{"id":497,"date":"2020-11-11T08:00:00","date_gmt":"2020-11-11T08:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.iuf.li\/?p=497"},"modified":"2024-08-06T12:52:05","modified_gmt":"2024-08-06T12:52:05","slug":"ich-glaube-an-den-wettbewerb-auch-beim-geld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.iuf.li\/de\/publikationen\/ich-glaube-an-den-wettbewerb-auch-beim-geld\/","title":{"rendered":"\u00abIch glaube an den Wettbewerb, auch beim Geld\u00bb"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>\"Ich glaube an den Wettbewerb, auch beim Geld.\" h\u00e4lt S.D. Prinz Michael von und zu Liechtenstein in seinem Interview mit Milosz Matuschek fest, dem stellvertretenden&nbsp;Chefredaktoren des Schweizer Monats. Im Interview steht er Rede und Antwort zu Fragen rund um die Themen Zentralbanken, Geldsystem, Bitcoin &amp; Co. sowie M\u00f6glichkeiten, wie Eigentum langfristig gesichert werden kann. Das Interview ist erschienen in der November-Ausgabe von&nbsp;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.schweizermonat.ch\/\" target=\"_blank\">www.schweizermonat.ch<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die aktuelle Vertrauenskrise in das Geldsystem ruft nach Alternativen.<\/strong><br><em>Milosz Matuschek trifft Prinz Michael von und zu Liechtenstein<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Prinz Michael, warum ist das Thema Geldsystem aus Ihrer Sicht gerade so aktuell?<\/strong><br>Es gibt verschiedene Gr\u00fcnde. Vermehrt kommen Zweifel an der Werthaltigkeit der bestehenden Gelder auf. Das Fiat-Money, also der Euro, der Dollar und die meisten anderen W\u00e4hrungen, die wir heute kennen, beruht auf dem Vertrauen, dass die herausgebenden Institutionen, das heisst die Zentralbanken, das Leitmotiv der Werterhaltung des Geldes verfolgen. Heutzutage ist dies leider nicht mehr der Fall, weil die Zentralbanken h\u00e4ufig unter Einfluss der Politik stehen oder sogar selber Fiskal- und Wirtschaftspolitik betreiben. Zudem werden W\u00e4hrungen immer \u00f6fter als Waffe eingesetzt, besonders von den USA. Seit Bretton Woods haben wir ein System mit dem Dollar als weltweiter Leitw\u00e4hrung, die USA n\u00fctzen das mit Sanktionen und \u00c4hnlichem aus. Die EU verh\u00e4ngt ebenfalls Sanktionen und \u00fcbt Druck aus, am leichtesten l\u00e4sst sich das \u00fcber die Geldsysteme umsetzen. Deswegen versucht nun zum Beispiel China, eine W\u00e4hrung herauszugeben f\u00fcr seine \u00abBelt and Road Initiative\u00bb, die Neue Seidenstrasse. Einen Korb aus Gold, dem chinesischen Renminbi plus anderen W\u00e4hrungen. Ob das erfolgreich sein wird, weiss ich nicht. Klar ist: Hier handelt es sich um eine Gegenreaktion zum Dollar. Es gibt auch andere Versuche, gewisse Staaten aus dem internationalen System unabh\u00e4ngiger zu machen. Mittlerweile haben wir auch Technologien, die uns erlauben, parallele W\u00e4hrungen zu erschaffen, die auch global t\u00e4tig sind. Bisher war immer Vertrauen gegen\u00fcber einer Institution, \u00fcber Blockchain haben wir dezentralisiertes Vertrauen in eine Technologie.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ist die jetzige Situation ein Versagen des Staates oder der Zentralbank?<\/strong><br>Ich denke beider. Meiner Meinung nach haben in der ganzen Menschheitsgeschichte die meisten Staaten grossz\u00fcgig Geld ausgegeben. Der Staat versucht, sich Geld zu beschaffen. Das R\u00f6mische Reich ist untergegangen, als sie Kupfer in Silberm\u00fcnzen beigemischt haben, die antike Form von \u00abQuantitative Easing\u00bb. John Law gab im Frankreich des 18. Jahrhunderts erstmals das Papiergeld heraus, auch hier war keine Wirtschaftsleistung dahinter. Gef\u00fchrt hat das schliesslich zur Franz\u00f6sischen Revolution. Die heutige Situation ist also nichts Neues, es ist ein Zusammenspiel mit der Politik. Sobald Geld unter der Kontrolle der Politik ist, ist es ein Problem. Ich bef\u00fcrchte, das wird auch in Zukunft irgendwie bleiben; die Politik wird versuchen, dieses Machtinstrument f\u00fcr sich zu behalten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bisher ging ja jede Leitw\u00e4hrung irgendwann zugrunde. Ist es \u00fcberhaupt realistisch und m\u00f6glich, eine Leitw\u00e4hrung zu etablieren, die nicht an einen Staat gekn\u00fcpft ist?