{"id":3830,"date":"2025-11-19T10:42:30","date_gmt":"2025-11-19T10:42:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.iuf.li\/?p=3830"},"modified":"2025-11-20T10:43:18","modified_gmt":"2025-11-20T10:43:18","slug":"irrweg-steuerpolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.iuf.li\/de\/publikationen\/irrweg-steuerpolitik\/","title":{"rendered":"Irrweg Steuerpolitik"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Der Staat will heute alles leisten und greift immer schamloser nach dem Verm\u00f6gen seiner B\u00fcrger. Das hat fatale Folgen f\u00fcr Wirtschaft, Wohlstand und sozialen Frieden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\"><em><strong>Beitrag S.D. Prinz Michael von und zu Liechtenstein .\u00a0<a href=\"https:\/\/www.fuw.ch\/staatsfinanzen-der-irrweg-einer-ausufernden-buerokratie-zu-immer-noch-mehr-steuern-451428863953\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Finanz und Wirtschaft<\/a>\u00a0. Ausgabe 19.11.2025 <\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u00abNo Taxation without Representation!\u00bb Mit dieser Parole brachten die der britischen Krone unterstehenden B\u00fcrger in Amerika einst ihren Unmut zum Ausdruck, Gesetze befolgen und Steuern entrichten zu m\u00fcssen, ohne ein politisches Mitspracherecht bei der Gesetzgebung zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Umstand war ein wesentlicher Grund f\u00fcr den sp\u00e4ter folgenden Unabh\u00e4ngigkeitskrieg, mit dem die B\u00fcrger in \u00dcbersee ihre Rechte und Freiheiten von der britischen Krone einforderten und schliesslich ihre Freiheit erk\u00e4mpften. Der amerikanische Unabh\u00e4ngigkeitskrieg war Ausdruck daf\u00fcr, dass eine echte politische Teilhabe f\u00fcr die Stabilit\u00e4t einer Gesellschaft wichtig ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Uners\u00e4ttlicher Bedarf<\/strong> <br>In der Konsequenz trug dieses historische Ereignis zum Verst\u00e4ndnis der Gewaltentrennung bei. Ein Parlament sollte als Kontrollinstanz \u00fcber die Staatsfinanzen walten, dementsprechend sollte eine Exekutive rechenschaftspflichtig gegen\u00fcber dem Parlament werden. Die Judikative wiederum sollte g\u00e4nzlich unabh\u00e4ngig \u00fcber Recht und Ordnung entscheiden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>In sp\u00e4terer Folge wurde das Prinzip der Gewaltentrennung auch in europ\u00e4ischen Verfassungen verankert mit dem Ziel, Machtkonzentration und Willk\u00fcr zu verhindern und die Exekutive zu einer verst\u00e4rkten Budgetdisziplin zu verpflichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute sehen sich etliche B\u00fcrger mit einem weitgehend dysfunktionalen Staat konfrontiert, der die Steuergesetzgebung immer mehr auszuweiten versucht, schlicht und einfach, weil er zu hohe Ausgaben und einen \u00fcberdimensionierten Verwaltungsapparat aufweist.<\/p>\n\n\n\n<p>Steigende Staatsausgaben f\u00fchren konsequenterweise zu steigendem Steuerniveau, dementsprechend wird die Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber Privat- und Unternehmerverm\u00f6gen in etlichen L\u00e4ndern mehr und mehr auf eine elit\u00e4re Kaste von Politikern verlagert. Immer komplexer werdende Steuergesetze dienen dabei als zentraler Zugriffshebel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><em><strong>\u00abSeit Jahrzehnten tritt der eigentliche Zweck <\/strong><\/em><br><strong><em>von S<\/em><\/strong><em><strong>teuereinnahmen immer mehr in den Hintergrund.