstleistungen haben. Dieses Ungleichgewicht wirkt ebenfalls als Inflationstreiber.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Theorie k\u00f6nnten die Zentralbanken nun eine Zinserh\u00f6hung und Geldverknappung anpeilen, doch die Schuldenproblematik etlicher Staaten \u2013 die eben gerade aufgrund der jahrelangen Niedrigzinspolitik der Zentralbanken keine strukturellen Reformen unternehmen mussten, um ihren Haushalt zu sanieren \u2013 erweist sich nun als das gr\u00f6sste Hindernis. Denn Zinserh\u00f6hungen und Geldverknappung w\u00fcrden zu einer faktischen staatlichen Zahlungsunf\u00e4higkeit f\u00fchren und die moderne Geldtheorie (MMT) ad absurdum f\u00fchren, einen Versuch, den Grimm\u2019schen Goldesel Realit\u00e4t werden zu lassen. Welche M\u00f6glichkeiten verbleiben demnach noch?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kanada f\u00fchrte vor etlichen Jahren eine h\u00f6chst erfolgreiche Reform durch, mit der der Staatshaushalt nachhaltig saniert wurde. Ein Hauptaugenmerk lag dabei auf der Verschlankung des Verwaltungsapparats und dem Einsatz der freigewordenen Arbeitskr\u00e4fte in produktiven Sektoren. Zudem verpflichtete sich der Staat, jedem Dollar an Steuererh\u00f6hung zwei an Einsparung entgegenzusetzen. Dass eine solche Reform heute aber \u00fcberhaupt m\u00f6glich w\u00e4re, ist sehr zu bezweifeln. Denn Reformen zwingen zu Einsparungen, die sich wiederum negativ auf die W\u00e4hlergunst auswirken k\u00f6nnten. Eine schwere Krise mit allen daraus entstehenden Kollateralsch\u00e4den wie einer mehr oder minder schweren Inflation, Staatsbankrotten und v\u00f6llig zentralisierter Staatswirtschaft wird wohl wahrscheinlicher sein. Wir sollten uns auf Verluste einstellen, die breite Bev\u00f6lkerungsschichten treffen werden, mit \u00adgravierenden Auswirkungen auf die Parteienlandschaft und das westliche Demokratiesystem.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Dem Systemkollaps vorbeugen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ludwig von Mises warnte bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor den Verlockungen einer quantitativen Lockerung zur Ausweitung der Geldmenge. In einem seiner Hauptwerke hielt er dazu fest, dass das wiederkehrende Auftreten von Boomperioden mit nachfolgenden Depressionsperioden das unvermeidliche Ergebnis eines sich st\u00e4ndig wiederholenden Versuchs sei, den Marktzins durch Kreditexpansion zu senken. Er betonte, dass es keine M\u00f6glichkeit gebe, den finalen Zusammenbruch eines Booms zu verhindern, der durch Kredit\u00adexpansion erzeugt worden sei. Was sagt uns das? Auf eine Boomphase muss eine Korrekturphase folgen. Je l\u00e4nger diese aber hinausgez\u00f6gert wird, desto schmerzlicher wird der Bereinigungsprozess. Deshalb w\u00e4re es ratsamer, eine Korrekturphase freiwillig und kontrolliert einzuleiten, als zu warten, bis das System unkontrolliert kollabiert. Dies ist heute nur m\u00f6glich durch Einsparungen im staatlichen und im supranationalen Bereich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man k\u00f6nnte etliche Gesetze streichen, den Verwaltungsapparat gesundschrumpfen, die staatliche Kontrolle \u00fcber die Notenbanken einschr\u00e4nken (Kryptow\u00e4hrungen sind ein Symptom f\u00fcr den Bedarf an geeigneten Alternativen) und unpopul\u00e4re, aber wirksame Schuldenschnitte durchf\u00fchren, gekoppelt an echte Reformbestrebungen. Man k\u00f6nnte, wenn man denn wollte. Doch es sind wohl bereits Dimensionen erreicht, dass der Mut zu solchen Schritten schlichtweg verloren gegangen ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ludwig von Mises warnte bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor den Verlockungen einer quantitativen Lockerung zur Ausweitung der Geldmenge. In einem seiner Hauptwerke hielt er dazu fest, dass das wiederkehrende Auftreten von Boomperioden mit nachfolgenden Depressionsperioden das unvermeidliche Ergebnis eines sich st\u00e4ndig wiederholenden Versuchs sei, den Marktzins durch Kreditexpansion zu senken. Er betonte, dass es keine M\u00f6glichkeit gebe, den finalen Zusammenbruch eines Booms zu verhindern, der durch Kreditexpansion erzeugt worden sei. Was sagt uns das? 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