<\/strong><br>Das w\u00e4re wohl das Ideal, ich halte es aber f\u00fcr eine Utopie. Geld beruht ja darauf: Ich verkaufe Ihnen etwas und erhalte daf\u00fcr 100&nbsp;Euro. Mein Wert liegt darin, dass ich mit den 100 Euro Waren oder Dienstleistungen in demselben Gegenwert bekommen kann. Ich kann das aber nur bekommen, wenn mein Geld allgemein akzeptiert ist. Ideal w\u00e4re eine W\u00e4hrung, die auf universellem Konsens beruht, unabh\u00e4ngig davon, ob das dezentral oder zentral zustande kommt. Immer wieder sehe ich aber das Primat der Politik, welches oftmals f\u00e4lschlicherweise f\u00fcr demokratisch gehalten wird. Ich bef\u00fcrchte, dass das Primat der Politik auch bei einer universellen W\u00e4hrung versuchen w\u00fcrde, das System f\u00fcr seine Zwecke einzusetzen. Deshalb ist es wohl besser, auf das Ideal der Universalw\u00e4hrung zu verzichten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auch keine dezentrale universelle W\u00e4hrung?<\/strong><br>Ich denke, es ist immer schlecht, nur ein Pferd im Stall zu haben. Ich glaube stark an den Wettbewerb, auch beim Geld. Wettbewerb ist das beste Korrektiv.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was ist derzeit die gr\u00f6sste, unmittelbar bevorstehende Gefahr f\u00fcr das jetzige Geldsystem?<\/strong><br>Dass das Vertrauen verschwindet. Das beinhaltet die Frage der Staatsverschuldung, die offenen und nicht finanzierten Pensionsanspr\u00fcche. Mittlerweile ist das so zentralisiert, dass ich Angst habe, dass Staaten sehr leicht auf die Sparguthaben der B\u00fcrger zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um zumindest kurzfristig die Staatsschulden zu neutralisieren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Verschuldungskrise gibt es nun schon eine ganze Weile. Woran liegt es, dass diese im Geldsystem enthaltene Gefahr so vielen Menschen nicht bewusst ist? Wie kann es sein, dass sich dieses System trotzdem am Leben erh\u00e4lt?<\/strong><br>Das Problem wird immer gr\u00f6sser. Wir haben eine sehr effiziente Wirtschaft, das h\u00e4lt das krankende System gewissermassen am Leben. Wir wissen nicht, wann der Breaking Point erreicht wird, an welchem das nicht mehr geht. Die grosse Bedrohung wird dann kommen, wenn die Kaufkraft der \u00e4lteren Bev\u00f6lkerung stark schwindet. Es kann ja sein, dass die Pension nominal ausgezahlt wird; das hilft mir aber nichts, wenn sie real nur noch halb so viel wert ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was w\u00fcrde dann passieren? W\u00fcrde diese Generation dann beginnen, ihre Assets zu verkaufen, und so eine deflation\u00e4re Spirale ausl\u00f6sen?<\/strong><br>Die Jungen w\u00fcrden nicht einsehen, weshalb sie pl\u00f6tzlich 70, 75 Prozent ihres Einkommens als Sozialleistungen und Steuern zahlen, um die \u00c4lteren zu finanzieren. Auch in Demokratien sind dann Eingriffe in die pers\u00f6nliche Freiheit zu bef\u00fcrchten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Leben wir noch im Kapitalismus, wenn der Mensch f\u00fcr sein erarbeitetes Geld nicht nur keine Zinsen bekommt, sondern gar de facto enteignet wird? Wie w\u00fcrden Sie dieses System beschreiben?<\/strong><br>Wir leben nicht mehr wirklich in einem eigentumsfreundlichen System der freien Marktwirtschaft. Eigentumsrechte, freie Marktwirtschaft und auch pers\u00f6nliche Freiheit geh\u00f6ren zusammen. Wir sind so \u00fcberreguliert, dass wir sehr wenig freie Entscheidungen treffen k\u00f6nnen. Wir d\u00fcrfen eigentlich auch nicht mehr frei \u00fcber unsere Verm\u00f6genswerte verf\u00fcgen, da gibt es sehr viele Beschr\u00e4nkungen. Die Forderungen, die Lenin aufgestellt hat, um in ein kommunistisches System zu kommen, von diesem Katalog erf\u00fcllen wir bereits 80 Prozent.