Als Megatrends werden jene Entwicklungen bezeichnet, die das Wirtschafts- und Sozialgefüge langfristig und tiefgreifend umformen und das Verhalten eines jeden Einzelnen massgeblich verändern. Nachhaltigkeit ist ein solcher Megatrend und Bestandteil einer Führungsdisziplin, die langfristiges und unternehmerisches Denken in den Mittelpunkt stellt. Welche Rolle der liechtensteinische Treuhandsektor dabei spielt, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Der Begriff Nachhaltigkeit entstammt der Haltung, in einem längerfristigen Zeithorizont zu denken und entsprechend vorausschauend zu handeln. Geprägt wurde der Begriff im 18. Jahrhundert von Hans Carl von Carlowitz. Dessen Familie gehörte dem sächsischen Uradel an und war über mehrere Generationen hinweg mit der Forstverwaltung im sächsischen Erzgebirge betraut. Von Carlowitz setzte sich im Besonderen für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung ein, da der anhaltend hohe Bedarf an Holz im Bergbau die Sorge um diesen wichtigen Rohstoff und Wirtschaftsfaktor wachsen liess. Mit der Sylvicultura oeconomica verfasste er einen grundlegenden Ordnungsrahmen für eine ressourcenschonende und langfristig ausgerichtete Waldbewirtschaftung, mit der die natürliche Regenerationsfähigkeit des Waldes gesichert werden sollte. Und zwar derart, dass diese Ressource auch für zukünftige Generationen erhalten bleibt. Damit legte von Carlowitz den Grundstein für ein generationenübergreifendes Denken und Handeln in der Forstwirtschaft.

Heute hat sich aus dem Begriff Nachhaltigkeit ein umfassendes Leitbild für Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt entwickelt, das insbesondere Unternehmen dazu anhält, den Unternehmenszweck derart auszuüben, dass daraus keine Belastung für Umwelt, Wirtschaft oder Gesellschaft entsteht. Es geht nicht darum – wie vielfach behauptet wird – den maximalen Gewinn zu erzielen. Vielmehr geht es darum, das unternehmerische Vermögen langfristig zu erhalten, es bestmöglich zu investieren, ohne dabei eine schädliche Wirkung für Umwelt oder Gesellschaft zu erzeugen, allfällige Verlustrisiken an eingesetzten Produktionsfaktoren so gering wie möglich zu halten und durch Gewinne die Entwicklung von Unternehmen zu fördern sowie auch das Risiko für das eingesetzte Kapital zu belohnen.

Jene Unternehmen gewinnen, die ihren Produkte- Mix und ihr Dienstleistungsangebot an überprüfbaren Nachhaltigkeitskriterien ausrichten. Gleichzeitig sind Unternehmen dazu verpflichtet, Sorge zu tragen, dass Unternehmensressourcen wie Mitarbeitende, Lieferanten, Rohstoffe, Energie etc. in verantwortungsvoller und gesellschaftlich tragbarer Weise eingesetzt und besoldet werden. Das oberste Ziel von Nachhaltigkeit ist die langfristige Optimierung eines Unternehmens, aus der alle Beteiligten gleichsam einen Nutzen und Wert ziehen können.

Nachhaltigkeit gehört zur Führungsdisziplin: Die strategische Unternehmensausrichtung beinhaltet eine generationenübergreifende Komponente. Unternehmensentscheidungen sind derart zu treffen, dass sie in einem langfristigen Gleichgewicht von wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit, gesellschaftlicher Erfordernisse und ökologischer Notwendigkeit stehen. Lieferketten eines Unternehmens werden auf ihre langfristige Tragbarkeit überprüft und neu fliesst diese Überprüfung auch in die Berichterstattung ein.

Der Nachhaltigkeitsanspruch stellt unternehmerisches Denken in den Mittelpunkt und bezieht den Anspruch zukünftiger Generationen mit ein. Diesem Prinzip folgt die heimische Treuhandbranche. Die Tätigkeit eines liechtensteinischen Treuhänders spielt sich in vier Bereichen ab: erstens die zukunftsgerichtete Vermögensstrukturierung über Rechtsträger, zweitens die generationenübergreifende Vermögensbetreuung, drittens die langfristig tragfähige Vermögensveranlagung und viertens der zweckkonforme Mitteleinsatz, der sehr langfristig ausgerichtet ist.

Im Mittelpunkt der treuhänderischen Betrachtung steht der Zweck, der mit einem Vermögen erfüllt werden muss und der dem Anspruch kommender Generationen (etwa einer Familie und eines Unternehmens oder deren weiteren Zwecke) gerecht werden muss. Die Stiftung ist dabei das geeignete Rechtsinstrument, mit dem sich nachhaltige Intentionen effektiv umsetzen lassen und das den Ausgleich zwischen ökologischer, ökonomischer und gesellschaftlicher Nachhaltigkeit schafft. Stiftungen sind vielfach generationenübergreifend aufgesetzt. Genau diese Langfristigkeit setzt Nachhaltigkeit voraus und bedingt ein Denken in Generationen.

Herr Muster lebt in Europa, ist zum zweiten Mal verheiratet und Vater von vier Kindern. Vor ein paar Jahren begann er, sich aktiv mit der Unternehmensnachfolge und der Erbregelung zu befassen, die im Todesfall greifen sollten. Im Zuge dessen entschied er sich für die liechtensteinischen Stiftung. Warum? Das erfahren Sie im Beitrag von S.D. Prinz Michael von und zu Liechtenstein, der in der Juni Ausgabe des deutschsprachigen Magazins für Stiftungswesen und Philanthropie DIE STIFTUNG erschienen ist.

Seit Jahrzehnten führt Herr Muster das Familienunternehmen in zweiter Generation, mit grossem Erfolg und unermüdlichem Arbeitseinsatz. Über die Jahre hat er sich eine kleine Kunstsammlung aufgebaut, an der sein Herz hängt. Als Mäzen unterstützt er junge, mittellose Talente im Leistungssport.

Der Auslöser für seine Überlegungen ist ein negativer Arztbericht, der ihm bewusst macht, dass sein Leben nicht immer so weitergehen wird wie bisher.

Vermögen zweckgebunden strukturieren

Über Empfehlung aus dem Umfeld beginnt Herr Muster, sich näher mit Liechtenstein zu befassen. Die Kleinheit des Landes und die Lage im Herzen Europas sind ihm sympathisch. Das politische System und die ausser-gewöhnliche wirtschaftliche Stabilität stechen heraus. Das liberale Gesellschaftsrecht und die grosse Erfahrung im Stiftungsrecht und der Rechtsprechung veranlassen Herrn Muster schliesslich, einen empfohlenen Treuhandexperten in Liechtenstein zu kontaktieren.

Herr Muster möchte für das Familienunternehmen eine Lösung, die dessen Fortbestand sichert. Eine Lösung, mit der fähige und qualifizierte Familienmitglieder ins Unternehmen eingebunden werden können, ohne die anderen aussen vor zu lassen. Eine Lösung, mit der sich zusätzliche Reserven bilden lassen, auf die das Familienunternehmen im Bedarfsfall zurückgreifen kann, etwa bei einer Kapitalerhöhung oder Investition oder wenn die Forschung intensiviert werden muss. Herr Muster bespricht seine Anliegen mit dem liechtensteinischen Treuhandexperten. Der stellt viele Fragen und stellt vieles in Frage, thematisiert Hürden und Problemstellen und dabei wird immer klarer, was Herr Muster will.

