{"id":3964,"date":"2026-07-01T10:05:53","date_gmt":"2026-07-01T10:05:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.iuf.li\/?p=3964"},"modified":"2026-07-03T13:29:57","modified_gmt":"2026-07-03T13:29:57","slug":"wenn-angst-die-zukunft-bestimmt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.iuf.li\/de\/publikationen\/wenn-angst-die-zukunft-bestimmt\/","title":{"rendered":"Wenn Angst die Zukunft bestimmt"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Vom Waldsterben \u00fcber die Computerrevolution bis zur KI: Immer wieder sch\u00fcren Interessengruppen gezielt \u00c4ngste. Mit einem Negativit\u00e4ts-Bias k\u00f6nnte Europa dysfunktional werden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>Beitrag <a href=\"https:\/\/www.iuf.li\/de\/industrie-und-finanzkontor\/team\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">S.D. Prinz Michael von und zu Liechtenstein<\/a> .&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.fuw.ch\/kritik-am-alarmismus-wenn-angst-die-zukunft-bestimmt-524211393444\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Finanz und Wirtschaft<\/a>&nbsp;. Ausgabe 01.07.2026<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abWenn es so weitergeht, stirbt die gesamte Menschheit aus. Wir weissen Europ\u00e4er werden zu den Ersten geh\u00f6ren.\u00bb Mit diesem Titel wurde vor einigen Wochen ein Gespr\u00e4ch mit dem britischen Demografen und Autor <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/feuilleton\/wenn-es-so-weitergeht-stirbt-die-gesamte-menschheit-aus-wir-weissen-europaeer-werden-zu-den-ersten-gehoeren-sagt-der-demograf-ld.10006425\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>Paul Morland<\/strong> <\/a>zitiert, der sich anl\u00e4sslich des <a href=\"https:\/\/symposium.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>Sankt-Gallen-Symposiums<\/strong><\/a> mit der Frage auseinandersetzte, ob Migration in alternden Gesellschaften Solidarit\u00e4t aufrechterhalten kann, ohne dass der soziale Zusammenhalt untergraben wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Vordergrund steht hier jedoch weniger die Fragestellung, mit der sich Morland auseinandersetzte, als vielmehr der bewusst aufmerksamkeitsstarke Titel des Beitrags. Er erzeugt Angst oder zumindest ein ungutes Gef\u00fchl.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Angst ist ein sehr effektiver Hebel, um Aufmerksamkeit zu erzielen, Handlungen zu legitimieren und Interessen durchzusetzen. Schreckensszenarien, die Angst streuen, sind kein neues Ph\u00e4nomen, sondern ein altes Muster menschlichen Verhaltens. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den Sechzigerjahren beispielsweise warnte der <em>Club of Rome<\/em> in seinem Bericht \u00abDie Grenzen des Wachstums\u00bb vor den langfristigen Folgen von unbegrenztem Wirtschafts- und Bev\u00f6lkerungswachstum. Damals sah man ein unkontrolliertes Bev\u00f6lkerungswachstum als ein zentrales Problem an. Heute, rund f\u00fcnfzig Jahre sp\u00e4ter, sehen wir uns jedoch einem demografischen Problem gegen\u00fcberstehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Schreckensszenarien im Wandel<\/strong> <br>In den Siebziger- und Achtzigerjahren wurde der saure Regen und das damit einhergehende Waldsterben in Mitteleuropa zur existenziellen Bedrohung zugespitzt. Es wurde weitl\u00e4ufig ideologisch aufgesetzt, obschon sich das Problem dort konzentrierte, wo Kohlekraftwerke standen. In damals kommunistischen L\u00e4ndern wie der Deutschen Demokratischen Republik, der damaligen Tschechoslowakei oder Polen war der saure Regen und das Waldsterben tats\u00e4chlich problematisch, nicht jedoch im Westen Europas. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den Siebzigerjahren hiess es auch, der Einzug von Computern mache B\u00fcrojobs \u00fcberfl\u00fcssig, weil in Zukunft Routinearbeiten automatisiert und bestimmte Aufgaben schneller erledigt werden k\u00f6nnen. Tats\u00e4chlich aber f\u00fchrten Computer zu einem massiven Anstieg von B\u00fcrot\u00e4tigkeiten, die sich qualitativ ver\u00e4nderten. Auch entstand eine Vielzahl neuer Aufgabengebiete. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einer Zeit extremen Wirtschaftswachstums f\u00fchrten Computer tats\u00e4chlich zu einer grossen Produktivit\u00e4tssteigerung. Der Mensch wurde nicht ersetzt, sondern produktiver. Heute werden mit KI und Robotics \u00e4hnliche \u00c4ngste gesch\u00fcrt. Die Angst, dass die menschliche Arbeitskraft obsolet werden k\u00f6nnte, f\u00fchrt zu \u00fcbertriebenen Anspr\u00fcchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Karl Marx proklamierte einst, dass Religion Opium f\u00fcr das Volk sei. Er meinte allerdings unzutreffend, dass Menschen lieber Trost in Religionen suchten, als sich mit ihrem Fortkommen zu befassen. Heute ist tats\u00e4chlich ein gesellschaftlicher Alarmismus das g\u00e4ngige Opium. Doch woher r\u00fchrt er? <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Psychologen sprechen von einem Negativit\u00e4ts-Bias, einer evolutionsbedingten Tendenz des Menschen, st\u00e4rker auf Risiken und