\u00bb<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Mit Hilfe der Organisation for Economic Cooperation and Development (OECD) wird der politische Einflussbereich auf grosse Verm\u00f6gen forciert und der \u00fcber die vergangenen Jahre ausgeweitete Austausch von Steuerdaten erleichtert dies. Die von der OECD vorangetriebene \u00abHarmonisierungspolitik\u00bb zielt zus\u00e4tzlich darauf ab, Steuers\u00e4tze und Bemessungsgrundlagen auf einem h\u00f6chstm\u00f6glichen Niveau anzugleichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch steht es Staaten oder Organisationen wirklich zu, immer weitreichender in die Eigentumsrechte seiner B\u00fcrger einzugreifen? Stehen die Entwicklungen im Steuerbereich noch im Einklang mit den Prinzipien einer freien, demokratischen Gesellschaft? Oder sind sie Ausdruck einer systembedingten Fehl\u00fcberlegung, die immer st\u00e4rker den Unmut der B\u00fcrger auf sich zieht? Stimmen der urspr\u00fcngliche Sinn und Zweck von Steuern und die heutige Auslegeart noch \u00fcberein?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Missverstandene Politik<\/strong> <br>Steuern bilden eine wesentliche Grundlage, damit ein Gemeinwesen funktionieren kann. \u00dcber Steuern und Abgaben tragen B\u00fcrger dazu bei, die notwendigen Ausgaben eines Staats f\u00fcr das Gemeinwohl zu finanzieren. Aus dieser Perspektive sind Steuern als Zeichen der Solidarit\u00e4t zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Steuersubstrat entsteht in der Privatwirtschaft, durch Unternehmer und Arbeitskr\u00e4fte. Ohne funktionierende Privatwirtschaft keine Steuern. Hier beginnt das Problem. Steuern d\u00fcrfen nicht zum Selbstzweck verkommen. Ein Staat soll sich diesbez\u00fcglich darauf beschr\u00e4nken, mit den Steuereinnahmen jene Aufgaben zu erf\u00fcllen, die f\u00fcr das Gemeinwohl notwendig sind wie etwa Investitionen in Sicherheit, Infrastruktur, Rechtsstaatlichkeit etc.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit Jahrzehnten aber tritt dieser eigentliche Zweck von Steuereinnahmen immer mehr in den Hintergrund. Stattdessen entwickelt sich ein System, das sich selbst erh\u00e4lt, ein \u00fcberdimensionierter Verwaltungsapparat, der einen guten Teil der Steuergelder f\u00fcr sich beansprucht. Gleichzeitig wird unter dem Etikett der \u00abGerechtigkeit\u00bb der Zugriff auf Privatverm\u00f6gen immer weiter versch\u00e4rft. <\/p>\n\n\n\n<p>Der automatische Informationsaustausch etwa soll Steuerflucht verhindern, tats\u00e4chlich aber untergr\u00e4bt er die Privatsph\u00e4re des Einzelnen und zieht einen \u00fcberdimensionierten Aufwand nach sich. Privatverm\u00f6gen wird als Quelle f\u00fcr politisch motivierte Umverteilung gesehen, statt als produktives Kapital, das f\u00fcr Innovation, Unternehmertum und Arbeitspl\u00e4tze ben\u00f6tigt wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><em><strong>\u00abKomplexe Steuergesetze erh\u00f6hen B\u00fcrokratie <\/strong><\/em><br><em><strong>und k\u00f6nnen Unternehmen davon abhalten, <\/strong><\/em><br><em><strong>in Forschung und Entwicklung zu investieren.\u00bb<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Je mehr ein Staat reguliert und umverteilt, desto mehr verhindert er Wachstum und gesellschaftliche Prosperit\u00e4t. Die Folgen sind sinkende Wettbewerbsf\u00e4higkeit, stagnierende Innovation, Verlust an Unternehmertum, sinkende Sparquoten, wachsende soziale Spannungen etc. Ein Staat kann nicht dauerhaft verteilen, was er f\u00fcr die Finanzierung des Gemeinwohls unterbindet. Fehlende Budgetdisziplin und fortw\u00e4hrend steigende Staatsausgaben stellen die gr\u00f6sste Bedrohung f\u00fcr Sicherheit, Freiheit und Wohlstand dar.