Liechtensteinische Vorteile, die überzeugen

Am Ende des Prozesses ist Herr Muster von Liechtenstein als Stiftungsstandort überzeugt. In seinen Augen ist der Finanzplatz Liechtenstein ein Standort, an dem Geschäfts- und Privatvermögen zielgerichtet, zweckgebunden und langfristig ausgerichtet und verwaltet werden können. Die konsequente Ausrichtung an internationalen Standards bekräftigt seine positive Wahrnehmung. Liechtenstein ist Mitglied des EWR, was den Vorteil mit sich bringt, dass liechtensteinische Rechtsformen im EU-Raum grundsätzlich anerkannt werden. Die Steuergesetzgebung ist europakompatibel ausgestaltet.

Das liechtensteinische Stiftungsrecht gesteht einem Stifter sehr grossen Gestaltungsspielraum zu. Wenn er einmal nicht mehr sein wird, kann Herr Muster darauf vertrauen, dass die Stiftungsorgane seine Grundintentionen weiterhin befolgen werden. Mit einer gemischten Stiftung und einer Familienstiftung kann er sicherstellen, dass das Familienunternehmen auch in dritter Generation weitergeführt wird und dass es zielgerichtet weiterentwickelt werden kann, dass seine Kunstsammlung zusammengehalten und sein Ansinnen, mittellose Talente zu fördern, fortgeführt wird. Das Privatvermögen fliesst im Todesfall in die Familienstiftung ein und ist, auch mit Blick auf die Enkelkinder, sehr langfristig ausgerichtet. Die Familienstiftung wird seinen Kindern kein Dolce-far-niente erlauben, sondern sie in ihrer Entwicklung unterstützen und ihnen im Bedarfsfall zur Seite stehen.

Mit dieser Vermögensstrukturierung hat Herr Muster eine fundierte, zukunftsfähige Lösung für sich, seine Familie und sein Vermögen geschaffen. Er blickt mit Zuversicht in die Zukunft. Dieses realistische Fallbeispiel veranschaulicht in gestraffter Form die Stärken des liechtensteinischen Stiftungsstandorts.

Der Begriff Nachhaltigkeit bestimmt derzeit die öffentliche Diskussion wesentlich mit. Die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele sind dabei zum zentralen Dreh- und Angelpunkt geworden. Politik und Unternehmen springen verstärkt darauf auf und betonen ihr Bekenntnis zu den UN-Nachhaltigkeitszielen, in vielen Fällen jedoch ohne konkret zu wissen, wie sie effektiv dorthin kommen. In seinem in der Schweizer Wirtschaftszeitung Finanz und Wirtschaft (www.fuw.ch) erschienen Kommentar, beleuchtet S.D. Prinz Michael von und zu Liechtenstein diese Entwicklung kritisch und verdeutlicht, dass eine effektive nachhaltige Entwicklung vor allem dann erreicht wird, wenn sie aus dem alltäglichen Handeln und dem Verständnis des Individuums entsteht.

Der Begriff Nachhaltigkeit hat in den vergangenen Jahren massiv an Zugkraft gewonnen. Mittlerweile bestimmt er die öffentliche Diskussion wesentlich mit, und die siebzehn Ziele der UNO-Agenda 2030 sind zum Dreh- und Angelpunkt für nachhaltiges Handeln geworden. Doch eigentlich ist der Begriff Nachhaltigkeit wesentlich älter und wurde bspw. im18. Jahrhundert in der Forstwirtschaft geprägt: Nachhaltigkeit wurde zum Handlungsprinzip für die Waldbewirtschaftung erhoben, indem nur so viele Bäume gefällt werden durften, wie auch nachwachsen konnten. Damit sollte die natürliche Regenerationsfähigkeit des Waldes gesichert werden, damit diese Ressource auch für zukünftige Generationen erhalten bleibt.

Nun springen Politik und Unternehmen verstärkt auf den Zug der Nachhaltigkeit auf und betonen ihr Bekenntnis zu den Uno-Nachhaltigkeitszielen, ohne in vielen Fällen jedoch konkret zu wissen, wie sie effektiv dorthin kommen. Sie preisen wohlklingende Begriffe an wie «klimaneutral» oder «CO2-neutral», bleiben aber eine genaue Inhaltsdefinition schuldig. Es bleibt unklar, anhand welcher Faktoren oder Massnahmen Produkte oder Dienstleistungen als nachhaltig eingestuft werden und welche Wirkung erzielt werden soll.

Damit kommen wir zum Problem: Wenn der Begriff Nachhaltigkeit in der breiten Öffentlichkeit als Worthülse ausgelegt wird, wird dieses wichtige Thema rasch wieder an Relevanz verlieren. In der Konsequenz wird der Weg der staatlichen Regulierung mit einer verallgemeinernden Verpflichtung beschritten werden, um das UNO-Nachhaltigkeitsbestreben durchsetzen zu können. Eine wirklich nachhaltige Entwicklung aber wird dann erzielt, wenn sie aus dem alltäglichen Handeln und Verständnis des Individuums heraus entstehen kann und nicht aufgrund internationaler Vorgaben oder staatlicher Gesetze und Verordnungen entstehen muss.

Überregulierung ist kontraproduktiv

ESG-Kriterien (Environment, Social, Governance), CO2-Reporting oder die siebzehn Uno-Nachhaltigkeitsziele sind gute Denkansätze und bieten hilfreiche Orientierung. Aber es ist zu vermeiden, dass sie früher oder später zu übertriebenen, nicht durchdachten und allgemeinverpflichtenden Standards und staatlichen Vorgaben in verschiedenen Bereichen des Umweltschutzes oder des Steuerbereichs avancieren, aus mehreren Gründen:

Die Regionen dieser Welt haben unterschiedliche Ausgangslagen mit wesentlichen geografischen, klimatischen, kulturellen, gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Abweichungen. Diese gilt es zu berücksichtigen, wenn wirtschaftliche, gesellschaftliche und ökologische Nachhaltigkeit effektiv greifen soll. Uniforme Standards können solchen regionalen Unterschieden nicht gerecht werden. Eine übermässige Regulierung gefährdet Wertschöpfungsketten, den Kundenfokus und die Wettbewerbsfähigkeit und damit die Basis, auf der Nachhaltigkeit überhaupt umgesetzt werden kann. Eine staatliche Lenkung führt unweigerlich zu einer Fehlallokation von Ressourcen. Dies gilt es im Hinblick auf eine gewünschte nachhaltige Entwicklung zu vermeiden. Überregulierung kann auch gesunde Innovation behindern bzw. zu schädlicher Konzentration führen, wie etwa Überkapazitäten in staatlich erwünschten Sektoren.

Ein Staat kann die Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Entwicklung setzen. Auch CO2-Zertifi-kate können verwendet werden. Nicht aber sollte der Staat eine nachhaltige Entwicklung verordnen. Jedoch könnte er mit gutem Beispielvorangehen, indem er seine über-dimensionierte Rolle in Wirtschaft und Gesellschaft zurückfährt, sich auf seine Kernaufgaben besinnt und die Sicherheit sowie die marktwirtschaftliche Freiheit seiner Bürger gewährleistet. Dazu gehört auch, keine verantwortungslose und langfristig nicht tragbare Schuldenwirtschaft zu betreiben. Damit einher geht auch die Abkehr von übertriebenen Ausgaben unter dem Label «Green Economy», mit denen weniger ein grünes Wachstum gefördert als künftigen Generationen eine untragbare Schuldenlast aufgebürdet wird.

