{"id":3558,"date":"2025-01-30T09:22:22","date_gmt":"2025-01-30T09:22:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.iuf.li\/?p=3558"},"modified":"2025-01-30T09:23:14","modified_gmt":"2025-01-30T09:23:14","slug":"zurueck-zum-gesunden-menschenverstand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.iuf.li\/de\/publikationen\/zurueck-zum-gesunden-menschenverstand\/","title":{"rendered":"Zur\u00fcck zum gesunden Menschenverstand"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Deutschland bietet ein Beispiel, wie mit Ideologie und Narrativen das Potenzial eines Landes verspielt wird  und die W\u00e4hler zu Protestparteien getrieben werden. Doch es ist noch nicht zu sp\u00e4t.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-cyan-bluish-gray-background-color has-text-color has-background has-link-color wp-elements-c609add704affc969f2665e73cd8750e\"><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-black-color\">Beitrag S.D. Prinz Michael von und zu Liechtenstein . <strong><a href=\"https:\/\/www.fuw.ch\/deutschland-zurueck-zum-gesunden-menschenverstand-696564253238\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.fuw.ch\/deutschland-zurueck-zum-gesunden-menschenverstand-696564253238\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Finanz und Wirtschaft<\/a> <\/strong>. Ausgabe 29.01.2025<\/mark><\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00ab<\/strong>Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten.\u00bb Mit diesem Zitat erinnerte der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl 1995 an Ereignisse der nationalsozialistischen und kommunistischen Vergangenheit. Die Bundesrepublik Deutschland (BRD) und die Deutsche Demokratische Republik (DDR) hatten wieder zusammengefunden und sich von den spaltenden Fesseln des Kommunismus gel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ideologie von Gleichheit, klassenloser Wohlfahrt und einem \u00abdemokratisch\u00bb legitimierten Zentralismus, mit welcher das kommunistische System die nationalsozialistische Ideologie ausmerzen wollte, war gescheitert. Die DDR hatte gezeigt, dass eine ideologisch gesteuerte Gesellschaft in ein fremdbestimmtes Leben f\u00fchrt, in dem eine Kaste von Funktion\u00e4ren Macht und Kontrolle \u00fcber die B\u00fcrger aus\u00fcbt. Ideologisch geleitete Menschen \u00e4ndern ihre Meinung nicht, auch wenn die Realit\u00e4t noch so sehr das Gegenteil beweist. Ideologien bauen auf starren Denkmustern, die den Blickwinkel verengen. Alles, was dem zuwiderl\u00e4uft, wird als Bedrohung taxiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Menschen lassen sich von ideologischen Vorstellungen blenden, weil sie die vermeintliche Realit\u00e4t pointiert erkl\u00e4ren und vereinfachte L\u00f6sungen f\u00fcr \u00c4ngste, Befindlichkeiten, Erwartungen etc. propagieren. Ideologien weisen der breiten Masse einen Weg und entziehen ihr die Verantwortung, Dinge selbst zu hinterfragen und Entscheidungen zu treffen. Der kommunistischen Ideologie (das Kollektiv) lag das Narrativ zugrunde, ein Gesellschaftssystem zu etablieren, in dem alle gleichwertig am Leben teilhaben und an allem gleichberechtigten Anspruch haben sollten. Im Ergebnis hatte die Bev\u00f6lkerung ihr Leben nach dem Gutd\u00fcnken einer Parteispitze zu gestalten, Kritik wurde abgestraft.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>R\u00fcckschritt statt Fortschritt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Kohls Zitat verdeutlicht, wie wichtig es ist, die Geschichte zu kennen, um zu verstehen, wie sich Gesellschaften entwickeln k\u00f6nnen. Der Blick auf vergangene Ereignisse zeigt, was es f\u00fcr eine prosperierende Gesellschaft braucht: Eigenverantwortung, gesunden Menschenverstand und Pragmatismus, um gesellschaftlichen Hypes und Str\u00f6mungen begegnen zu k\u00f6nnen. Das Aus der deutschen Ampelkoalition veranschaulicht, wohin es f\u00fchren kann, wenn dies negiert wird und Ideologien und Narrative die Politik bestimmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter der \u00c4ra Merkel b\u00fcsste Deutschland wesentlich an F\u00fchrungsst\u00e4rke und Wettbewerbsf\u00e4higkeit ein. Das Griechenland-Debakel mit dem Euro-Rettungsschirm versch\u00e4rfte das Nord-S\u00fcd-Gef\u00e4lle. Der Anspruch  nach einer Energiewende verkam zu einer teuren Energiekrise. Die Willkommenspolitik lockte Millionen von Migranten nach Deutschland und stellt das Land sozial wie auch wirtschaftlich vor grosse Herausforderungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es waren populistisch motivierte Man\u00f6ver, um eigene Positionen zu st\u00e4rken und sich die W\u00e4hlergunst links der Mitte zu sichern. Anstatt gegenzusteuern, hat die Ampelkoalition dieses Verm\u00e4chtnis akzentuiert,  wodurch die deutsche Wirtschaft und der gesellschaftliche Zusammenhalt kollabieren. Die Ampelkoalition  wollte mehr Freiheit, mehr Gerechtigkeit, mehr Nachhaltigkeit f\u00fcr alle. Die Klimakrise sollte bek\u00e4mpft werden, der deutsche Industriestandort zu alter St\u00e4rke zur\u00fcckfinden und das Leben wieder einfacher und bezahlbarer werden. Stattdessen hielt keines der Ziele. Der Grundsatz, mit Wokeness und Zeitgeist wichtige Faktoren wie Leistung, Fleiss und Kreativit\u00e4t zu ersetzen, kann nicht wirken.