{"id":3376,"date":"2024-06-17T12:12:16","date_gmt":"2024-06-17T12:12:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.iuf.li\/?p=3376"},"modified":"2024-06-18T08:30:59","modified_gmt":"2024-06-18T08:30:59","slug":"gestaltungsfreiheit-von-stiftern-in-liechtenstein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.iuf.li\/de\/publikationen\/gestaltungsfreiheit-von-stiftern-in-liechtenstein\/","title":{"rendered":"Gestaltungsfreiheit von Stiftern in Liechtenstein"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ein Stifter m\u00f6chte ein Verm\u00f6gen einem bestimmten Zweck zuf\u00fchren und dazu das Verm\u00f6gen rechtlich strukturieren. Damit kann er sicherstellen, dass der Zweck langfristig effektiv erf\u00fcllt werden kann. Jeder Stifter hat seine Ideen, und eine Stiftung erm\u00f6glicht es, diese Ideen rechtlich gesichert umzusetzen. Die Gestaltungsfreiheit eines Stifters bildet dabei die wesentliche Grundlage f\u00fcr eine erfolgreiche Verm\u00f6gensstrukturierung.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>Gastkommentar von <a href=\"https:\/\/www.iuf.li\/de\/industrie-und-finanzkontor\/team\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">I.D. Gisela Bergmann, Prinzessin von und zu Liechtenstein<\/a>, im <a href=\"https:\/\/www.wirtschaftregional.li\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Wirtschaft Regional<\/a><\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das heimische Stiftungsrecht hat seinen Ursprung im Personen- und Gesellschaftsrecht (PGR) von 1926. Mit der Stiftungsrechtsrevision 2008 wurden die Befugnisse von Stiftern und die Rechte von Beg\u00fcnstigten gest\u00e4rkt. Ein besonderes Augenmerk galt dabei der internen Governance. Die Beaufsichtigung dessen, wie eine Stiftung zu verwalten ist, wurde verst\u00e4rkt den Stiftungsbeteiligten zugewiesen, etwa Beg\u00fcnstigten oder Aufsichtsorganen (Beir\u00e4te etc.). In Folge wurden Aufsichtsfunktion und Beg\u00fcnstigtengruppen exakter definiert und damit einhergehende Informations- und Auskunftsrechte klarer zugewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einem Stifter stehen vielf\u00e4ltige Gestaltungsrechte zu: Er erkl\u00e4rt den Willen zur Gr\u00fcndung einer Stiftung und widmet jene Verm\u00f6genswerte, die in das Eigentum einer Stiftung \u00fcbergehen und dort verwaltet werden sollen. Er legt den langfristig ausgerichteten Zweck fest. Er kann Mitglieder f\u00fcr den Stiftungsrat ernennen und Aufsichtsorgane und deren Mitglieder festlegen. Er ernennt Beg\u00fcnstigte bzw. Kreise m\u00f6glicher Beg\u00fcnstigter und weist den Umfang an Informations- und Auskunftsrechten gem\u00e4ss Stiftungsrecht zu. Auch sind allf\u00e4llige Pflichtteilsanspr\u00fcche und Verj\u00e4hrungsfristen zu ber\u00fccksichtigen. Die Stifterrechte stehen allein dem Stifter zu und sind nicht vererbbar oder an Dritte abtretbar. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der Stiftungserrichtung erstarren der Wille und die Rechte eines Stifters grunds\u00e4tzlich. Allerdings ist es pragmatisch, dass der Stifterwille \u00c4nderungen zul\u00e4sst. Demnach r\u00e4umt das Stiftungsrecht einem Stifter die M\u00f6glichkeit ein, sich Gestaltungsrechte vorzubehalten, wie etwa der Widerruf der Stiftung oder die Ab\u00e4nderung der Stiftungserkl\u00e4rung in der Zukunft. Der Vorbehalt von Gestaltungsrechten kann jedoch die Stiftung als Rechtskonstrukt schw\u00e4chen, da der Stifter kein vollst\u00e4ndiges Verm\u00f6gensopfer erbringt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beh\u00e4lt sich der Stifter keine Gestaltungsrechte vor \u2013 was in der Praxis \u00fcblich ist \u2013 stehen die Verm\u00f6genswerte im alleinigen Eigentum der Stiftung und diese wird im In- und Ausland grunds\u00e4tzlich als eigenst\u00e4ndiges Rechtssubjekt anerkannt. Der Stifterwillen gibt den Handlungsrahmen vor f\u00fcr die Stiftungsverwaltung durch den Stiftungsrat. Dessen Aufgabe ist es, die Stiftung im Aussenverh\u00e4ltnis zu vertreten, den Stifterwillen zu erf\u00fcllen und den Stiftungszweck im besten Interesse aller Beg\u00fcnstigten auszuf\u00fchren. Das erfolgt auf Grundlage von statutarischen und gesetzlichen Vorgaben sowie auf Basis einer sorgf\u00e4ltigen und nachvollziehbaren Entscheidungsfindung. Der Stiftungsrat darf nie nach eigenem Gutd\u00fcnken entscheiden, sondern muss stets im Einklang mit den Stiftungsdokumenten und den Gesetzen handeln. Er ist gegen\u00fcber Aufsichtsorganen und Beg\u00fcnstigten informationspflichtig und wird regelm\u00e4ssig daraufhin \u00fcberpr\u00fcft, ob er das Stiftungsverm\u00f6gen im Sinne des Stifterwillens und des Stiftungszwecks verwaltet und ausrichtet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses ausgewogene Verh\u00e4ltnis an Gestaltungsfreiheit f\u00fcr den Stifter und interner Governance zeichnet den liechtensteinischen Stiftungsstandort aus. Die sehr lange Stiftungstradition mit umfassender Rechtsprechung bildet ein weiteres Merkmal des Stiftungsstandorts. Sie f\u00fchrt zu Vorhersehbarkeit und einem hohen Mass an Rechtssicherheit, was gerade im Hinblick auf die langfristige Ausrichtung von Stiftungen bedeutsam und im heutigen, sehr dynamischen Wettbewerb der Standorte ein entscheidender Aspekt ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Stifter m\u00f6chte ein Verm\u00f6gen einem bestimmten Zweck zuf\u00fchren und dazu das Verm\u00f6gen rechtlich strukturieren. Damit kann er sicherstellen, dass der Zweck langfristig effektiv erf\u00fcllt werden kann. Jeder Stifter hat seine Ideen, und eine Stiftung erm\u00f6glicht es, diese Ideen rechtlich gesichert umzusetzen. 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