Auch Emotionalisierung, wie die der Energiewende in Deutschland, ist mit Blick auf effektives Nachhaltigkeitsbestreben kritisch zu sehen. Als Reaktion auf die Atomkatastrophe in Fukushima 2011 beschloss die Bundesregierung, Atomkraftwerke schrittweise und so zügig wie möglich abzuschalten und eine grundsätzliche energiepolitische Wende zu vollziehen. Damit einher ging aber, dass Deutschland wieder verstärkt auf fossile Energien wie Kohlekraft und Erdgas setzen musste, um den Energieverbrauch zu Spitzenzeiten überhaupt stillen zu können. Die UNO-Nachhaltigkeitsziele proklamieren erschwingliche Energie für alle Menschen. Aus Angst und Populismus aber verhindert die Regierung den Einsatz von erschwinglicher und umweltschonender Kernenergie.

Nachhaltiges Finanzgebaren ist auch in Unternehmen wesentlich. In managementgesteuerten Gesellschaften wird kurzfristiger gedacht, angestellte Unternehmensleiter tragen nicht das Risiko des eigenen Vermögens. Ein Unternehmer hingegen steht in direkter Verantwortung gegenüber dem Unternehmen, den Stakeholdern und dem Umfeld, in das das Unternehmen eingebettet ist. Er denkt langfristiger. Gerade Familiengesellschaften wenden seit langem die Kombination wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und ökologischer Nachhaltigkeit an, was auch solide Finanzen umfasst. Die von der UNO unterstützten Prinzipien für nachhaltiges Investieren (PRI, Principles for Responsible Investment) sind ein guter und wichtiger Schritt zu einer nachhaltigen Finanzwirtschaft. Verantwortungsvolles Investieren muss aber Hand in Hand gehen mit nachhaltigem Handeln. Geld oder Vermögen allein leistet keinen Beitrag zur Nachhaltigkeit, sondern vielmehr die Art und Weise, wie es eingesetzt wird und welcher Nutzen sich damit erzielen lässt. Rendite für Investoren bildet dabei die eine Seite, zugleich eine positive Wirkung für Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft zu erzielen, die andere. Insbesondere Vermögen ist dann nachhaltig, wenn es langfristig und zweckgebunden eingesetzt und über mehrere Familiengenerationen erhalten wird.

Vertrauen in die Marktakteure

Globales Nachhaltigkeitsbestreben kann nur dann effektiv greifen, wenn es sich nahe an den realen Gegebenheiten bewegt, regionale Unterschiede berücksichtigt, vom Individuum im alltäglichen Handeln erwirkt wird und nicht in einer staatlichen Bevormundung mündet. Eine zu starke Regulierung verunmöglicht Schumpeters kreative Zerstörung und hinterlässt langfristig mehr verbrannte Erde als eine prosperierende und nachhaltig agierende Gesellschaft und Wirtschaft. Die Krux an der Nachhaltigkeit liegt darin, dass sich Nachhaltigkeit unter den Prämissen von freier Marktwirtschaft und Unternehmertum entwickeln können muss, was aber das Vertrauen in die Marktakteure voraussetzt. Auf Basis eines solchen, pragmatischen Ansatzes können die Uno-Nachhaltigkeitsziele zum Erfolg gebracht werden.

Liechtenstein ist ein gutes Vorbild in Sachen wirtschaftlicher, finanzieller, gesellschaftlicher und ökologischer Nachhaltigkeit. Als Unikum in Europa hat es aufgrund einer sehr disziplinierten Haushaltspolitik keine Staatsschulden. Auch die Unternehmen sind solide finanziert. Bei den Banken gibt es viele gute Beispiele für solides Nachhaltigkeitsdenken, sowohl für Kunden als auch bei Investitionen. Der Treuhandsektor mit dem Stiftungswesen muss in Generationen denken und ist daher per se nachhaltig ausgerichtet.

Die gemischte Stiftung in Liechtenstein räumt Stiftern einen breiten Gestaltungsspielraum bei der Planung und langfristigen Ausrichtung von Familienvermögen und Geschäftsvermögen ein. Sie ist ein herausragendes Merkmal des liechtensteinischen Stiftungsstandorts. In seinem Gastkommentar für die liechtensteinische Wochenzeitung www.wirtschaftregional.li erläutert S.D. Prinz Michael von und zu Liechtenstein die Entstehung des liechtensteinischen Stiftungsrechts und die unterschiedlichen Stiftungstypen in Liechtenstein. Erfahren Sie mehr zur gemischten Stiftung und den anderen Stiftungsformen.

Unter der Federführung der beiden Liechtensteiner Wilhelm und Emil Beck wurde das liechtensteinische Stiftungsrecht erstmals 1926 im Rahmen einer Revision des Personen- und Gesellschaftsrechts (PGR) gesetzlich verankert. In ihrem Bericht, den Wilhelm und Emil Beck dazu 1925 zuhanden der Landtagsabgeordneten verfassten, führten sie aus, dass die Stiftung bis dahin in der liechtensteinischen Gesetzgebung zwar erwähnt und in der Praxis auch angewandt wurde, jedoch als rein wohltätige Institution. Mit der Verankerung im PGR wollten sie das Stiftungswesen um die Familienstiftung erweitern und damit dem,  wie sie es nannten, wirtschaftenden Menschen ein weiteres Rechtsinstrument zur Verfügung stellen.

Seitdem hat sich Liechtenstein zu einem international führenden Stiftungsstandort entwickelt und die liechtensteinische Stiftung wurde in den vergangenen Jahren von anderen Ländern – etwa Österreich, Panama und Jersey – als Vorbild für die Entwicklung eigener Stiftungsgesetze herangezogen. Die Revision des Stiftungsrechts im Jahr 2009 untermauerte zudem Liechtensteins Vorreiterrolle im Stiftungswesen.

Das Grundprinzip der Stiftung beruht auf der hohen Flexibilität bei der Ausgestaltung des Stiftungszwecks, der das Herzstück einer jeden Stiftung bildet. Definiert ist, wozu und zu wessen Gunsten (Begünstigte) ein Stiftungsvermögen langfristig einzusetzen ist. Je nach Stiftungstyp  handelt es sich dabei um privatnützige und/oder gemeinnützige Zwecke. Das liechtensteinische Stiftungsrecht sieht folgende Stiftungstypen vor:

Die reine Familienstiftung bezweckt, ein Familienvermögen langfristig zu erhalten, es vor (Erb-)Streitigkeiten zu sichern, Familienmitglieder in ihrer Ausbildung oder Erziehung und im Lebensunterhalt zu unterstützen, jüngeren Generationen Starthilfe zu geben oder die Alters- und Gesundheitsvorsorge für Familienmitglieder sicherzustellen.

Mit der Stiftung für andere privatnützige Zwecke lassen sich ausserfamiliäre Zwecke erfüllen, die privater Natur sind, wie beispielsweise der Erhalt einer privaten Bibliothek.