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zug der Russlandinvasion in der Ukraine 2022 wandte sich Bundeskanzler Scholz mit dem Narrativ der \u00abZeitenwende\u00bb an die Bev\u00f6lkerung. Mit einer Argumentationskette aus deutscher Solidarit\u00e4t, st\u00e4rkeren Verteidigungsanstrengungen und der Bedeutung der deutschen Bundeswehr verkaufte er der Bev\u00f6lkerung die Notwendigkeit eines Sonderverm\u00f6gens von rund 100 Mrd. \u20ac. Allerdings geschah fast nichts. Das anfangs heroisch propagierte Koalitionsprogramm geriet ins Abseits. Anstatt dr\u00e4ngende Themen wie Wirtschaft, Migration, Deutschlands Aussenpolitik und die St\u00e4rkung des deutschen Unternehmertums in Angriff zu nehmen, verzettelte sich die Ampelkoalition in Parteigepl\u00e4nkel und utopischen Zukunftsversprechungen, die als alternativlos dargestellt wurden und zulasten aller gingen, insbesondere des Mittelstands.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ampelkoalition war ein politisches Arrangement, das fernab der Realit\u00e4t agierte und stark von linksgerichteten Ideologien bestimmt wurde. Deutsches Unternehmertum wurde geg\u00e4ngelt, wichtige Ministerien mit Personen besetzt, die den Aufgaben nicht gewachsen waren. Dem liberaldemokratischen Koalitionspartner gelang es nicht, eine vern\u00fcnftigere Wirtschafts-und Steuerpolitik durchzusetzen. Finanzminister Christian Lindner schlug ein fundiertes, sinnvolles Finanz-und Wirtschaftsprogramm vor. Es h\u00e4tte jedoch eine Abkehr von den ideologischen Pl\u00e4nen der Sozialdemokraten und Gr\u00fcnen bedeutet. Scholz reagierte, indem er Lindner entliess und das Ende der Ampelkoalition besiegelte. Danach folgten Schuldzuweisungen und der Versuch, die Liberaldemokraten zum S\u00fcndenbock zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die vorgezogenen Neuwahlen werden zeigen, wie die Bev\u00f6lkerung dieses parteipolitische Gerangel billigen wird. Ein verst\u00e4rkter Zulauf zu Protestparteien d\u00fcrfte nicht verwundern und es w\u00e4re unklug, den diesbez\u00fcglichen W\u00e4hlerwunsch zu ignorieren. Ein Grundsatzproblem nicht nur in Deutschland ist, dass politische Gruppierungen ihre origin\u00e4re Identit\u00e4t und ihren Fokus verloren haben. Sozialdemokraten vertreten nicht mehr die arbeitende Bev\u00f6lkerung, sondern im Wesentlichen jene, die nicht arbeiten wollen. Christlich gepr\u00e4gte Volksparteien repr\u00e4sentieren weniger eine breite konservativ-b\u00fcrgerliche Mittelschicht und versuchen vermehrt, W\u00e4hler des linken Politspektrums zu gewinnen. \u00c4hnlich geht es den liberalen Parteien. In Folge ist die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung politisch heimatlos, ein idealer N\u00e4hrboden f\u00fcr Protestparteien.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aus der Geschichte lernen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Koalitionsparteien tendieren dazu, sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zu einigen und alles, was sich ihrem Denkmuster widersetzt, als \u00abradikal\u00bb auszugrenzen. Das befeuert eine irrationale Politik. Es geht nicht mehr um B\u00fcrgerinteressen, sondern um den Erhalt von Machtpositionen. Urspr\u00fcngliche Werte, mit denen sich Freiheit und Wohlstand etablieren liessen, werden marginalisiert. Politik sollte dem langfristigen Interesse bestehender und zuk\u00fcnftiger Generationen dienen. Das bedingt Mut, Str\u00f6mungen und Hypes zu widerstehen, die kurzfristig W\u00e4hlerstimmen einbringen; f\u00fcr origin\u00e4re Werte einzustehen; in den Dialog zu treten, statt auszugrenzen; zu eigenen Entscheidungen zu stehen. <\/p>\n\n\n\n<p>Ideologien verfestigen Meinungen zu Glaubensfragen und behindern eine realit\u00e4tsnahe Politik. Eine 2023 ver\u00f6ffentlichte Studie des Mercator Forums Migration und Demokratie (MIDEM) der Technischen Universit\u00e4t Dresden zum Thema <a href=\"https:\/\/www.stiftung-mercator.de\/content\/uploads\/2023\/07\/TUD_MIDEM_Polarisationsstudie_DEU_RZ.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>\u00abPolarisierung in Deutschland und Europa\u00bb<\/strong><\/a> kam zum Ergebnis, dass Bev\u00f6lkerungsgruppen, die sich politisch dem linken, gr\u00fcnen oder \u00f6kologischen Spektrum zuordnen, deutlich st\u00e4rker polarisiert und intoleranter gegen\u00fcber abweichenden Meinungen sind. Polarisierende, moralisierende Narrative spielen dabei eine zentrale Rolle. Doch wie die Geschichte zeigt, funktionieren Ideologien nicht. Es w\u00e4re wichtig, aus der Geschichte zu lernen, um politische Entscheidungen mit Pragmatismus und gesundem Menschenverstand zu f\u00e4llen und die Bedeutung der Privatwirtschaft f\u00fcr das Gesamtwohl zu verstehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutschland bietet ein Beispiel, wie mit Ideologie und Narrativen das Potenzial eines Landes verspielt wird und die W\u00e4hler zu Protestparteien getrieben werden. Doch es ist noch nicht zu sp\u00e4t. Beitrag S.D. Prinz Michael von und zu Liechtenstein . Finanz und Wirtschaft . 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