<\/p>\n\n\n\n<p>In vielen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern wird ernsthaft \u00fcber eine Wiedereinf\u00fchrung beziehungsweise Erh\u00f6hung von Verm\u00f6gens- und Erbschaftssteuern diskutiert. In der Schweiz steht Ende November die Abstimmung zur Juso-initiative an, die die Einf\u00fchrung einer 50%-Erbschafts- und Schenkungssteuer ab einem Freibetrag von 50 Mio. Fr. fordert.<\/p>\n\n\n\n<p>Regulierungssch\u00fcbe, Steuerharmonisierung und Initiativen zur Erlangung einer vermeintlichen Steuergerechtigkeit m\u00f6gen auf dem Papier attraktiv erscheinen, in der Realit\u00e4t haben sie gravierende Folgen f\u00fcr Wirtschaft und Gesellschaft. Komplexe Steuergesetze erh\u00f6hen B\u00fcrokratie und k\u00f6nnen Unternehmen davon abhalten, in Forschung und Entwicklung zu investieren. Steuerkonformit\u00e4t ist oft mit kostspieligen Beratungsleistungen und Softwarel\u00f6sungen verbunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine dynamische Entwicklung in der Steuergesetzgebung erschwert die langfristige unternehmerische Planung und behindert insbesondere Start-ups und kleinere Unternehmen. Auch wenn es eine Wiederholung ist: Langfristig braucht es auf dem Weg zu wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Erfolg eine einfache, verst\u00e4ndliche und \u00fcberschaubare Steuergesetzgebung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was uns die Geschichte lehrt<\/strong> <br>Schaut man zur\u00fcck in die Geschichte und auf Ereignisse wie jene der amerikanischen Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung, so erkennt man, wie wichtig eine gesunde Balance zwischen staatlicher Macht und politischer B\u00fcrgerbeteiligung ist. Steuern sollen das Gemeinwohl sichern, nicht aber den Geist der unternehmerischen Freiheit ersticken. Ein einfaches, wirtschaftsfreundliches Steuersystem ist eine Voraussetzung f\u00fcr Innovation, Unternehmertum und eine stabile Gesellschaft. Alles andere f\u00fchrt langfristig zu politischer Ineffizienz, wirtschaftlichem Stillstand und gesellschaftlicher Inakzeptanz.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Schweiz und Liechtenstein sind Beispiele, die beweisen, dass eine solche Balance m\u00f6glich ist. \u00dcber kluge, ausgewogene Governance-Systeme kann hier B\u00fcrgerbeteiligung effektiv gelebt werden, staatliche Macht wird in Schranken gehalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das abschliessende Zitat, das dem Philosophen Thomas von Aquin zugesprochen wird, soll daran erinnern, dass Freiheit und Wohlstand nur in einem politischen System gedeihen k\u00f6nnen, das auf Vernunft und Wahrheit fusst: \u00abDie Wurzel der Freiheit liegt in der Vernunft, es gibt keine Freiheit ausser in der Wahrheit.\u00bb <\/p>\n\n\n\n<p>Der einzelne B\u00fcrger kann nur dann frei entscheiden, wenn er vor staatlichem Zwang gesch\u00fctzt ist, sich aktiv in den politischen Diskurs einbringen und sicherstellen kann, dass politische Entscheidungen die Bed\u00fcrfnisse der B\u00fcrger spiegeln und dem Wohl der Allgemeinheit dienen. Wenn Steuergesetze so gestaltet sind, dass ein jeder B\u00fcrger sie verstehen und anwenden kann, dann k\u00f6nnen B\u00fcrger selbstbestimmt handeln \u2013 eine wesentliche Voraussetzung f\u00fcr echte Freiheit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Staat will heute alles leisten und greift immer schamloser nach dem Verm\u00f6gen seiner B\u00fcrger. Das hat fatale Folgen f\u00fcr Wirtschaft, Wohlstand und sozialen Frieden. Beitrag S.D. Prinz Michael von und zu Liechtenstein .\u00a0Finanz und Wirtschaft\u00a0. 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