Die rein gemeinnützige Stiftung hingegen fokussiert die Förderung von Zwecken, die ausserhalb des familiären oder privaten Kreises liegen. Die gemischte Stiftung wiederum lässt eine Kombination von privat- und gemeinnützigen Zwecken zu und ist in ihren Ausgestaltungsmöglichkeiten eine Besonderheit des heimischen Stiftungsrechts. Dazu nachstehend zwei Beispiele zum besseren Verständnis:

Im ersten Beispiel gründet Frau XY eine gemischte Stiftung und widmet ihr unter anderem ihre Beteiligungen am Familienunternehmen. Die Erträgnisse aus diesen Beteiligungen fliessen ins Stiftungsvermögen. Als mögliche Begünstigte sind Nachkommen von Frau XY vorgesehen. Zusätzlich können aus dem Stiftungsvermögen bei Bedarf aber auch verschiedene gemeinnützige  oder kulturelle Einrichtungen und Projekte unterstützt werden. Langfristig verfolgt diese Stiftung  also einen mehrheitlich privatnützigen und familienbezogenen Zweck und die Nachkommen von Frau XY haben Vorrang. Im unterschiedlichen Ausmass kann sie mitunter aber auch gemeinnützige Zwecke unterstützen.

Das zweite Beispiel handelt von einer gemischten Stiftung, die gemeinnützige Zwecke verfolgt, entsprechende Projekte umsetzt und eventuell  auch gemeinnützige Institutionen unterstützt. Im Wesentlichen aber dient die Stiftung dennoch privatnützigen Zwecken, die familiär sein können.  Das heisst, der Fokus dieser Stiftung liegt hauptsächlich auf der privatnützigen Zweckerfüllung, gleichzeitig aber ist sie auch im gemeinnützigen  Bereich aktiv.

Nun kann es sein, dass in der Zukunft bei gemischten Stiftungen die definierten gemeinnützigen Zwecke aufgrund geänderter Umstände nicht mehr den ursprünglichen Stifterintentionen entsprechen. Sollten die Stifter die Möglichkeit eingeräumt haben, dann können in einem solchen Fall der privatnützige Zweck noch verstärkt oder die gemeinnützige Ausrichtung angepasst werden.

Die gemischte Stiftung räumt Stiftern also einen breiten Gestaltungsspielraum ein. Den Stiftungsorganen gibt sie später die notwendige Flexibilität, um erforderliche Anpassungen vorzunehmen. Die gemischte Stiftung ist ein herausragendes Merkmal des heimischen Stiftungsstandorts, der ein bedeutender Grundpfeiler des Finanzplatzes ist.

Liechtensteins Finanzplatz nimmt seit vielen Jahren für sich in Anspruch, nachhaltig zu handeln. Doch wo steht der Finanzplatz Liechtenstein in Sachen Nachhaltigkeit tatsächlich? "Ich denke nicht, dass der liechtensteinische Finanzplatz anderen Finanzplätzen hinterherhinkt.", erklärt S.D. Prinz Michael von und zu Liechtenstein im Interview mit dem Liechtensteinischer Volksblatt und erläutert, wie der liechtensteinische Finanzplatz Nachhaltigkeit konkret umsetzt. Ein lesenswertes Interview, das unter anderem aufzeigt, welchen Beitrag die liechtensteinische Treuhandbranche in Sachen Nachhaltigkeit leistet. Durch die Vermögensstrukturierung über Rechtsträger und die damit einhergehende zweckgebundene Vermögensausrichtung ebnet die liechtensteinische Treuhandbranche den Weg für eine nachhaltige Vermögensverwaltung und Vermögensveranlagung.

«Volksblatt»: Durchlaucht, im September 2015 verabschiedeten die Mitgliedsstaaten der UNO eine Agenda 2030 mit dem Ziel, eine nachhaltige Entwicklung anzustossen, die weltumspannend ist. Was sagen Sie dazu?
Prinz Michael: Ich denke, dass man erst einmal verstehen muss, woher der Begriff Nachhaltigkeit stammt. Ursprünglich wurde er im 18. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum in der Forstwirtschaft geprägt. Um eine grössere Waldvernichtung vermeiden zu können, wurde Nachhaltigkeit damals zum Handlungsprinzip für die Waldbewirtschaftung erhoben. Es durften zum Beispiel nur so viele Bäume gefällt werden, wie auch nachwachsen konnten. Die natürliche Regenerationsfähigkeit des Waldes sollte gesichert werden, damit diese Ressource auch für zukünftige Generationen erhalten bleibt.

Mittlerweile wird Nachhaltigkeit in einem viel weiteren Kontext gesehen. Unternehmen und die Wirtschaft an sich sind gefordert, mit den genutzten Ressourcen derart umzugehen, dass die Nachwelt nicht belastet wird. Dies gilt sowohl im ökologischen als auch im ökonomischen und sozialen Sinne. Darauf zielt auch die Agenda 2030 ab.

Ist ein globales Nachhaltigkeitsbestreben überhaupt umsetzbar und sinnvoll?
Ein globales Nachhaltigkeitsbestreben ist so lange als positiv zu werten, solange es nicht einer realitätsfernen Utopie nacheifert. In den diversen Regionen dieser Welt herrschen unterschiedliche Gegebenheiten vor und es gibt wesentliche geografische, klimatische, kulturelle, gesellschaftliche und wirtschaftliche Abweichungen, die es zu berücksichtigen gilt. Was beispielsweise für Europa funktioniert, funktioniert nicht automatisch auch für Südamerika. Man muss also achtgeben, dass das globale Nachhaltigkeitsstreben nicht in einer uniformen Bevormundung endet, die das Nachhaltigkeitsstreben wieder zunichtemacht.

Die Agenda 2030 wurde mit 17 konkreten Nachhaltigkeitszielen untermauert und weltweit sollen alle Länder dazu verpflichtet werden, diesen nachzukommen. Werden diese Nachhaltigkeitsziele bald zum internationalen Standard? Wie beurteilen Sie, als Verfechter einer liberalen Wirtschaft und Gesellschaft, dies?
Die Politik sollte sich etwas wieder verstärkt ins Bewusstsein rufen: Eine nachhaltige Wirtschaft und Gesellschaft bauen auf die Eigenverantwortung und Selbstbestimmung des Einzelnen. Die Geschichte zeigt, dass gerade jene Wirtschafts- und Gesellschaftssysteme die grössten Erfolge vorweisen konnten, die auf Selbstbestimmung und Eigenverantwortung bauten und kleinen Gebietskörperschaften, wie etwa den Gemeinden, den maximalen Handlungsspielraum einräumten.

Der verlockende Anreiz, auf die Nachhaltigkeitsziele allgemein verpflichtende Standards und Auf lagen folgen zu lassen, ist sicherlich nicht von der Hand zu weisen. Solange dabei regionale Besonderheiten berücksichtigt werden und die dezentrale Selbstbestimmung und Eigenverantwortung bewahrt bleiben, spricht wenig dagegen. Unvernünftig aber wäre, wenn Standards und Auf lagen darauf abzielten, eine zentrale Bürokratie zu fördern. Nachhaltigkeit muss individuell definiert und gelebt werden können, damit sie wirklich erfolgreich greifen kann.

