
Sie ist allgegenwärtig, die Inflation. Konflikte wie jener zwischen den USA und dem Iran sind aber nicht der ausschlaggebende Grund dafür, auch wenn dies in der Bevölkerung so wahrgenommen wird.
Gastkommentar von S.D. Prinz Michael von und zu Liechtenstein, erschienen im Wirtschaft Regional
Vielmehr stecken langjährige Entwicklungen hinter der nun sichtbaren Teuerung von Investitionsgütern, Waren und Dienstleistungen. Dies sind aufgeblähte Staatsapparate und steigende Staatsausgaben. In diesem Zusammenhang sind beispielsweise die von Zentralbanken gekauften Staatspapiere zu nennen. Das billige Geld, das die europäische Zentralbank EZB und die amerikanische FED in Umlauf brachten, erlaubte aufgeblähte, kostspielige Staatsausgaben und führte zu Fehlallokationen von Kapital und menschlicher Leistung.
In der Theorie der klassischen Volkswirtschaftslehre entsteht Inflation dann, wenn die Nachfrage nach Gütern und Waren deren Angebot übersteigt. In der heutigen Realität entsteht Inflation jedoch vor allem deshalb, weil der Staat durch zu hohe Ausgaben eine übersteigerte Geldpolitik provoziert. Aus populistischen Gründen versucht er ebenfalls, Schwankungen in der Konjunktur auszugleichen, was in der Folge weitere Ausgaben verursacht, die Selbstheilung der Wirtschaft verhindert und ineffiziente Strukturen künstlich am Leben erhält.
Regulierung als Erfolgsillusion
Ähnlich verhält es sich bei der Gesetzgebung. Um zu zeigen, dass etwas getan wird, werden immer mehr Gesetze erschaffen, ein klassischer Ausdruck administrativen Übereifers. Über Regulierungen wird versucht, eine Illusion von Sicherheit zu erzeugen. In Wirklichkeit jedoch wird Stagnation erreicht. Diese Stagnation zeigte sich in Deutschland in der Ära Merkel und auch danach. Aber je mehr an Gesetzen herumgeschraubt wird, desto schwerer sind sie nachzuvollziehen. Dies führt zu mehr Staat, höheren Kosten, einer Verschwendung von Steuergeldern, entzieht der Wirtschaft Kapital und Personal und schafft unproduktive Zusatzarbeit in der Wirtschaft.
«Eine langfristige und generationenübergreifende Vermögensplanung
setzt eine solide rechtliche Grundlage voraus.»
Die Rechtssicherheit wird geschwächt, weil Rechtsklarheit und Rechtskontinuität sich verschlechtern, zu viele Gesetze wirken kontraproduktiv. Die Gewährleistung von Rechtssicherheit ist eine wesentliche Grundvoraussetzung für einen Rechtsstaat. Für einen Finanzplatz ist es bedeutsam, dass sein Standort mit Rechtssicherheit assoziiert wird. Liechtenstein versteht sich seit jeher als Rechtsstaat und wird als solcher wahrgenommen. Die liechtensteinische Gesetzgebung zeichnet sich durch eine hohe Rechtskontinuität aus, Änderungen werden sorgsam und mit Weitblick vollzogen. Auch versucht der liechtensteinische Gesetzgebergeber, Anforderungen, die von aussen an die Gesetzgebung herangetragen werden, stets mit einem gesunden Bewusstsein für die eigene Rechtstradition zu handhaben. Für die liechtensteinische Wirtschaft ist dies wesentlich und insbesondere auch für das liechtensteinische Stiftungs- und Trustwesen, das heuer auf sein hundertjähriges Bestehen blicken kann.
Augenmass als Erfolgsgarant
Ein wesentlicher Faktor für den Erfolg des heimischen Gesellschaftsrechts war, dass stets nur wenige Anpassungen vorgenommen wurden. Stiftungen und Trusts sind Rechtsinstrumente für eine langfristige und generationenübergreifende Vermögensplanung, die eine solide rechtliche Grundlage voraussetzt. Familien und Unternehmer, die ihre Vermögenswerte über Stiftungen und Trusts ordnen, müssen darauf vertrauen können, dass die gegenwärtige Gesetzgebung in ihrer grundlegenden Struktur auch in Zukunft bewahrt bleibt. Diesen Grundsatz gilt es weiter aufrechtzuerhalten. Denn wenn man heute ein Haus baut und danach ändern sich die Vorschriften derart, dass sie immer wieder Umbauten erforderlich machen, lässt sich dann ein langfristig stabiles Zuhause errichten?