{"id":467,"date":"2020-08-01T08:00:00","date_gmt":"2020-08-01T08:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.iuf.li\/?p=467"},"modified":"2024-08-06T12:53:43","modified_gmt":"2024-08-06T12:53:43","slug":"ueber-wirtschaftliche-politische-und-gesellschaftliche-auswirkungen-und-folgen-der-corona-pandemie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.iuf.li\/de\/publikationen\/wirtschaftliche-politische-und-gesellschaftliche-auswirkungen-und-folgen-der-corona-pandemie\/","title":{"rendered":"Wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Auswirkungen und Folgen der Corona-Pandemie"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>S.D. Prinz Michael von und zu Liechtenstein spricht&nbsp;mit Silvia Abderhalden, Redakteurin des liechtensteinischen Magazins&nbsp;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.exclusiv.li\/\" target=\"_blank\">www.exclusiv.li<\/a>,&nbsp;\u00fcber die wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen und Folgen der Covid19-Pandemie und wie man sich am besten auf eine unvorhersehbare Zukunft vorbereiten kann.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Interview mit Silvia Abderhalden spricht S.D. Prinz Michael \u00fcber wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Auswirkungen und Folgen der Corona-Pandemie<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>S.D. Prinz Michael von und zu Liechtenstein ist Executive Chairman von Industrie- und Finanzkontor Etablissement, einem unabh\u00e4ngigen liechtensteinischen Treuhandunternehmen mit Tradition und Expertise im langfristigen und generationen\u00fcbergreifenden Verm\u00f6genserhalt (Wealth Preservation) \u2013 insbesondere f\u00fcr Familien und Unternehmer. Auch ist er Gr\u00fcnder und Vorsitzender der Geopolitical Intelligence Services AG, Pr\u00e4sident des Think Tanks European Center of Austrian Economics Foundation, Mitglied des International Institute of Longevity und Vorstandsmitglied der liechtensteinischen Treuhandkammer.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die verschiedenen Massnahmen zur Eind\u00e4mmung der Coronavirus-Pandemie haben weltweit in einem Ausmass zu Beeintr\u00e4chtigungen, Unsicherheiten und \u00c4ngsten gef\u00fchrt, wie es seit Jahrzehnten nicht mehr vorgekommen ist. Als die Regierungen der L\u00e4nder Massnahmen einf\u00fchrten, um die Gesundheitskrise unter Kontrolle zu bringen, kamen die Volkswirtschaften und das soziale Leben schlagartig zum Erliegen und ganze Sektoren wurden stillgelegt. War eine solche Krise in irgendeiner Form voraussehbar?<\/strong><br><em>S.D. Prinz Michael von und zu Liechtenstein:<\/em> Pandemien wie auch Naturkatastrophen wird es immer geben, sie geh\u00f6ren zur Geschichte der Menschheit. Dass Pandemien von Zeit zu Zeit in Erscheinung treten, darf deshalb nicht \u00fcberraschen. Allerdings kann aufgrund der hohen Reisefrequenz der Menschen eine Ausbreitung heute wesentlich rascher voranschreiten, als zu fr\u00fcheren Zeiten. Es w\u00e4re eine Illusion, dass die Menschheit Katastrophen und Krisen unterbinden kann. Deshalb stellt sich auch weniger die Frage, wie solche vorausgesehen werden k\u00f6nnen, sondern vielmehr, wie die Menschen damit umgehen? Es gilt, nach dem Wahrscheinlichkeitsprinzip vorzugehen, aber auch, das Bewusstsein zu sch\u00e4rfen, dass es schlussendlich keine absolute Sicherheit gibt. Wichtig ist, dass die Menschen der Krise mit Ruhe und einer positiven Grundhaltung begegnen und nicht panisch reagieren. Dies gilt besonders f\u00fcr Medien, Politik und Beh\u00f6rden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wie k\u00f6nnen wir uns dann auf weitere, \u00e4hnliche Krisen vorbereiten? Kann die Politik Pr\u00e4ventionsmassnahmen verst\u00e4rken?