Nicht nur die UNO-Mitgliedsstaaten streben nach einer nachhaltigeren und faireren Welt, auch WEF-Gründer Klaus Schwab schlägt mit seinem Buch «The Great Reset» in dieselbe Kerbe und spricht sich dafür aus, insbesondere kapitalistisch geprägte Gesellschaften schrittweise in Richtung mehr Gerechtigkeit und Gleichheit zu transformieren. Damit drängen sich mir zwei Fragen auf. Braucht es nicht einen gewissen «Kapitalismus», um die angestrebte Nachhaltigkeit überhaupt finanzieren zu können? Und wie kann nachhaltiges Handeln Gleichheit und Gerechtigkeit fördern?
Mit Blick auf Gleichheit und Gerechtigkeit herrscht ein grosses Missverständnis vor. Nehmen wir folgendes Beispiel her: Drei Personen unterschiedlicher Körpergrössen sollen über einen zwei Meter hohen Zaun blicken können. Man stellt ihnen im Sinne von Gleichheit und Gerechtigkeit drei gleich hohe Podeste zur Verfügung. Die erste Person kann damit wunderbar über den Zaun blicken und hat den vollen Überblick. Die zweite Person muss auf die Zehenspitzen stehen, damit sie über den Zaun blicken kann. Die dritte Person aber sieht noch immer nichts, weil die Podesthöhe in Anbetracht ihrer Körpergrösse keinen Gewinn bringt. Ist das nun gerecht? Es macht einen grossen Unterschied, ob man nach Gleichheit oder nach Chancengleichheit strebt! Chancengleichheit am vorgenannten Beispiel gäbe der kleinsten Person ein zusätzliches Podest, damit auch sie über den Zaun sehen kann.

De facto verhindert Gleichheit Chancengleichheit und damit die individuelle Freiheit. Gerechtigkeit und Gleichheit waren die zündenden Schlagworte im Marxismus und Leninismus. Und mich erschreckt es schon etwas, wie viel Aufwind diese Schlagworte in der Gegenwart gewinnen. Auch bezweifle ich, dass ein «Great Reset» die Welt zum Besseren wenden wird. Im Gegenteil, die Vergemeinschaftung von Eigentum und Vermögen, wie es im «Great Reset» angedeutet wird, hätte fatale Folgen.

Die Grundlage für eine aussichtsreiche Zukunft liegt darin, die Selbstbestimmung und Eigenverantwortung des Einzelnen zu stärken. Der Mensch agiert am effizientesten, wenn er frei und selbstbestimmt leben muss und auch die Verantwortung für Eigentum trägt. Die Sowjetunion oder auch die DDR haben gezeigt, wohin das Gegenteil führt. Deshalb würde ich auch nicht von «Kapitalismus» sprechen, sondern von «Eigentumsrechten».

Welchen Beitrag könnte denn der Staat zu einer nachhaltigen Entwicklung leisten?
Ein Staat könnte mit gutem Beispiel vorangehen, indem er beispielsweise seine überdimensionierte Rolle in Wirtschaft und Gesellschaft zurückfährt und sich wieder auf seine ursprünglichen Kernaufgaben besinnt. Dies beinhaltet, die Freiheit und Grundrechte der Bürger zu wahren, dezentrale Einheiten wie Gemeinden und Kantone zu stärken und die innere und äussere Sicherheit des Landes zu gewährleisten.

Im Übrigen zählen auch Staatsbetriebe zu den Umweltsündern. Überlegen Sie einmal, wer an den grössten Braunkohlekraftwerken beteiligt ist? Oder welche ökologische Bilanz beim Mauerfall im Jahr 1989 nicht überzeugt hatte, jene der BRD oder der DDR?

Wenden wir uns nun Liechtenstein zu. Anlässlich der 300-Jahr-Feier veröffentlichte die Regierung ihren ersten Nachhaltigkeitsbericht. Darin ist unter anderem festgehalten, dass die Regierung und der Finanzplatz beispielsweise mit der «Liechtenstein Initiative» einen bedeutenden Beitrag gegen moderne Sklaverei und Menschenhandel leistet. Die von der UNO angestrebte Nachhaltigkeit geht aber weit über dieses Thema hinaus und mich würde interessieren, was Nachhaltigkeit für einen Finanzplatz wie dem liechtensteinischen überhaupt bedeutet?
Ein kleines Land wie Liechtenstein kann nicht in allen Bereichen tätig werden, deshalb ist die Fokussierung auf Einzelthemen zielführend. Die «Liechtenstein Initiative» ist ein sehr wichtiger Beitrag, den das Land leistet. Sklaverei und Menschenhandeln sind schreckliche Vergehen an der Würde und Freiheit des Menschen.

Im internationalen Kontext ist der liechtensteinische Finanzplatz ein Nischenplayer auf dem Gebiet der strategischen Vermögensberatung, der langfristigen Vermögensplanung und dem generationenübergreifenden Erhalt von Vermögen und Werten. Dieser Ansatz an sich setzt bereits Nachhaltigkeit voraus und wird von den drei Werten Stabilität, Effizienz und Innovation untermauert. Kapitalmärkte hatten immer schon die Funktion, erspartes Vermögen derart anzulegen, dass es wirtschaftlich den grössten Nutzen erbringen kann. Das beinhaltet eben nicht nur, Renditen für Investoren zu erzielen, sondern Vermögen auch so einzusetzen, dass es positive und messbare wirtschaftliche, soziale und ökologische Auswirkungen hat. Dazu zählen auch Impact Investing und Philanthropie.

Kurzum bedeutet Nachhaltigkeit für einen Finanzplatz wie dem liechtensteinischen, dass die langfristige Nischenstrategie konsequent weiterverfolgt wird und die ökonomische, ökologische und soziale Nachhaltigkeit sich in den unterschiedlichen Vermögensveranlagungen widerspiegelt. Die modernen Technologien ermöglichen zudem, den Nachhaltigkeitsanspruch noch besser zu überprüfen und transparenter zu machen. Meines Erachtens kann der liechtensteinische Finanzplatz seinen Wettbewerbsvorteil stärken, wenn er seine Leistungen in Innovation und Effizienz zeigt und damit zusammenhängend die ökonomische, ökologische und soziale Nachhaltigkeit stärker kommuniziert und nach aussen trägt.

Worin sehen Sie die grössten Chancen in naher Zukunft für den Finanzplatz Liechtenstein?
Liechtenstein verfügt über Rahmenbedingungen, die für eine nachhaltige Entwicklung Grundvoraussetzung sind und von denen der Finanzplatz profitiert. Diese liegen zum einen in der andauernden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Stabilität, in den kurzen und effizienten Wegen und der geringen Bürokratie sowie in der Tatsache, dass Liechtensteins Staatshaushalt schuldenfrei ist. Schuldenfrei bedeutet nachhaltig. Nicht umsonst erhält Liechtenstein seit vielen Jahrzehnten konstant ein AAA-Rating. Zum anderen weist Liechtenstein einen guten Branchenmix und eine breit diversifizierte Wirtschaftsstruktur auf.

Der Anteil der verarbeitenden Industrie in Liechtenstein ist sehr hoch, was für eine langfristig positive Wirtschaftsentwicklung essenziell ist. Die meisten europäischen Länder und auch die USA werden hier langfristig in grosse wirtschaftliche Probleme laufen, weil der Anteil der verarbeitenden Industrie geschrumpft ist und eine zu starke Auslagerung stattgefunden hat. Im Weiteren denkt der liechtensteinische Finanzplatz in Generationen, das ist gelebte Nachhaltigkeit.

Die Treuhandbranche ist hier ein zentraler Pfeiler, denn der Auf bau, die Implementierung und Verwaltung von Vermögensstrukturen über Rechtsträger wie Stiftungen, Trusts und andere Gesellschaftsformen legen die Grundlage für eine langfristige Vermögensverwaltung. Zudem lässt sich feststellen, dass das Bedürfnis nach Sicherheit und Stabilität im vergangenen Jahrzehnt wieder stark an Bedeutung gewonnen hat.