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lenin hat auch sinngem\u00e4ss gesagt: \u00abWer die Macht im Staat \u00fcbernehmen will, muss sich das Geldsystem unter den Nagel reissen.\u00bb<\/strong><br>Und auch das Geld wertlos machen. Er sagt auch, man m\u00fcsse die Bourgeoisie zerm\u00fcrben zwischen dem System der Steuern und der Inflation.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche M\u00f6glichkeiten der Sicherung von Eigentum empfehlen Sie Anlegern?<\/strong><br>Man braucht Diversifikation und m\u00f6glichst geringe Schulden. Kommt es hart auf hart, wird dem einzelnen wahrscheinlich ein Teil vom Verm\u00f6gen weggeworben, doch die Schulden werden ihm belassen. Die Diversifikation soll sowohl in Branchen wie auch geografisch ausgestaltet werden. Die Zukunft vorauszusehen ist schwierig. Es empfiehlt sich, Vorsicht zu bewahren. Die n\u00e4chsten Generationen sollen wissen, dass sie selber etwas leisten m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>I<\/em>st die junge Generation schlecht informiert, wenn es um Geldfragen geht?<\/strong><br>Das glaube ich nicht. Schon immer gab es solche, die mit Geld umgehen konnten, und andere, die es nicht konnten. Ich glaube nicht, dass sich das wesentlich ge\u00e4ndert hat. Es hat nur wenige Zeiten gegeben, in welchen die junge Generation so viel Geld zur Verf\u00fcgung hatte wie heute.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche Bestrebungen trifft Liechtenstein konkret, was die Entnationalisierung des Geldes angeht?<\/strong><br>Eine eigene W\u00e4hrung haben wir nicht, daf\u00fcr sind wir zu klein. Wir sind im Schweizer-Franken-Raum, damit sind wir auch ziemlich zufrieden. Liechtenstein hat bei den dezentralen Technologien eine Vorreiterrolle \u00fcbernommen. K\u00fcrzlich hat unser Parlament ein Gesetz verabschiedet, das Token rechtlich beschreibt. Das Ziel ist aber nicht nur, Kryptow\u00e4hrungen zu haben, sondern das ganze System der Blockchain, das geht wesentlich weiter. Wir versuchen, ein liberales Wirtschaftssystem aufrechtzuerhalten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Haben Kleinstaaten bez\u00fcglich solcher \u00c4nderungen der Infrastruktur einen Vorteil gegen\u00fcber Grossnationen?<\/strong><br>Kleinstaaten k\u00f6nnen schneller reagieren. Aber: Ein Kleinstaat muss sich wesentlich st\u00e4rker an \u00abInternational Best Practice\u00bb halten als gr\u00f6ssere; wenn Staaten wie Deutschland im Finanzsystem gewisse internationale Regeln nicht voll umsetzen, ist das kein existenzielles Problem. F\u00fcr ein kleines Land ist es eines.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Haben Sie pers\u00f6nlich Bitcoin?<\/strong><br>Ja, ich hatte Bitcoin. Am World Economic Forum 2013 in Davos hat Bitcoin erstmals mein Interesse geweckt: Ich sah im Fernsehen eine Rede des damaligen amerikanischen Finanzministers. Von 45&nbsp; Minuten brauchte der Mann ungef\u00e4hr 30, um zu sagen, wie gef\u00e4hrlich Bitcoin sei und weshalb wir alles tun sollten, um die Kryptow\u00e4hrung zu verhindern. Das fand ich interessant.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sind heutzutage die \u00abContrarians\u00bb besser aufgestellt als solche, die&nbsp;mit der Masse mitgehen?<\/strong><br>Ich glaube ja. \u00abContrarians\u00bb hat man ja immer schon gebraucht, auch heute. In vielen Dingen, gerade in Krisen und in Zeiten von grossen Ver\u00e4nderungen, sind sie gut aufgestellt. Gut, sie k\u00f6nnen aber auch falsch liegen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\"Ich glaube an den Wettbewerb, auch beim Geld.\" h\u00e4lt S.D. Prinz Michael von und zu Liechtenstein in seinem Interview mit Milosz Matuschek fest, dem stellvertretenden\u00a0Chefredaktoren des Schweizer Monats. Im Interview steht er Rede und Antwort zu Fragen rund um die Themen Zentralbanken, Geldsystem, Bitcoin &#038; Co. sowie M\u00f6glichkeiten, wie Eigentum langfristig gesichert werden kann. 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