<\/strong><br>Staaten k\u00f6nnen Pr\u00e4ventionsmassnahmen f\u00fcr wahrscheinliche oder potentiell wahrscheinliche Krisen vorsehen. F\u00fcr unvorhersehbare Ereignisse aber ist es wichtig, auf die Selbstverantwortung des Einzelnen und die L\u00f6sungsorientierung von lokalen Institutionen und Beh\u00f6rden z\u00e4hlen zu k\u00f6nnen. Jeder Mensch und jede Kultur dieser Welt handelt unterschiedlich. Man kann Europa beispielsweise nicht mit Amerika, Russland oder China vergleichen. Deshalb ist es wichtig, dass Massnahmen lokal getroffen werden k\u00f6nnen. Es w\u00e4re wenig hilfreich, wenn nicht sogar kontraproduktiv, wenn Massnahmen von globalen Einheiten wie zum Beispiel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert und dann der ganzen Welt verordnet w\u00fcrden. Das Credo \u00abGlobale Probleme brauchen globale L\u00f6sungen\u00bb klingt zwar gut, funktioniert aber nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Welche Ziele sollten wir anstreben, um das wichtige menschliche Grundbed\u00fcrfnis, die Sicherheit, zur\u00fcckzugewinnen?<\/strong><br>Menschen streben nach Sicherheit, aber eigentlich ist sie eine Illusion. Das einzig sichere Ereignis im Leben ist leider nur der Tod. Der Luxus eines Wohlfahrtsstaates aber verleitet die Menschen zu dem Glauben, pers\u00f6nliche Verantwortung und Freiheit gegen eine vermeintliche Sicherheit eintauschen zu k\u00f6nnen. In vielen L\u00e4ndern n\u00e4hren sowohl die Politik als auch die Medien diese Illusion. Meines Erachtens w\u00e4re es zielf\u00fchrender, einerseits die Selbstverantwortung und damit den Selbstschutz zu st\u00e4rken, andererseits das Verst\u00e4ndnis zu sch\u00e4rfen, sowohl in der Bev\u00f6lkerung als auch bei Beh\u00f6rden und Regierungen, dass \u00abdie L\u00f6sung\u00bb nicht in allen politischen Entscheidungen liegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein anderer, wichtiger Punkt ist, dass die Politik in Krisen die Verantwortung tr\u00e4gt und sich nicht einzig auf Experten verl\u00e4sst. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sowohl die Politik wie auch die Experten an Vertrauen verlieren. Experten vertreten ihr Spezialgebiet, die Politik aber muss ausgewogen handeln. Zu Beginn der Corona-Pandemie gestatteten allzu viele Regierungen Wissenschaftlern, die Lage zu dominieren. Eine Debatte, die notwendig gewesen w\u00e4re, war nicht erlaubt. Im Gegenteil, sie wurde als Gefahr f\u00fcr Gesundheit und Leben dargestellt. Sich bereits dannzumal abzeichnende Kollateralsch\u00e4den wurden ignoriert oder in Kauf genommen, beispielsweise indem \u00e4ltere Menschen zu Risikogruppen erkl\u00e4rt und isoliert wurden, oder indem andere medizinische Behandlungen ausgesetzt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Corona-Pandemie betrifft alle Bereiche unseres pers\u00f6nlichen Lebens. Doch auch unser Gemeinwesen insgesamt \u2013 das politische und wirtschaftliche System, der Rechtsstaat, das Gesundheitswesen \u2013 bekommt die Auswirkungen der Krise deutlich zu sp\u00fcren. \u00dcberbordende Staatsschulden waren schon vor der Corona-Krise nicht nur in Europa ein Problem. In den Medien lesen wir t\u00e4glich von Hilfspaketen im Kampf gegen den mutmasslich gr\u00f6ssten Wirtschaftseinbruch seit dem Zweiten Weltkrieg, in H\u00f6hen bei deren Erfassung uns schwindlig werden kann.