Auch das im 2019 verabschiedete «Blockchain-Gesetz» bietet grosse Chancen und beweist die Innovationsfähigkeit Liechtensteins. Liechtenstein ist das erste Land auf der Welt, das den Token, der ein digitales Abbild von Eigentumsrechten und anderen Rechten darstellt, juristisch definiert und damit Rechtssicherheit geschaffen hat. Die damit verbundene Digitalisierung des Wirtschaftssystems eröffnet dem Finanzplatz viele Möglichkeiten.

Und worin liegen die grössten Herausforderungen?
Eine grosse Herausforderung liegt sicherlich in der Regulierungsflut, die uns in den letzten Jahren im wahrsten Sinne des Wortes überschwemmt hat. Die Akteure müssen sich natürlich regelkonform verhalten, gleichzeitig aber den mit den Regulierungen einhergehenden Kostendruck in Grenzen halten und dürfen auch den Kundenfokus nicht aus den Augen verlieren. Für Kunden sind regulatorische Auf lagen lediglich ein Nebeneffekt, um den sich ein Finanzplatzakteur zu kümmern hat. Eine übermässige Regulierung gefährdet Wertschöpfungsketten, den Kundenfokus und die Wettbewerbsfähigkeit an sich und damit die Basis, auf der Nachhaltigkeit überhaupt umgesetzt werden kann.

Eine weitere Herausforderung sehe ich in der schwierigen Lage, in der sich die Weltwirtschaft befindet. Geopolitische Spannungen und Protektionismus nehmen zu, die weltweiten Staatsschulden bewegen sich in schwindelerregenden Höhen, der Ruf nach einer Vergemeinschaftung von Vermögen gewinnt an Kraft und stimuliert soziale Unruhen. Für Finanzplatzakteure bedeutet dies, damit zusammenhängende Folgen vorauszusehen und daraus die richtigen Schlüsse für ein betreutes Kundenvermögen zu ziehen. Dies bedingt ein umfassendes Know-how und Verständnis bei den Mitarbeitenden. Jedoch sehe ich diese Herausforderungen auch als Chance an und Liechtenstein kann durch Konformität auch die Wettbewerbsfähigkeit untermauern.

Andere Finanzplätze wie beispielsweise Luxemburg sind in Sachen Nachhaltigkeit schon viel weiter fortgeschritten und weisen klare Strategien aus, wie sie ihre Finanzindustrie ausrichten wollen. Hat der liechtensteinische Finanzplatz hier seine Chancen vertan?
Ich denke nicht, dass der liechtensteinische Finanzplatz anderen Finanzplätzen hinterherhinkt. Was bedeutet «klare Strategien»? Ein professionell auf bereitetes Strategiedokument, das der Öffentlichkeit präsentiert wird? Die Kunst einer Strategie liegt meines Erachtens in ihrer Umsetzung und darin, einen Gleichklang zu erzielen, der zu Stärke und Glaubwürdigkeit verhilft. Liechtensteins Finanzplatz erzielt diesen Gleichklang, indem er Nachhaltigkeit auf den drei Ebenen ökonomisch, sozial und ökologisch lebt.

Der Finanzplatz ist auf einem guten Weg und wahrscheinlich muss er einfach offensiver kommunizieren, dass die Finanzplatzakteure verantwortungsbewusst handeln und sich mit Blick auf Compliance und Sorgfaltspflicht hohen ethischen Standards verpflichtet haben. Oder dass der Erfolg des heimischen Finanzplatzes mit einer hohen Innovationskraft und Veränderungsbereitschaft zusammenhängt. Das Dienstleistungsangebot des Finanzplatzes ist breit gefächert und ermöglicht erstklassige Vermögenslösungen, mit denen Vermögen über Generationen gesichert werden kann. Das ist Nachhaltigkeit in all ihren Facetten.

Welchen konkreten Beitrag kann Liechtenstein Finance, als Dreh- und Angelpunkt für die Finanzplatzkommunikation, hier leisten? Wie genau wollen und können sich der Finanzplatz und seine Akteure in der «Nachhaltigkeitsarena» künftig positionieren?
Liechtenstein Finance ist das gemeinsame Sprachrohr des Finanzplatzes. Alle Finanzplatzakteure und die Regierung stehen hinter Liechtenstein Finance. Liechtenstein Finance hat zur Aufgabe, das Finanzplatzprofil im In und Ausland zu schärfen. Zudem versteht sich Liechtenstein Finance als Dreh und Angelpunkt in der Umsetzung der von den Vereinten Nationen verabschiedeten Nachhaltigkeitsziele und Prinzipien für verantwortungsbewusstes Investieren.

Liechtenstein Finance wird im In und Ausland laufend über die erreichten Meilensteine informieren . Liechtenstein Finance kann wesentlich dazu beitragen, die internationale Position des liechtensteinischen Finanzplatzes zu festigen. Aber auch die einzelnen Finanzplatzakteure müssen ihren Beitrag leisten, damit der Finanzplatz langfristig positioniert werden kann, und das tun sie auch.

Birgt Nachhaltigkeit auch Reputationsrisiken für den Finanzplatz?
Liechtensteins Finanzplatz lebt Nachhaltigkeit auf den drei Ebenen ökonomisch, sozial und ökologisch. Deshalb sollten wir Nachhaltigkeit als positiven Reputationstreiber werten und weniger als ein mögliches Reputationsrisiko betrachten.

Erste liechtensteinische Banken haben inzwischen die von der UNO unterstützten Prinzipien für nachhaltiges Investieren, kurz PRI genannt, unterzeichnet. Würden Sie dies als einen Schritt in die richtige Richtung bezeichnen?
Das ist ein guter und wichtiger Schritt auf einem bereits beschrittenen Weg. Verantwortungsvolles Investieren ist eng mit nachhaltigem Handeln verbunden und gerade unser Finanzplatz kann hier eine grosse Erfahrung nachweisen, sprich in der Strukturierung und nachhaltigen Veranlagung von Vermögenswerten. Nun kommen die ökologische und soziale Verantwortung hinzu. Liechtenstein und der Finanzplatz sind bestens geeignet, hier eine führende Rolle einzunehmen und die vorhandenen Kompetenzen auszuspielen und weiter auszubauen.

Wie kann Geld oder eine nachhaltige Veranlagung des Geldes das Klima oder die Umwelt retten?
Geld selbst kann keinen Beitrag leisten. Es ist ein reines Tausch und Wertaufbewahrungsmittel. Aber die Art und Weise, wie Geld in Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt eingesetzt wird, kann wesentlich dazu beitragen, dass die Umwelt weniger belastet wird, was auch Einfluss auf Klimaveränderungen hat. Der Wille in der liechtensteinischen Bevölkerung ist gegeben, vorsichtiger und bewusster mit Ressourcen wie Wasser, Natur, Infrastruktur etc. umzugehen. Darauf zielen die Nachhaltigkeitsziele ab. Und durch Impact Investing wird dies verstärkt.

Wichtig in dem Ganzen ist, dass eine nachhaltige Veranlagung von Geld zielorientiert und pragmatisch geschehen kann und nicht von zu strikten Standards und Auf lagen verunmöglicht wird. Regionale Unterschiede müssen berücksichtigt werden. Sicher nicht nachhaltig ist das unlimitierte Schuldenmachen unter dem Schlagwort «Green Economy». Das Argument, damit das Klima für künftige Generationen zu retten, hinkt und die Schulden werden zu einer immensen Belastung für die junge Generation.

Eine nachhaltige Entwicklung lässt sich dann erzielen, wenn sie organisch wachsen und aus dem alltäglichen Handeln der Bevölkerung heraus entstehen kann.

