{"id":2920,"date":"2023-07-25T10:15:42","date_gmt":"2023-07-25T10:15:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.iuf.li\/?p=2920"},"modified":"2024-08-06T12:40:50","modified_gmt":"2024-08-06T12:40:50","slug":"afrika-der-unterschaetzte-partner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.iuf.li\/de\/publikationen\/afrika-der-unterschaetzte-partner\/","title":{"rendered":"Afrika, der untersch\u00e4tzte Partner"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das Risikomanagement hat in Unternehmen einen immer gr\u00f6sseren Stellenwert. Es erm\u00f6glicht, allf\u00e4llige Betriebs-, Markt- oder Compliance-Risiken fr\u00fchzeitig zu evaluieren und sich entsprechend auszurichten. Heute haben nahezu alle Unternehmen einen oder mehrere Chief Risk Officers und fahren eine Risikostrategie. Die Krux ist, dass ob all der Risikoevaluation die Gefahr besteht, dass der Blick f\u00fcr m\u00f6gliche Opportunit\u00e4ten und ein Chancenmanagement zu kurz kommen. Das ist problematisch f\u00fcr eine langfristig erfolgreiche Unternehmensentwicklung.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im politischen Umfeld werden langfristige Opportunit\u00e4ten und Risiken im Wesentlichen ignoriert, das Management des Tagesgesch\u00e4fts hat oberste Priorit\u00e4t. Der Fokus ist stark selbstbezogen. Die Frage dominiert, welche \u00abMarktanteile\u00bb anderer Parteien wie gewonnen werden k\u00f6nnen. Politik und Staat werden zu einem Selbstzweck und versuchen, ihn mit sogenannten Werten zu legitimieren. Ein Beispiel ist das EU-Lieferkettengesetz, f\u00fcr dessen Versch\u00e4rfung sich Anfang Juni die Mehrheit der EU-Parlamentarier ausgesprochen hat. Damit sollen Unternehmen in Zukunft verpflichtet werden, die sozialen und die \u00f6kologischen Wechselwirkungen entlang ihrer Lieferketten zu evaluieren und entsprechende Prozesse fairer, nachhaltiger und verantwortungsvoller auszugestalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das dahinterstehende Anliegen, in der EU nurmehr noch Unternehmen zu beheimaten, die Menschenrechte sch\u00fctzen und die Umwelt nicht sch\u00e4digen, ist ein notwendiges Ziel. Es findet aber eine \u00dcberb\u00fcrokratisierung statt mit einem unrealistischen Anspruch. In der Konsequenz kann wegen dieses Gesetzes mit gewissen Weltregionen weder Handel betrieben noch investiert werden. Der daraus resultierende Schaden f\u00fcr Entwicklungsl\u00e4nder \u00fcbersteigt den Nutzen der Regulierung. Nat\u00fcrlich soll kein Unternehmen Teil von Korruption, ausbeuterischer Kinderarbeit etc. sein. Aber der Gesetzgeber muss sich auch bewusst sein, dass sich nicht alles und jeder kontrollieren l\u00e4sst. Die etwas pharis\u00e4isch anmutenden Moralvorstellungen hinter dem Lieferkettengesetz werden verhindern, dass europ\u00e4ische Unternehmen notwendige Aktivit\u00e4ten setzen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es brauchte die Geschehnisse rund um Russland und die Ukraine sowie die Verringerung der Abh\u00e4ngigkeit von China, damit Europas Politik ein gest\u00e4rktes wirtschaftliches Interesse an m\u00f6glichen anderen Partnerstaaten zu zeigen glaubt. Es richtet den Blick gen Lateinamerika, S\u00fcdasien und Afrika, ohne sich jedoch darum zu bem\u00fchen, diese Regionen zu verstehen. Interessanterweise wird Afrika bislang \u00fcberwiegend dann von europ\u00e4ischer Politik, den Medien und der \u00d6ffentlichkeit wahrgenommen, wenn es um Migrationsstr\u00f6me, Hungersn\u00f6te, B\u00fcrgerkriege oder autorit\u00e4re Staatsf\u00fchrung und Korruption geht. Oder wenn L\u00f6sungen in Form von Geldleistungen an die Entwicklungshilfe gesucht werden, um mit einem guten Gewissen diesem Kontinent gegen\u00fcberzustehen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein grosser Teil der Gelder versandet jedoch, weil das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr wirkliche Notwendigkeiten fehlt. N\u00f6tig w\u00e4re die Entwicklung der Wirtschaft und einer zukunftsf\u00fchrenden Infrastruktur. Es ist aber nicht die Rolle der westlichen Welt, Afrika oder anderen Regionen die eigenen Governance-Systeme aufzudr\u00fccken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Afrika ist reich an fruchtbarer Landwirtschaft, beherbergt eine Vielfalt an Bodensch\u00e4tzen und hat eine \u00fcberwiegend junge, aufstrebende Bev\u00f6lkerung. Die demografische Struktur Afrikas bietet ein enormes Potenzial. Sch\u00e4tzungen zufolge soll allein die Bev\u00f6lkerung s\u00fcdlich der Sahara bis zum Jahr 2050 auf rund 2,5 Mrd. Menschen steigen. Das Bev\u00f6lkerungswachstum in Afrika sollte weniger als Problem \u2013 wie dies etwa bei der Er\u00f6ffnung des Afrika-Gipfels im November 2019 bezeichnet wurde \u2013 gesehen, sondern vielmehr als Chance f\u00fcr