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Kann Geld in unbegrenzter H\u00f6he eingeschleust werden? Wohin fliesst es effektiv? Und wer profitiert wirklich davon?<\/strong><br>Sicherlich notwendig sind Wirtschaftshilfen im Bereich von KMUs, da diese unverschuldet in Probleme geraten sind. Der Wirtschaftseinbruch ist gewaltig und die Folgen werden sich \u00fcber Jahre erstrecken, gerade im Dienstleistungs- und Tourismussektor. Die Haltung, Probleme nicht durch Reformen, sondern durch Gelddrucken zu l\u00f6sen, herrscht leider seit Jahrzehnten vor. Bis vor einigen Jahren wurde diese durch Erh\u00f6hung von Staatsschulden finanziert. Dann wurde das \u00abquantitative easing\u00bb erfunden und bereits vor der Corona-Krise war ein Status erreicht, an dem die meisten Staatsschulden de facto nicht mehr r\u00fcckzahlbar waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dazu kommt das Problem, dass die wenigsten Staaten Reserven gebildet haben, um zuk\u00fcnftigen Pensionsverpflichtungen nachkommen zu k\u00f6nnen. Und auch die Frage, wie die steigenden Gesundheitskosten einer immer \u00e4lter werdenden Gesellschaft gedeckt werden sollen, ist nach wie vor ungel\u00f6st. Mit der Corona-Krise wird nun weiter unbegrenzt Geld gedruckt. Aber wie lange kann das noch weitergehen? Irgendwann wird der \u00abZahltag\u00bb kommen. Und es kann gut sein, dass die Situation dann schlimmer sein wird, als man sich heute vorstellen kann: eine starke Inflation aufgrund \u00fcberbordender Geldmengen und gleichzeitig eine Deflation aufgrund von \u00dcberkapazit\u00e4ten im Tourismus-, Dienstleistungs- und Produktionsbereich. Liechtenstein nimmt hier eine Sonderrolle ein. Liechtenstein hielt sich schon immer dazu an, sparsam zu wirtschaften, Reserven zu bilden und den \u00f6ffentlichen Haushalt mit Vorsicht zu verwalten. Dieser Umstand bew\u00e4hrt sich jetzt einmal mehr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Bei welchen Sicherheitsmassnahmen sehen Sie in der Zukunft eine Gefahr f\u00fcr die Wirtschaft?<\/strong><br>Ich glaube nicht, dass wir allzu viele Sicherheitsmassnahmen weiterf\u00fchren k\u00f6nnen und auch gar nicht sollen. Allerdings wurde in Europa der Zivilschutz bis zur gegenw\u00e4rtigen Krise eher vernachl\u00e4ssigt. Zivilschutz ist eine Vorsorge vor Gefahren jeglicher Art. Er bedingt eine Organisationsstruktur und Notfallpl\u00e4ne. Wie die Krise gezeigt hat, ist die Vorratshaltung im medizinischen Bereich mangelhaft. Auch die Sicherung der Versorgungslinien war bislang mangelhaft und es gibt nur wenige Notstandspl\u00e4ne. Gewisse Vorratshaltungen sind notwendig. Aber wie schon gesagt, wir k\u00f6nnen nicht jegliche Effizienz einer vermeintlichen Sicherheit opfern, sprich alles lokal machen anstatt zu importieren. Zu viele Sicherheitsmassnahmen sind auch eine Gefahr f\u00fcr die Wirtschaft. Im Prinzip muss sich jeder \u00fcberlegen, wie er oder sie einer zweiten Welle begegnen kann. Aber es muss auch eine gewisse Immunisierung der Bev\u00f6lkerung stattfinden k\u00f6nnen. Wenn eine zweite Welle kommt, k\u00f6nnte sich das schwedische Vorgehen eventuell als richtig herausstellen, weil eine breite Bev\u00f6lkerung in der Zwischenzeit immunisiert ist. Leider wird man erst viel sp\u00e4ter feststellen k\u00f6nnen, was richtig oder falsch war. Was es sicher braucht, sind Flexibilit\u00e4t und Mut zu Entscheidungen in der jeweiligen Situation. Das gem\u00e4ssigtere Vorgehen in der Schweiz und in Liechtenstein in den vergangenen Monaten hat sich im Grossen und Ganzen wahrscheinlich bew\u00e4hrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Kann die Krise zu Ver\u00e4nderungen im globalen W\u00e4hrungs- und Finanzsystem f\u00fchren?