Nun können Banken beispielsweise die Nachhaltigkeit ihrer Produkte relativ gut messbar und sichtbar machen. Wie aber steht es um die Treuhandbranche, wie kann sie im Nachhaltigkeitsbereich mitziehen? Oder steht die Branche dem Ganzen aussen vor?
Vermögen ist dann nachhaltig, wenn es langfristig erhalten und vermehrt werden kann und einem bestimmten Zweck entsprechend eingesetzt wird. Im Mittelpunkt einer treuhänderischen Betrachtung stehen nicht nur materielle Vermögenswerte, sondern auch immaterielle und insbesondere die langfristigen Vorstellungen der Kunden, die in vielen Fällen mehrere Familiengenerationen berücksichtigen.

Die liechtensteinische Treuhandtätigkeit spielt sich dann in vier Bereichen ab: erstens die zukunftsgerichtete Vermögensstrukturierung über Rechtsträger; zweitens die generationenübergreifende Vermögensbetreuung; drittens eine nach nachhaltigen Kriterien erfolgende und statutenkonforme Vermögensveranlagung; viertens der zweckkonforme Vermögenseinsatz. Das ist Nachhaltigkeit in einer sehr reinen Form. Es berücksichtigt zudem die drei Ebenen ökonomisch, sozial und ökologisch, die notwendig sind im langfristigen, generationenübergreifenden Denken und auch im philanthropischen Sektor eine grosse Rolle spielen.

Die treuhänderische Tätigkeit mess- und sichtbar zu machen, ist in der Tat schwierig. Im jährlichen Rechenschaftsbericht der Regierung scheint zwar auf, wie sich die Anzahl der Rechtsträger entwickelt. Dies sagt jedoch nichts über das effektive Vermögensvolumen in den Rechtsträgern aus. Anders als bei Banken lässt sich dieses auch nicht einfach beziffern, da in Vermögensstrukturen unterschiedlichste Vermögenswerte enthalten sind, die nicht immer mit einer Wertangabe versehen werden können.

Wir haben nun viel über Nachhaltigkeit und den Finanzplatz diskutiert. Zum Schluss würde ich gerne von Ihnen wissen: Was bedeutet Nachhaltigkeit für Sie persönlich, sowohl im privaten Bereich als auch in Ihrer Rolle als Unternehmer?
In meiner Familie spielte Nachhaltigkeit immer schon eine wesentliche Rolle. Schon meine Eltern achteten sehr darauf, Autos zu fahren, die mit wenig Benzin auskamen. Die Haltung hat mich bis heute geprägt. Zudem bin ich Teil einer Nachkriegsgeneration und in meiner Kindheit waren Produkte alles andere als im Überfluss vorhanden. Deshalb mussten wir sehr sorgsam mit allem umgehen und das tun wir auch heute noch.

Als Kind erschreckte mich auch, wie schmutzig teilweise die Flüsse waren und wie wenig Augenmerk man in Europa auf deren Reinhaltung legte. Die Marktwirtschaft trug hier wesentlich dazu bei, dass die europäischen Flüsse heute weitgehend sauber sind. Im Weiteren hat unsere Familie Forstbesitz, den wir wirtschaftlich nutzen und sehr naturnah führen.

Nachhaltigkeit als Handlungsprinzip ist für unsere Familie seit jeher eine Selbstverständlichkeit.

Zu guter Letzt noch eine Bitte: Beschreiben Sie den liechtensteinischen Finanzplatz aus dem Blickwinkel der Nachhaltigkeit mit drei Stichworten.
Authentizität, Verlässlichkeit, Langfristigkeit. Das heisst, der liechtensteinische Finanzplatz ist dann nachhaltig, wenn er authentisch bleibt, weiterhin verlässlich agiert und seinen langfristigen Ansatz fortführt.

Ein Preisgeld von 9‘000 Schweizer Franken insgesamt erwartet jene Studierenden des LL.M.-Executive-Masterstudiengangs der Universität Liechtenstein, denen es gelingen wird, in einem Fallbeispiel aus dem liechtensteinischen Treuhandwesen mit ihren Lösungsansätzen zu überzeugen. Der Startschuss für den I&F Family Wealth Preservation Award ist gefallen. Erfahren Sie mehr in den nachstehenden Medienauszügen.

Das neue Antlitz des Sozialismus lautet der Titel des jüngsten Artikels von S.D. Prinz Michael von Liechtenstein. China entwickelt sich ganz offensichtlich zu einem digitalen Überwachungsstaat, und der Westen ist sehr besorgt ob dieser Entwicklung. Aber was ist mit dem Westen? Favorisiert er nicht selbst eine bürokratisch-technokratische Staatsform, die nach der gläsernen Gesellschaft strebt? S.D. Prinz Michael von Liechtenstein identifiziert die wesentlichen Faktoren, auf die der Westen sich konzentrieren sollte, um Chinas Hegemonialbestrebungen abwehren zu können Der Aritkel ist erschienen in der Schweizer Wirtschaftszeitung Finanz und Wirtschaft www.fuw.ch.

Der Überwachungsstaat gedeiht nicht nur in China, sondern auch in westlichen Demokratien. Um Pekings Hegemoniestreben abzuwehren, braucht es eine Rückorientierung auf Freiheitlichkeit. MICHAEL VON LIECHTENSTEIN

Auf Chinas Territorium werden Bürger auf Schritt und Tritt beobachtet und von öffentlichen Überwachungskameras analysiert, die zu detaillierten Bewegungs- und Verhaltensprofilen verhelfen. Automatisierte Drohnen agieren als Informanten. Gesichtserkennungsprogramme unterstützen eine ausgefeilte Klassifizierung in Schulen, Einkaufsläden, Sportzentren etc. Nahezu jede Ecke des Privaten wird durchleuchtet und mit dem Sozialkreditsystem bewertet. Wer sich im Sinne des Systems verhält, erhält attraktive Vorteile und erweitert seinen persönlichen Entwicklungsspielraum, indem bessere Ausbildungsmöglichkeiten, attraktivere Jobs, ansprechendere Wohnmöglichkeiten, die freie Nutzung öffentlicher Einrichtungen etc. zugänglich werden. Steht jemand aber in Misskredit, dann winken Sanktionen, die sich negativ auf den persönlichen Bewegungs- und Handlungsspielraum auswirken.

Die Idee dieses Sozialkreditsystems, das in Form eines zentralen Registers geführt wird und in Zukunft auch für jeden Einzelnen einsehbar werden soll, ist die Konditionierung der Bürger zu Good Citizens, die sich diszipliniert und systemkonform verhalten.

Fast könnte man meinen, George Orwell habe mit seinem Roman «1984» Chinas Staatsmacht ungewollt einen Masterplan zur Verfügung gestellt. Interessanterweise werden die Massnahmen vom Grossteil der chinesischen Bevölkerung gutgeheissen. Das Ganze wird als Antikorruptions- oder Transparenzkampagne aufgezogen und kommt in Chinas Bevölkerung, die bereits an Unfreiheit und staatliche Bevormundung gewöhnt ist, gut an. Sie erhält das Gefühl, dazu beizutragen, dass Miss- und Vetternwirtschaft, kriminelle Machenschaften und andere Widrigkeiten des Lebens eingedämmt werden. Schliesslich gibt es ja auch keinen Grund, weshalb ein Good Citizen dem widersprechen sollte, denn er hat ja schliesslich nichts zu verbergen.

