{"id":2234,"date":"2022-07-01T09:15:50","date_gmt":"2022-07-01T09:15:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.iuf.li\/?p=2234"},"modified":"2024-08-06T12:44:23","modified_gmt":"2024-08-06T12:44:23","slug":"auf-dem-weg-in-die-fragmentierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.iuf.li\/de\/publikationen\/auf-dem-weg-in-die-fragmentierung\/","title":{"rendered":"Auf dem Weg in die Fragmentierung"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Es zeichnet sich die Herausbildung zweier g\u00e4nzlich kontr\u00e4rer Blocks ab - USA\/Europa und China\/Russland. Das verheisst nichts Gutes f\u00fcr die Weltwirtschaft. In seinem in der Schweizer Wirtschaftszeitung Finanz und Wirtschaft (<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.fuw.ch\/\" target=\"_blank\">www.fuw.ch<\/a><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.fuw.ch%29\/\" target=\"_blank\">)<\/a>&nbsp;erschienen Kommentar beleuchtet&nbsp;S.D. Prinz Michael von und zu Liechtenstein diese Entwicklung kritisch und verdeutlicht, dass vielmehr eine freie Marktwirtschaft und eine liberale Ordnungspolitik notwendig w\u00e4ren.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach der Implosion der Sowjetunion herrschte eine klare US-Hegemonie, \u00fcber die letzten Jahre entwickelte sich die Welt aber in eine multipolare Situation. Grosse Fortschritte im Freihandel wurden erreicht, die Produktionsauslagerung aus Industriestaaten verhalf Schwellenl\u00e4ndern zu Wachstum. Trotz Problemen im Freihandel, besonders mit gr\u00f6sseren Staaten und Wirtschaftsbl\u00f6cken, die die WTO auszur\u00e4umen versuchte, wurden Erfolge erzielt. Doch Chinas rasante Wirtschaftsentwicklung, die unter Deng Xiaopings F\u00fchrung entstand, f\u00fchrte dazu, dass China nicht mehr bereit war, Amerikas Hegemonie anzuerkennen und hinzunehmen. Andere Schwellenl\u00e4nder zogen mit. Nichtsdestotrotz ist der Dollar noch immer die unangefochtene Leitw\u00e4hrung der Welt, woran auch der Euro nichts zu \u00e4ndern vermochte.  <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dennoch gab es Verwerfungen im Freihandel. China hielt sich nicht an Regeln, wie etwa handelsverzerrende Subventionen zu unterlassen, von Investitionsbeschr\u00e4nkungen abzusehen oder geistiges Eigentum anzuerkennen. Die USA bewiesen gewissen Protektionismus unter dem Vorwand, Arbeitspl\u00e4tze zu sichern, die EU wiederum im regulatorischen Bereich unter dem Vorwand, den Konsumentenschutz zu st\u00e4rken. Die Welt funktionierte zwar, war aber nicht perfekt. Die Lage spitzte sich zu, und es begann ein Handelskonflikt zwischen den USA und China, wobei festzuhalten ist, dass die USA die chinesischen Praktiken zu Recht sanktionierten. Der Umstand, dass die USA schon des L\u00e4ngeren den Dollar als Waffe bei Wirtschaftssanktionen einsetzten, besonders gegen den Iran und Russland, war nicht f\u00f6rderlich. Dies st\u00e4rkte Chinas und Russlands Bestreben, sich vom Dollar zu emanzipieren. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wirtschaftssanktionen als Waffe<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die politische Lage spitzte sich zu. Unter Pr\u00e4sident Xi Jinping verabschiedete sich China von Deng Xiaopings Strategie, wurde in der Aussenpolitik aggressiver, im Inneren wurde der Marxismus dominanter. Die herrschende \u00abWeltordnung\u00bb wurde herausgefordert durch aggressives Verhalten im westlichen Pazifik, vor allem im S\u00fcdchinesischen Meer und gegen\u00fcber Taiwan. Die politische Agenda der Neuen Seidenstrasse (Belt-and-Road-Initiative) sowie schwere Menschenrechtsverletzungen im Inland versch\u00e4rften das Ganze. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Westen, haupts\u00e4chlich die USA und die EU, setzte Wirtschaftssanktionen ein als Waffe in hybriden Kriegen. Sanktionen gegen den Iran gibt es schon seit Langem, auch die Antwort des Westens auf die Krimannexion durch Russland im Jahr 2014 sind Wirtschaftssanktionen; obschon sie nicht griffen, waren sie f\u00fcr Russland wie auch f\u00fcr China ein Alarmzeichen, ihre Autonomie zu f\u00f6rdern. Chinas Versuch, gewisse internationale Transaktionen nicht mehr \u00fcber den Dollar abzuwickeln, galt als Provokation gegen\u00fcber den USA. Nach der Ukraineinvasion Anfang des Jahres brachen Europa und die USA de facto den Handel und die Investitionst\u00e4tigkeiten mit Russland ab, mit ein paar Ausnahmen wegen der europ\u00e4ischen Abh\u00e4ngigkeit vom russischen Gas. Russisches Verm\u00f6gen im Westen wurde eingefroren, und Sanktionslisten wurden erstellt. Das Ganze war bislang erfolglos und dr\u00e4ngt Russland viel mehr in ein N\u00e4heverh\u00e4ltnis zu China. In weiterer Konsequenz sind Getreide und Speise\u00f6l aus Russland und der Ukraine am Weltmarkt nicht mehr verf\u00fcgbar, was zu Schwierigkeiten in Afrika und Nahost f\u00fchren wird. Hier zeigt sich bereits das Resultat einer Fragmentierung in der Welt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist auch davon auszugehen, dass es k\u00fcnftig Handelseinschr\u00e4nkungen mit China geben wird. Dies w\u00fcrde zu einer echten Fragmentierung f\u00fchren und sich stark auf die Weltwirtschaft und das Finanzsystem auswirken. Es wird bereits von einer Aufsplitterung von Demokratien und Autokratien gesprochen. Diese Einteilung, in der sich die USA und Europa als \u00abliberale Wertedemokratien\u00bb sehen, zeigt eine gewisse \u00dcberheblichkeit. Es w\u00e4re falsch, alle autorit\u00e4ren Systeme mit Russland und China gleichzusetzen. Viele wie zum Beispiel die T\u00fcrkei, die eine Demokratie ist, aber vom Westen vielfach als autorit\u00e4r eingestuft wird, sind nicht dem Block mit China und Russland zuzuordnen, und es gibt andere Drittstaaten, die Mischverh\u00e4ltnisse aufweisen, deshalb aber ebenfalls nicht unbedingt dieser Richtung zuzuordnen sind, nur weil sie nicht bereit sind, sich die \u00abliberalen Werte\u00bb Europas oder der USA aufzwingen zu lassen. Die Situation ist nicht nur bedenklich in Russland und China; blickt man genauer auf Europa und die USA, zeigt sich, dass auch dort nicht alles perfekt ist.  <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die populistische Politik traditioneller demokratischer Parteien hat zu enormen Defiziten gef\u00fchrt, der Schuldenstand von Staaten ist erschreckend, die Kaufkraft der Bev\u00f6lkerung schwindet. Die Antwort von Politik und Zentralbanken darauf ist nicht etwa eine Selbstreflexion, sondern die Fortsetzung der Politik, die zu eben diesen Problemen gef\u00fchrt hat: mehr Staat, Regulierung und Kontrolle und eine st\u00e4rkere Einschr\u00e4nkung von pers\u00f6nlichen Freiheiten mit Abkehr von marktwirtschaftlichen Prinzipien. Leider t\u00e4uscht sich der Grossteil der Bev\u00f6lkerung, tauscht Freiheit gegen eine Illusion von Sicherheit und tritt pers\u00f6nliche Entscheidungsverantwortung an den Staat ab. Von einem System freier B\u00fcrger und Marktwirtschaft, das Wohlstand erzeugt und unsere Sozialsysteme finanziert hat, bewegen wir uns in Richtung eines Systems fortschreitender Planwirtschaft und einer neuen Form b\u00fcrokratischen Staatskapitalismus`.