<\/strong><br>Die Krise wird nicht zu globalen Ver\u00e4nderungen f\u00fchren, kann aber gewisse Tendenzen beschleunigen. Die W\u00e4hrungs- und Finanzsysteme sind bereits krank und die Krise erlaubt, eine uns\u00e4gliche Geldpolitik fortzusetzen. Zudem gestattet sie gewissen Staaten, die bereits vorherrschende Tendenz, pers\u00f6nliche Freiheitsrechte und Selbstverantwortung einzuschr\u00e4nken, zu verst\u00e4rken. Auch muss die Krise vielerorts als Entschuldigung f\u00fcr das Fehlverhalten in der Vergangenheit herhalten. Nicht mehr die unverantwortlich hohen Staatsausgaben sind schuld an der finanziellen Misere der \u00f6ffentlichen Hand, sondern ein klitzekleines Virus, das vermeintlich die Existenz der Menschheit bedroht. Doch eigentlich liegen die Gefahren ganz woanders.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Welches w\u00e4re der wichtigste Ratschlag, den Sie heute einem Menschen geben w\u00fcrden, der versucht, sein Verm\u00f6gen langfristig aufzubauen und zu sch\u00fctzen und Sicherheit f\u00fcr die n\u00e4chste Generation zu schaffen?<\/strong><br>Verm\u00f6gen entsteht durch Arbeit und Verzicht auf den Konsum von Ertr\u00e4gen, die aus der Arbeit resultieren. Also durch Sparen. Das Grundproblem heute aber liegt darin, dass vor allem die staatliche Steuerpolitik viele Ertr\u00e4ge verschlingt und nicht viel zum Sparen \u00fcbrigl\u00e4sst. Und die Tief- bis Negativzinspolitik von Zentralbanken macht Ersparnisse in Geld zudem unattraktiv. Daher bieten Anlagen in Sachwerte derzeit die interessanteste Alternative. Dies k\u00f6nnen beispielsweise Aktien, Immobilien oder der Ausbau des eigenen Unternehmens sein. Die heutige Situation f\u00fchrt aber dazu, dass es f\u00fcr die n\u00e4chste Generation wenig Sicherheit im Hinblick auf Verm\u00f6gen geben kann, insbesondere sind Pensionsguthaben durch langj\u00e4hriges staatliches Versagen ausgeh\u00f6hlt. Doch es k\u00f6nnen Massnahmen ergriffen werden, um Verm\u00f6gen zu sch\u00fctzen. Die wichtigste Massnahme liegt meines Erachtens in der Erziehung. Die n\u00e4chste Generation muss die Erfahrung machen k\u00f6nnen, dass ein verantwortungsvoller Umgang mit Verm\u00f6gen wichtig ist, und selbst auch die Haltung einnehmen, dass Verm\u00f6gen Verantwortung bedeutet, die es wahrzunehmen gilt. Eine der besten Erziehungsmassnahmen ist, Verantwortungsbewusstsein und Disziplin sowie Fleiss seitens der Eltern vorgelebt zu bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Um abzusch\u00e4tzen, wie sich die Pandemie in Zukunft entwickelt, werden medizinische Fortschritte wichtiger werden. Trotz aller medizinischen Erfolge werden wir akzeptieren m\u00fcssen, dass Corona und \u00e4hnliche Pandemien wieder vorkommen k\u00f6nnen. Gewiss hat es gravierende Vers\u00e4umnisse gegeben. Kann man das k\u00fcnftig \u00e4ndern, obwohl es ja leider zu einer g\u00e4ngigen Haltung geh\u00f6rt, Warnungen f\u00fcr eine nicht konkret absehbare Zukunft zu ignorieren?