Gefahren zu reagieren und negativen Informationen mehr Aufmerksamkeit zu gew\u00e4hren, als positiven Nachrichten. Diesen nat\u00fcrlichen menschlichen Mechanismus machen sich unterschiedliche Gruppierungen zunutze, um ihre Interessen durchsetzen zu k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Aufmerksamkeitslogik der Medien verst\u00e4rkt das Ganze zus\u00e4tzlich. Wir reden heute von Aktivisten, die sich h\u00e4ufig \u00fcber sogenannte Missst\u00e4nde aufregen. Oft ist dies jedoch ein Vorwand, um anstrengenden Herausforderungen ausweichen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><strong>In Europa entstehen Entscheidungen oft<br>aus aktivistischem Druck heraus<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Insbesondere staatliche Akteure und sogenannte \u00abPressure Groups\u00bb wie viele NGOs, Umweltschutzorganisationen oder politische Gruppierungen nutzen das Negativit\u00e4ts-Bias, um bestimmte Themen zu emotionalisieren, damit sie sich in der \u00d6ffentlichkeit durchsetzen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Menschenrechte und Umweltthemen sind zweifelslos wichtig, doch allzu oft werden sie als Ausrede f\u00fcr Aktionismus benutzt, anstatt dass die Probleme wirklich gel\u00f6st werden. Das EU-Lieferkettengesetz ist ein fatales Beispiel f\u00fcr die Wirtschaft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Indem die Dringlichkeit bestimmter Themen betont wird, wird die Akzeptanz f\u00fcr regulatorische Eingriffe gesteuert. Staat oder supranationale Organisationen k\u00f6nnen ihren Handlungsspielraum erweitern, Eingriffe in den Markt und in b\u00fcrgerliche Freiheitsrechte legitimieren und andere, dr\u00e4ngende Themen aufschieben. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ablenkung von wichtigen Themen<\/strong> <br>Europa steht wesentlichen Herausforderungen gegen\u00fcber, die dringendst angegangen werden sollten, jedoch nicht die notwendige Aufmerksamkeit erhalten. Trotz hoher Staatsausgaben werden die zugrundeliegenden Probleme nicht gel\u00f6st, vielmehr werden aktivistische Themen legitimiert und Unsummen an Steuergeldern daf\u00fcr verschwendet. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das zeigt sich auch in der Aussen- und Sicherheitspolitik. Vielfach erscheint es einfacher und \u00f6ffentlichkeitswirksamer, anderen L\u00e4ndern paternalistisch gute Ratschl\u00e4ge zu erteilen, als internationale Politik durch gezielte Diplomatie aktiv mitzugestalten. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Chefdiplomaten vermarkten ihre Aussenpolitik lieber als \u00abfeministisch\u00bb, anstatt sich den schwierigen Fragen der Handels- und Sicherheitspolitik zu stellen. Das ist oft leichter, als Forderungen zu formulieren, mit der die langfristige Sicherheit und das Wohl der eigenen Bev\u00f6lkerung gew\u00e4hrleistet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn Politik und Wirtschaft sich zu sehr von aktivistischen Str\u00f6mungen leiten lassen oder Aktivismus in die F\u00fchrungsebenen von Staat und Verwaltung vordringt, drohen staatliche Institutionen dysfunktional zu werden. Auch wenn es in Europa noch nicht ganz so weit ist, so besteht doch die signifikante Gefahr. Aktivistisch motivierte Entscheide, wie etwa der Atomausstieg Deutschlands, k\u00f6nnen katastrophale Folgen haben. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Europ\u00e4er beklagen sich gerne \u00fcber die Unvorhersehbarkeit von Pr\u00e4sident Trump. In europ\u00e4ischen Staaten gibt es jedoch auch zahlreiche Entscheidungen, die unvorhersehbar sind und aus aktivistischem Druck heraus entstehen oder von populistischer Politik bestimmt sind. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Politik sollten Entscheidungen von Pragmatismus und gesundem Menschenverstand gepr\u00e4gt sein. Dann kann ein Staat seine tats\u00e4chliche Funktion erf\u00fcllen. Und dann bestimmt nicht Angst die Zukunft, sondern Vernunft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom Waldsterben \u00fcber die Computerrevolution bis zur KI: Immer wieder sch\u00fcren Interessengruppen gezielt \u00c4ngste. Mit einem Negativit\u00e4ts-Bias k\u00f6nnte Europa dysfunktional werden. Beitrag S.D. Prinz Michael von und zu Liechtenstein .&nbsp;Finanz und Wirtschaft&nbsp;. Ausgabe 01.07.2026 \u00abWenn es so weitergeht, stirbt die gesamte Menschheit aus. Wir weissen Europ\u00e4er werden zu den Ersten geh\u00f6ren.\u00bb Mit diesem Titel wurde\u2026<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_seopress_titles_title":"","_seopress_titles_desc":"","_seopress_robots_index":"","_seopress_robots_follow":"","_seopress_robots_imageindex":"","_seopress_robots_snippet":"","_seopress_robots_primary_cat":"","_seopress_robots_breadcrumbs":"","_seopress_robots_freeze_modified_date":"","_seopress_robots_custom_modified_date":"","_seopress_robots_canonical":"","_seopress_social_fb_title":"Wenn Angst die Zukunft bestimmt - Meinungsbeitrag Finanz und Wirtschaft","_seopress_social_fb_desc":"In seinem aktuellen Gastkommentar erl\u00e4utert S.D. 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