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die quantitativen Lockerungen der Zentralbanken haben staatliches Kapital in die Wirtschaft gepumpt und wurden dazu verwendet, \u00fcbergrosse Staatsausgaben zu finanzieren. In den USA werden Billionen freigemacht, um W\u00e4hler zufriedenzustellen und \u00fcberh\u00f6hte Staatsausgaben zu finanzieren. Das gesamte regulatorische Gef\u00fcge in Europa f\u00fchrt zu immer mehr staatlicher Planung. Nachhaltigkeit ist wichtig, aber die EU-Taxonomieverordnung wie auch die Mindestbesteuerung f\u00fchren zu einer \u00fcberdimensionierten Planwirtschaft und erinnern fast an sowjetische F\u00fcnfjahrespl\u00e4ne. Doch solche Pl\u00e4ne sind kaum erfolgreich, da die Realit\u00e4t anders aussieht und diese Pl\u00e4ne wenig Flexibilit\u00e4t zulassen. Der preussische Stratege Graf von Moltke sagte einst: \u00abJeder Kriegsplan endet mit der ersten Feindber\u00fchrung.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Neue Formen von Staatskapitalismus<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die EU-Taxonomieverordnung ist ein Plan, der nach der ersten Begegnung mit der Realit\u00e4t nicht die notwendige Flexibilit\u00e4t zeigen wird. Es braucht unternehmerische Entscheidungsfreiheit, etwas \u00e4ndern zu k\u00f6nnen, und die ist nur in einer freien Marktwirtschaft m\u00f6glich. Die gr\u00fcne Politik Europas, die Taxonomie und die Mindestbesteuerung sind protektionistische Massnahmen, mit denen Europa versucht, seine Regeln weltweit durchzusetzen. Diese Regeln \u00e4hneln leider einer neuen Form von<br>Staatskapitalismus. Die L\u00f6sung l\u00e4ge darin, der Welt wieder mehr Freiheit zuzugestehen und sich die Vorteile ins Bewusstsein zu rufen, die sich aus einer freien globalen Marktwirtschaft und einer liberalen Ordnungspolitik ergeben. Das w\u00fcrde bedeuten, dass ein Staat sich auf seine wesentlichen Funktionen beschr\u00e4nkte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Leider scheint der Weg ausgeschlossen. China verf\u00e4llt dem Marxismus und versucht, seinen Einfluss weiter auszubauen. Ein geschw\u00e4chtes Russland wird sich enger an China anlehnen. Die Planwirtschaft in der EU und den USA wird negative Konsequenzen f\u00fcr die westlichen Wirtschaften haben und den europ\u00e4isch-amerikanischen Block schw\u00e4chen, Schwellenl\u00e4nder werden allein gelassen und werden unter den Spannungen der beiden Blocks Russland-China und Europa-USA leiden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach der Implosion der Sowjetunion herrschte eine klare US-Hegemonie, \u00fcber die letzten Jahre entwickelte sich die Welt aber in eine multipolare Situation. Grosse Fortschritte im Freihandel wurden erreicht, die Produktionsauslagerung aus Industriestaaten verhalf Schwellenl\u00e4ndern zu Wachstum. Trotz Problemen im Freihandel, besonders mit gr\u00f6sseren Staaten und Wirtschaftsbl\u00f6cken, die die WTO auszur\u00e4umen versuchte, wurden Erfolge erzielt. Doch Chinas rasante Wirtschaftsentwicklung, die unter Deng Xiaopings F\u00fchrung entstand, f\u00fchrte dazu, dass China nicht mehr bereit war, Amerikas Hegemonie anzuerkennen und hinzunehmen. Andere Schwellenl\u00e4nder zogen mit. Nun zeichnet sich die Herausbildung zweier g\u00e4nzlich kontr\u00e4rer Blocks ab und das verheisst nichts Gutes f\u00fcr die Weltwirtschaft.<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_seopress_titles_title":"Weg in die Fragmentierung - S.D. Prinz Michael von und zu Liechtenstein","_seopress_titles_desc":"Es zeichnet sich die Herausbildung zweier g\u00e4nzlich kontr\u00e4rer Blocks ab - USA\/Europa und China\/Russland. Das verheisst nichts Gutes f\u00fcr die Weltwirtschaft. 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