<\/strong><br>Medizinischer Fortschritt ist wichtig, damit Krankheiten erkannt und auch vorgebeugt werden k\u00f6nnen. Aber die medizinische Forschung ist nicht dazu gemacht, um alle Gefahren von neuen Viren zu erkennen. Die grosse Herausforderung liegt wohl darin, dass die Bev\u00f6lkerung erkennt, dass sie f\u00fcr ihre eigene Gesundheit selbst verantwortlich ist. Unabh\u00e4ngig vom Alter ist Gesundheit der wichtigste Faktor, um resistent gegen Krankheiten und Epidemien zu sein. Eine robuste Gesundheit kann aber nicht durch staatliche Programme gesteuert werden, sondern in erster Linie durch ein bewusstes, auf Eigenverantwortung bauendes Verhalten entstehen. Hier spielt der Lebensstil mit beispielsweise Bewegung und Ern\u00e4hrung hinein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u00abLass niemals eine Krise ungenutzt verstreichen.\u00bb Die Corona-Gesundheitskrise ist auf eine instabile Weltwirtschaft gestossen, in vielen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern haben erh\u00f6hte Ausgaben zu erheblichen Schulden gef\u00fchrt. Welche Massnahmen oder Wege k\u00f6nnten aus dieser Krise eine Chance werden lassen?<\/strong><br>Ungl\u00fccklicherweise wurde diese Krise von den grossen Schuldenmachern auf nationaler und supranationaler Ebene als Chance ergriffen, um jegliche Vernunft im Hinblick auf Ausgabendisziplin fallenzulassen und die Geldschleusen weit zu \u00f6ffnen. Zentralbanken erzeugen k\u00fcnstliches Geld, f\u00fcr das keine Gegenleistung erbracht wird. Die reale Wirtschaft ist mit Beginn der Krise durch staatliche Auflagen extrem in ihrer Handlungsf\u00e4higkeit eingeschr\u00e4nkt worden und der Situation ziemlich fassungslos, vor allem aber machtlos, gegen\u00fcbergestanden. Erste Erkenntnisse zeigen aber auch, dass die Krise f\u00fcr Bereiche der Wirtschaft Chancen bietet. Damit einhergehen aber halt auch gewisse Verlagerungen. Bereits zeigt sich, dass zum Beispiel der Onlinehandel zulasten des bestehenden Detailhandels gest\u00e4rkt worden ist und auch, dass sich die Tendenz zu Homeoffice verst\u00e4rkt hat. Ob das gut ist, sei dahingestellt, aber es ist eine Tatsache. Leider herrscht derzeit eindeutig der ungl\u00fcckliche \u00abPrimat der Politik\u00bb gegen\u00fcber den Interessen der Wirtschaft vor, der zu der falschen Annahme verleitet, dass die Politik alles regeln und steuern kann. Negative Folgekonsequenzen gehen zulasten der Bev\u00f6lkerung, beispielsweise durch politische Massnahmen, die die Wirtschaft schw\u00e4chen. Der Primat der Politik zieht f\u00fcr gew\u00f6hnlich auch mehr Gesetze und Regulierung nach sich, was sich sch\u00e4dlich auf Innovation und kreative Ideen auswirkt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Birgt die Krise auch Erkenntnism\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Politik?<\/strong><br>F\u00fcr eine aufmerksame und verantwortungsvolle Person bieten sich st\u00e4ndig Erkenntnism\u00f6glichkeiten und Krisen sind Katalysatoren f\u00fcr Erkenntnisse. Es macht aber in einer Situation einen entscheidenden Unterschied, ob man Erkenntnisse erh\u00e4lt, die einem helfen positiv weiterzuarbeiten, oder ob die Situation ausgen\u00fctzt wird, um gewisse ideologische oder parteipolitische Erfolge erzielen zu k\u00f6nnen. Leider sieht man gerade in der vorherrschenden, fehlenden Ausgabendisziplin, dass die aktuelle Krise missbraucht wird. Die Erkenntnis f\u00fcr die Politik sollte nun eigentlich sein, dass man in guten Zeiten Reserven f\u00fcr Krisen aufbaut, um dann gest\u00e4rkt aus einer Krise herausgelangen zu k\u00f6nnen. In Liechtenstein ist diese Haltung gl\u00fccklicherweise ein Fakt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Lehre sollte auch sein, st\u00e4rker