{"id":287,"date":"2021-06-19T08:00:00","date_gmt":"2021-06-19T08:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.iuf.li\/?p=287"},"modified":"2023-07-26T11:26:13","modified_gmt":"2023-07-26T11:26:13","slug":"nachhaltigkeit-umfassend-verstehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.iuf.li\/de\/publikationen\/umfassend-verstehen\/","title":{"rendered":"Nachhaltigkeit umfassend verstehen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der Begriff&nbsp;<em>Nachhaltigkeit&nbsp;<\/em>bestimmt derzeit die \u00f6ffentliche Diskussion wesentlich mit. Die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele sind dabei zum zentralen Dreh- und Angelpunkt geworden. Politik und Unternehmen springen verst\u00e4rkt darauf auf und betonen ihr Bekenntnis zu den UN-Nachhaltigkeitszielen, in vielen F\u00e4llen jedoch ohne konkret zu wissen, wie sie effektiv dorthin kommen. In seinem in der Schweizer Wirtschaftszeitung Finanz und Wirtschaft (<a href=\"https:\/\/www.fuw.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">www.fuw.ch<\/a><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.fuw.ch%29\/\" target=\"_blank\">)<\/a>&nbsp;erschienen Kommentar, beleuchtet&nbsp;S.D. Prinz Michael von und zu Liechtenstein diese Entwicklung kritisch und verdeutlicht, dass eine effektive nachhaltige Entwicklung vor allem dann erreicht wird, wenn sie aus dem allt\u00e4glichen Handeln und dem Verst\u00e4ndnis des Individuums entsteht.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Begriff Nachhaltigkeit hat in den vergangenen Jahren massiv an Zugkraft gewonnen. Mittlerweile bestimmt er die \u00f6ffentliche Diskussion wesentlich mit, und die siebzehn Ziele der UNO-Agenda 2030 sind zum Dreh- und Angelpunkt f\u00fcr nachhaltiges Handeln geworden. Doch eigentlich ist der Begriff Nachhaltigkeit wesentlich \u00e4lter und wurde bspw. im18. Jahrhundert in der Forstwirtschaft gepr\u00e4gt: Nachhaltigkeit wurde zum Handlungsprinzip f\u00fcr die Waldbewirtschaftung erhoben, indem nur so viele B\u00e4ume gef\u00e4llt werden durften, wie auch nachwachsen konnten. Damit sollte die nat\u00fcrliche Regenerationsf\u00e4higkeit des Waldes gesichert werden, damit diese Ressource auch f\u00fcr zuk\u00fcnftige Generationen erhalten bleibt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun springen Politik und Unternehmen verst\u00e4rkt auf den Zug der Nachhaltigkeit auf und betonen ihr Bekenntnis zu den Uno-Nachhaltigkeitszielen, ohne in vielen F\u00e4llen jedoch konkret zu wissen, wie sie effektiv dorthin kommen. Sie preisen wohlklingende Begriffe an wie \u00abklimaneutral\u00bb oder \u00abCO2-neutral\u00bb, bleiben aber eine genaue Inhaltsdefinition schuldig. Es bleibt unklar, anhand welcher Faktoren oder Massnahmen Produkte oder Dienstleistungen als nachhaltig eingestuft werden und welche Wirkung erzielt werden soll. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit kommen wir zum Problem: Wenn der Begriff Nachhaltigkeit in der breiten \u00d6ffentlichkeit als Worth\u00fclse ausgelegt wird, wird dieses wichtige Thema rasch wieder an Relevanz verlieren. In der Konsequenz wird der Weg der staatlichen Regulierung mit einer verallgemeinernden Verpflichtung beschritten werden, um das UNO-Nachhaltigkeitsbestreben durchsetzen zu k\u00f6nnen. Eine wirklich nachhaltige Entwicklung aber wird dann erzielt, wenn sie aus dem allt\u00e4glichen Handeln und Verst\u00e4ndnis des Individuums heraus entstehen kann und nicht aufgrund internationaler Vorgaben oder staatlicher Gesetze und Verordnungen entstehen muss.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00dcberregulierung ist kontraproduktiv<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">ESG-Kriterien (Environment, Social, Governance), CO2-Reporting oder die siebzehn Uno-Nachhaltigkeitsziele sind gute Denkans\u00e4tze und bieten hilfreiche Orientierung. Aber es ist zu vermeiden, dass sie fr\u00fcher oder sp\u00e4ter zu \u00fcbertriebenen, nicht durchdachten und allgemeinverpflichtenden Standards und staatlichen Vorgaben in verschiedenen Bereichen des Umweltschutzes oder des Steuerbereichs avancieren, aus mehreren Gr\u00fcnden: <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Regionen dieser Welt haben unterschiedliche Ausgangslagen mit wesentlichen geografischen, klimatischen, kulturellen, gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Abweichungen. Diese gilt es zu ber\u00fccksichtigen, wenn wirtschaftliche, gesellschaftliche und \u00f6kologische Nachhaltigkeit effektiv greifen soll. Uniforme Standards k\u00f6nnen solchen regionalen Unterschieden nicht gerecht werden. Eine \u00fcberm\u00e4ssige Regulierung gef\u00e4hrdet Wertsch\u00f6pfungsketten, den Kundenfokus und die Wettbewerbsf\u00e4higkeit und damit die Basis, auf der Nachhaltigkeit \u00fcberhaupt umgesetzt werden kann. Eine staatliche Lenkung f\u00fchrt unweigerlich zu einer Fehlallokation von Ressourcen. Dies gilt es im Hinblick auf eine gew\u00fcnschte nachhaltige Entwicklung zu vermeiden. \u00dcberregulierung kann auch gesunde Innovation behindern bzw. zu sch\u00e4dlicher Konzentration f\u00fchren, wie etwa \u00dcberkapazit\u00e4ten in staatlich erw\u00fcnschten Sektoren. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Staat kann die Rahmenbedingungen f\u00fcr eine nachhaltige Entwicklung setzen. Auch CO2-Zertifi-kate k\u00f6nnen verwendet werden. Nicht aber sollte der Staat eine nachhaltige Entwicklung verordnen. Jedoch k\u00f6nnte er mit gutem Beispielvorangehen, indem er seine \u00fcber-dimensionierte Rolle in Wirtschaft und Gesellschaft zur\u00fcckf\u00e4hrt, sich auf seine Kernaufgaben besinnt und die Sicherheit sowie die marktwirtschaftliche Freiheit seiner B\u00fcrger gew\u00e4hrleistet. Dazu geh\u00f6rt auch, keine verantwortungslose und langfristig nicht tragbare Schuldenwirtschaft zu betreiben. Damit einher geht auch die Abkehr von \u00fcbertriebenen Ausgaben unter dem Label \u00abGreen Economy\u00bb, mit denen weniger ein gr\u00fcnes Wachstum gef\u00f6rdert als k\u00fcnftigen Generationen eine untragbare Schuldenlast aufgeb\u00fcrdet wird. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch Emotionalisierung, wie die der Energiewende in Deutschland, ist mit Blick auf effektives Nachhaltigkeitsbestreben kritisch zu sehen. Als Reaktion auf die Atomkatastrophe in Fukushima 2011 beschloss die Bundesregierung, Atomkraftwerke schrittweise und so z\u00fcgig wie m\u00f6glich abzuschalten und eine grunds\u00e4tzliche energiepolitische Wende zu vollziehen. Damit einher ging aber, dass Deutschland wieder verst\u00e4rkt auf fossile Energien wie Kohlekraft und Erdgas setzen musste, um den Energieverbrauch zu Spitzenzeiten \u00fcberhaupt stillen zu k\u00f6nnen. Die UNO-Nachhaltigkeitsziele proklamieren erschwingliche Energie f\u00fcr alle Menschen. Aus Angst und Populismus aber verhindert die Regierung den Einsatz von erschwinglicher und umweltschonender Kernenergie. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachhaltiges Finanzgebaren ist auch in Unternehmen wesentlich. In managementgesteuerten Gesellschaften wird kurzfristiger gedacht, angestellte Unternehmensleiter tragen nicht das Risiko des eigenen Verm\u00f6gens. Ein Unternehmer hingegen steht in direkter Verantwortung gegen\u00fcber dem Unternehmen, den Stakeholdern und dem Umfeld, in das das Unternehmen eingebettet ist. Er denkt langfristiger. Gerade Familiengesellschaften wenden seit langem die Kombination wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und \u00f6kologischer Nachhaltigkeit an, was auch solide Finanzen umfasst. Die von der UNO unterst\u00fctzten Prinzipien f\u00fcr nachhaltiges Investieren (PRI, Principles for Responsible Investment) sind ein guter und wichtiger Schritt zu einer nachhaltigen Finanzwirtschaft. Verantwortungsvolles Investieren muss aber Hand in Hand gehen mit nachhaltigem Handeln. Geld oder Verm\u00f6gen allein leistet keinen Beitrag zur Nachhaltigkeit, sondern vielmehr die Art und Weise, wie es eingesetzt wird und welcher Nutzen sich damit erzielen l\u00e4sst. Rendite f\u00fcr Investoren bildet dabei die eine Seite, zugleich eine positive Wirkung f\u00fcr Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft zu erzielen, die andere. Insbesondere Verm\u00f6gen ist dann nachhaltig, wenn es langfristig und zweckgebunden eingesetzt und \u00fcber mehrere Familiengenerationen erhalten wird.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Vertrauen in die Marktakteure<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Globales Nachhaltigkeitsbestreben kann nur dann effektiv greifen, wenn es sich nahe an den realen Gegebenheiten bewegt, regionale Unterschiede ber\u00fccksichtigt, vom Individuum im allt\u00e4glichen Handeln erwirkt wird und nicht in einer staatlichen Bevormundung m\u00fcndet. Eine zu starke Regulierung verunm\u00f6glicht Schumpeters kreative Zerst\u00f6rung und hinterl\u00e4sst langfristig mehr verbrannte Erde als eine prosperierende und nachhaltig agierende Gesellschaft und Wirtschaft. Die Krux an der Nachhaltigkeit liegt darin, dass sich Nachhaltigkeit unter den Pr\u00e4missen von freier Marktwirtschaft und Unternehmertum entwickeln k\u00f6nnen muss, was aber das Vertrauen in die Marktakteure voraussetzt. Auf Basis eines solchen, pragmatischen Ansatzes k\u00f6nnen die Uno-Nachhaltigkeitsziele zum Erfolg gebracht werden. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Liechtenstein ist ein gutes Vorbild in Sachen wirtschaftlicher, finanzieller, gesellschaftlicher und \u00f6kologischer Nachhaltigkeit. Als Unikum in Europa hat es aufgrund einer sehr disziplinierten Haushaltspolitik keine Staatsschulden. Auch die Unternehmen sind solide finanziert. Bei den Banken gibt es viele gute Beispiele f\u00fcr solides Nachhaltigkeitsdenken, sowohl f\u00fcr Kunden als auch bei Investitionen. Der Treuhandsektor mit dem Stiftungswesen muss in Generationen denken und ist daher per se nachhaltig ausgerichtet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Begriff\u00a0Nachhaltigkeit\u00a0bestimmt derzeit die \u00f6ffentliche Diskussion wesentlich mit. Die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele sind dabei zum zentralen Dreh- und Angelpunkt geworden. 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