Afrika und seine Partnerstaaten wahrgenommen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch zeigt sich Afrika fortschrittlich im technologischen Bereich. <em>Smart Africa<\/em> beispielsweise ist eine Allianz aus 36 afrikanischen Staaten mit dem Ziel, den Zugang in den afrikanischen Regionen zu Informations- und Kommunikationstechnologien zu f\u00f6rdern und einen grenzenlosen digitalen Binnenmarkt zu etablieren. Dadurch sollen gewinnbringende Partnerschaften aufgebaut, neue Wertsch\u00f6pfungsketten generiert, regionales Unternehmertum gef\u00f6rdert und eine technologische Wissens\u00f6konomie entwickelt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Idee, einen afrikanischen Binnenmarkt zu schaffen und Handelsbeschr\u00e4nkungen aufzul\u00f6sen, ist sehr positiv zu sehen. Es w\u00fcrde nicht nur den  Handel erleichtern, sondern auch eine wesentliche Grundlage der Korruption entfernen. Jetzt w\u00e4re f\u00fcr Europa die Zeit richtig, um  Handelseinschr\u00e4nkungen aufzuheben und den starken Protektionismus besonders im nicht-tarif\u00e4ren Bereich zu lockern. Jedoch m\u00fcsste sich das politische Verst\u00e4ndnis in Europa f\u00fcr diesen Kontinent ver\u00e4ndern. Es w\u00e4re wichtig, zu erkennen, dass Afrika eine auffallend grosse Vielfalt hat und Afrika nicht einfach \u00abAfrika\u00bb ist. Die regionalen Unterschiede sind teilweise wesentlich gr\u00f6sser als in Europa.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Meinung, dass nur das Demokratieverst\u00e4ndnis einem Autokratieverst\u00e4ndnis gegen\u00fcbersteht, ist nicht tragf\u00e4hig. Es gibt auch andere Formen von Governance, und es ist wichtig, dass eine staatliche Governance den Gegebenheiten einer Region und ihrer Bev\u00f6lkerung dient. Afrika ist aus verschiedenen Gr\u00fcnden komplex und stark diversifiziert. Die bestehenden Staaten sind k\u00fcnstlich, da die Grenzen einst in Europa gezogen wurden. Die meisten afrikanischen Staaten sind multiethnisch, die Grenzen aber gehen quer durch ethnische Gebiete. In Umkehr aller geografischen und ethnischen Logik wird h\u00e4ufig der afrikanische Tribalismus als Bedrohung f\u00fcr eine Staatenbildung und Demokratie angesehen. Dabei bieten die ethnischen Zusammenh\u00e4nge die stabilsten Systeme Afrikas. Ohne Einbezug solcher Gegebenheiten wird es nicht m\u00f6glich sein, effiziente Systeme zu gestalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">China hat das Potenzial Afrikas schon vor l\u00e4ngerem entdeckt, investiert kr\u00e4ftig in Infrastruktur- und Rohstoffprojekte und gew\u00e4hrt grossz\u00fcgige Milliardenkredite, um Afrikas Wirtschaft zu f\u00f6rdern. Es ist bislang unbestritten der gr\u00f6sste und wichtigste Handelspartner Afrikas und profitiert auf vielf\u00e4ltige Weise von seinem Engagement. Der Westen reagiert mit Fingerzeig und verweist auf die mangelhafte Governance Afrikas, vers\u00e4umt es aber gleichzeitig, selbst aktiv zu werden. Statt Chancen zu erkennen, die der afrikanische Kontinent aufgrund seiner Vielfalt und seines Bev\u00f6lkerungsreichtums mit etlichen gut ausgebildeten Menschen bietet, verharrt der Westen bzw. Europa im Risikomodus. Der Bev\u00f6lkerungsreichtum und die kulturelle Identit\u00e4t werden st\u00e4rker als Gefahren denn als Opportunit\u00e4ten gesehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Moralismus in Europa verhindert, dass europ\u00e4ische Unternehmen notwendige T\u00e4tigkeiten und Investitionen in Afrika setzen. Dies w\u00e4re aber die beste Chance f\u00fcr Afrika \u2013 und auch Europa. Auch sollte die europ\u00e4ische Politik weniger darauf dr\u00e4ngen, das eigene Werteverst\u00e4ndnis in Afrika durchzusetzen, und eher versuchen, einen Investitionsschutz zu erreichen. Mitunter mag dies unethisch klingen, aber nur \u00fcber eine gute Wirtschaftsstruktur und die Respektierung der afrikanischen Lebensweise kann sich die Situation in Afrika verbessern und der f\u00fcr Europa so wichtige Kontinent sich zu einem Partner entwickeln. Dies wird bislang stark untersch\u00e4tzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Risikomanagement hat in Unternehmen einen immer gr\u00f6sseren Stellenwert. Es erm\u00f6glicht, allf\u00e4llige Betriebs-, Markt- oder Compliance-Risiken fr\u00fchzeitig zu evaluieren und sich entsprechend auszurichten. Heute haben nahezu alle Unternehmen einen oder mehrere Chief Risk Officers und fahren eine Risikostrategie. Die Krux ist, dass ob all der Risikoevaluation die Gefahr besteht, dass der Blick f\u00fcr m\u00f6gliche Opportunit\u00e4ten\u2026<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_seopress_titles_title":"Afrika - der untersch\u00e4tzte Partner","_seopress_titles_desc":"Ein Kommentar von S.D. 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