auf die Selbstverantwortung der B\u00fcrger zu setzen und dem einzelnen B\u00fcrger mehr Freiheiten zu lassen, anstatt die Selbstverantwortung durch ein engmaschiges Regulierungsnetz einzuschr\u00e4nken. Die Politik muss einsehen, dass der Staat nicht ein Instrument zur parteipolitischen Machtaus\u00fcbung ist, sondern dass er dazu da ist, um Aufgaben auszu\u00fcben, die nur durch den Staat ausge\u00fcbt werden k\u00f6nnen, wie beispielsweise das Polizei- und Justizwesen. In Liechtenstein sind wir in der gl\u00fccklichen Situation, dass die Politik weitgehend auf einen schlanken Staat setzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Schuld an der \u00dcberregulierung wird gerne der Union zugeteilt. In welchen Bereichen hat Ihrer Ansicht nach die EU \u00fcberreagiert oder ist zu wenig oder gar nicht eingeschritten und was sind die wichtigsten Erkenntnisse daraus?<\/strong><br>Das Gesundheitswesen ist nicht Angelegenheit der Europ\u00e4ischen Union, was wahrscheinlich auch gut so ist. Vorbeugende und heilende Massnahmen m\u00fcssen an regionale Gegebenheiten angepasst werden k\u00f6nnen. Verkehrs-, Wirtschafts- und Gesellschaftsstrukturen oder auch Gepflogenheiten sind je nach Region unterschiedlich und das Gesundheitswesen muss dem Rechnung tragen. In anderen Bereichen wird der Europ\u00e4ischen Union gerne der schwarze Peter f\u00fcr die \u00dcberregulierung zugeschoben, was aber nur bedingt berechtigt ist. Die \u00dcberregulierung findet stark auf nationaler Ebene statt und es darf nicht vergessen gehen, dass die Union stark an den Willen der Mitgliedsstaaten gebunden ist. Allerdings ist es schon auch so, dass viele Aufgaben auf Unionsebene geregelt oder verwaltet werden, die eigentlich in den nationalen oder regionalen Bereich geh\u00f6ren w\u00fcrden. Grunds\u00e4tzlich sollte deshalb das Subsidiarit\u00e4tsprinzip in der Europ\u00e4ischen Union gest\u00e4rkt werden. Allerdings geben Mitgliedsstaaten gerne gewisse ungeliebte Verantwortlichkeiten an die Union ab. Eine gemeinsame Budget- und Finanzpolitik beispielsweise w\u00fcrde die Europ\u00e4ische Union, die im Grundsatz einen grossen Binnenmarkt bewahren soll, zu einer Transferunion machen, was die wichtige aber je nach Auffassung unliebsame Budgetverantwortung der einzelnen Mitgliedsstaaten reduzieren w\u00fcrde. Hier zeigt sich eine gef\u00e4hrliche Zentralisierungstendenz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Bisher l\u00e4sst sich feststellen, dass es L\u00e4ndern mit dezentralisierten Gesundheitssystemen besser geht. Inwieweit kann oder sollte sich die Europ\u00e4ische Union in gemeinsame L\u00f6sungen einbringen?<\/strong><br>Wie bereits zuvor ausgef\u00fchrt, bin ich der festen \u00dcberzeugung, dass regionale und pragmatische L\u00f6sungen hilfreicher w\u00e4ren, anstatt nach zentralen europ\u00e4ischen L\u00f6sungen zu suchen. Gerade in Grenzgebieten wie hier im Bodenseeraum, zu dem Liechtenstein, die Ostschweiz, West\u00f6sterreich sowie S\u00fcdwestdeutschland z\u00e4hlen, sind regionale L\u00f6sungen sinnvoller und effektiver, als europ\u00e4ische L\u00f6sungen. Die Europ\u00e4ische Union ist bedeutsam f\u00fcr die Wahrung des Binnenmarkts. Es bedarf auch einer europ\u00e4ischen Zusammenarbeit im globalen Wettbewerb und in der Verteidigung. Allerdings muss das nicht notwendigerweise durch Br\u00fcssel wahrgenommen werden, sondern k\u00f6nnte zum Beispiel \u00fcber Vereinbarungen zur Zusammenarbeit zwischen verschiedenen europ\u00e4ischen Staaten geregelt werden. Das Gesundheitswesen wiederum ist eine Dienstleistung und muss sich den lokalen Bed\u00fcrfnissen anpassen, weil die gesellschaftlichen und demografischen Strukturen sowie beispielsweise auch das Klima, der Verkehr und die Wirtschaft in einer jeweiligen Region unterschiedlich sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wir haben hier in Liechtenstein ein sehr ausgewogenes Regierungssystem, das zu Zusammenhalt und Wohlstand f\u00fchrt. Es ist ein Beweis daf\u00fcr, dass die Kombination aus Monarchie, direkter Demokratie und der hohen Autonomie der Gemeinden gut funktioniert, um pers\u00f6nliche Unabh\u00e4ngigkeit und das Privateigentum zu achten und sch\u00fctzen. Zunehmend werden in westlichen Demokratien Eigentumsrechte und die Wahlfreiheit eingeschr\u00e4nkt. Verst\u00e4rkt die Corona-Krise diese Entwicklung?<\/strong><br>In Europa zeigt sich zunehmend eine eigentumsfeindliche Einstellung. Sie \u00e4ussert sich beispielsweise in den Diskussionen um eine \u00abangemessene\u00bb Besteuerung von Verm\u00f6gen und Einkommen oder in Gleichheitsdebatten. Dabei wird vergessen, dass Eigentum eine wesentliche Grundlage f\u00fcr die pers\u00f6nliche Freiheit der B\u00fcrger ist. Ideologien und Parteien, die auf eine starke Kontrolle des Staats \u00fcber die B\u00fcrger setzen, sind f\u00fcr gew\u00f6hnlich auch eigentumsfeindlich eingestellt. Eine extreme Ausrichtung davon ist der Marxismus. Trotz des fatalen Versagens dieser Fortsetzung von Seite 29 Ideologie, erlebt der Marxismus heute eine gewisse Renaissance. Parteien und Ideologien, die eine starke Einschr\u00e4nkung von pers\u00f6nlichem Eigentum bef\u00fcrworten und sich einen starken Staat w\u00fcnschen, benutzen die Corona-Krise dazu, um ihre Ideen und Ideologien durchzusetzen. Und es ist auch nicht auszuschliessen, dass das grosse Schuldenmachen im Rahmen dieser Krise zu konfiskatorischen Verm\u00f6gensabgaben f\u00fchren wird. Hohe Verm\u00f6gensabgaben an den Staat werden sich aber sehr negativ auf die Wirtschaft und den allgemeinen Wohlstand auswirken. Wir hier in Liechtenstein k\u00f6nnen uns wirklich gl\u00fccklich sch\u00e4tzen, in einem Land zu leben, das sich dadurch auszeichnet, dass die pers\u00f6nliche Freiheit hochgehalten wird, sowohl von der Bev\u00f6lkerung, als auch von den Institutionen. Und dass die staatlichen Institutionen ihre Machtkompetenz verantwortungsvoll aus\u00fcben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Zukunftsweisend m\u00fcssen wir uns und unsere Kinder vermehrt darauf vorbereiten, dass vieles ausserhalb unserer Kontrolle liegt? Wenn ja, wie k\u00f6nnen wir das?<\/strong><br>Es ist richtig, dass vieles sich nicht kontrollieren l\u00e4sst. Die beste Vorbereitung auf Unvorhergesehenes liegt in der Einstellung eines jeden Einzelnen, schliesslich und endlich f\u00fcr sich selbst verantwortlich zu sein und das auch sein zu k\u00f6nnen. Was aber nicht heisst, dass man f\u00fcr die Schw\u00e4cheren in der Gesellschaft keine Mitverantwortung tr\u00e4gt. Allerdings darf dadurch kein unverdientes Anspruchsdenken in der Gesellschaft erzeugt werden. Ein Verzicht auf Anspruchsdenken ist notwendig. Essenziell ist, nicht zu erwarten, sondern selbst anzupacken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wir bedanken uns bei S.D. Prinz Michael von und zu Liechtenstein ganz herzlich f\u00fcr das Interview.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>S.D. 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