Dystopie der gläsernen Gesellschaft

China verknüpft die Möglichkeiten zur umfassenden Datensammlung gekonnt mit denen künstlicher Intelligenz und ist auf dem besten Weg zum digitalen Superstaat. Der Westen echauffiert sich darob und beobachtet die Entwicklungen mit Unbehagen, denn China baut seine Hegemonialbestrebungen mit beeindruckender Beharrlichkeit aus und lässt nicht mit sich diskutieren. So lautet der Tenor im Westen, dass Chinas System verwerflich und unvereinbar mit dem westlichen Wertesystem sei. Aber sind wir wirklich besser unterwegs?

Im privaten Bereich werden persönliche Vorlieben preisgegeben, im Austausch für ein paar Rabattgutscheine. Im Internet wird bereitwillig auf den Einwilligen-Button geklickt, um bequem weitersurfen zu können. Einverständniserklärungen zum Umgang mit den eigenen Daten werden grosszügig unterzeichnet, ohne zu hinterfragen, was mit den Daten passiert. Gerade die EU sieht sich mit ihrer Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) als führend auf dem Gebiet des Datenschutzes. Interessanterweise kann sie aber durch Spezialgesetze ausgehebelt werden. Man rufe sich etwa das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung in Erinnerung, das laut dem Europäischen Gerichtshof gar nicht zulässig ist. Gespeichert auf Vorrat wird trotzdem weiterhin. Auch der Zahlungsverkehr Privater wird nachverfolgt und ein zentrales Kontenregister umgesetzt, ganz zu schweigen von den Contact-Tracing-Apps, die im Zuge von Covid-19 eingeführt worden sind. Die EU-Kommission erwägt, die Möglichkeit zur verschlüsselten Kommunikation zu unterbinden. Ja, die EU entwickelt sich zu einem Überwachungsstaat.

China mag Orwells Dystopie nacheifern, der Westen favorisiert ein bürokratisch-technokratisches Staatsgebilde, in dem Eigenverantwortung und Selbstbestimmung ersetzt werden durch Kontrolle und Fremdbestimmung und in dem Transparenz hauptsächlich dazu dient, eine gläserne Gesellschaft zu erschaffen. Ähnlich wie in China wird der Weg dorthin als Kampf propagiert: gegen Terror, Korruption und kriminelle Machenschaften oder schlicht und einfach gegen ein Verhalten, das dem Kollektivismus abträglich ist. Eine breite Bevölkerungsschicht geht diesen Weg bereitwillig mit, denn schliesslich haben unbescholtene Bürger nichts zu verbergen. Seit geraumer Zeit werden Massnahmen, die tief in bürgerliche Rechte eingreifen, als nötig im Kampf gegen Covid-19 angepriesen; man denke an das Verbot der Versammlungsfreiheit oder die Einschränkungen der persönlichen Bewegungsfreiheit. Ausserhalb des gesetzlichen Rahmens wird Covid-19 dazu verwendet, berechtigte Kritik an Massnahmen abzuschmettern und Kritiker als Covidioten oder Radikale zu bezeichnen und auszugrenzen. Dass damit aber das Recht auf freie Meinungsäusserung beschnitten wird, geht dabei unter.

Gruppierungen links, rechts und auch in der Mitte des Spektrums drängen seit geraumer Zeit darauf, ein Gesellschaftssystem zu etablieren, in dem Gleichheit vorherrschend ist. Manche mögen sich fragen, was daran schlecht sein soll – das Problem liegt eben darin, dass im gleichen Atemzug die Gerechtigkeit ins Spiel gebracht wird: Durch Gleichheit soll mehr Gerechtigkeit entstehen. Aber Gerechtigkeit ist etwas, was nur subjektiv bewertet werden kann. Menschen sind von Natur aus verschieden und in ihren Fähigkeiten und Bestrebungen höchst unterschiedlich. Gleichheit gibt es vor dem Gesetz und vor Gott, in der Gesellschaft kann sie nur durch Repression erzwungen werden. Sie trachtet danach, alles einer Bestimmung unterzuordnen und jegliches Anderssein oder Andersdenken auszumerzen, wodurch die persönliche Handlungs- und Entscheidungsfreiheit untergeht. Volle Transparenz höhlt jegliches Recht auf Privatsphäre aus. Gesellschaftssysteme, die Transparenz, Gleichheit und Wohlstand ohne jedwede Eigenverantwortung und Anstrengung versprechen, sind schlicht und einfach illusorisch. Sie verlangen einen hohen Preis.

Zurück auf den freiheitlichen Pfad

Problematisch ist auch, wie wegen Covid-19 Unsummen aus dem Hut gezaubert und versprochen werden, um Wirtschaft und Gesellschaft in ein künstliches Koma versetzen zu können. Dabei wird noch nicht einmal gesagt, was mit dem ganzen Geld überhaupt passiert. Es ist zweifellos wichtig, kleine und mittelgrosse Unternehmen zu unterstützen. Aber leider wird ein Gesellschaftssystem kreiert, das ähnlich dem sowjetischen Sozialismus Wohlstand ohne Anstrengung prophezeit. Wo solche Gesellschaftssysteme enden, lässt sich in den Geschichtsbüchern nachlesen. Mündigkeit, Eigenverantwortung, Leistungsmotivation, persönliche Handlungsoptionen etc. verabschieden sich, und irgendwann ist gesellschaftlicher Wohlstand nur noch Wunschtraum.

Die westliche Welt kann auf ein goldenes Zeitalter mit ungewöhnlich starker Wohlstandsentwicklung zurückblicken. Massgebend dafür war u.a. das echte Commitment zum Konzept der freien Marktwirtschaft mit dem Fokus auf Wettbewerb und Eigentumsrechte, ohne dabei soziale Massnahmen zu vernachlässigen. Friedrich von Hayek hatte einst das Werk «Der Weg zur Knechtschaft» geschrieben. Auf diesem Weg ist der Westen schon weit fortgeschritten. Um den hegemonialen Ansprüchen Chinas zu begegnen, muss er klare und freiheitliche Wege beschreiten. Nur dann kann er ein echtes Gegengewicht bilden. Dazu braucht es aber Eigenverantwortung, Innovation, Unternehmertum und Dezentralisierung sowie einmal mehr das Bekenntnis zur freien Marktwirtschaft und zum Spiel des Wettbewerbs. Darin liegt der Schlüssel zum Erfolg und zu einer aussichtsreichen Zukunft in Wohlstand und Frieden.

"Ich glaube an den Wettbewerb, auch beim Geld." hält S.D. Prinz Michael von und zu Liechtenstein in seinem Interview mit Milosz Matuschek fest, dem stellvertretenden Chefredaktoren des Schweizer Monats. Im Interview steht er Rede und Antwort zu Fragen rund um die Themen Zentralbanken, Geldsystem, Bitcoin & Co. sowie Möglichkeiten, wie Eigentum langfristig gesichert werden kann. Das Interview ist erschienen in der November-Ausgabe von www.schweizermonat.ch

Die aktuelle Vertrauenskrise in das Geldsystem ruft nach Alternativen.
Milosz Matuschek trifft Prinz Michael von und zu Liechtenstein

Prinz Michael, warum ist das Thema Geldsystem aus Ihrer Sicht gerade so aktuell?
Es gibt verschiedene Gründe. Vermehrt kommen Zweifel an der Werthaltigkeit der bestehenden Gelder auf. Das Fiat-Money, also der Euro, der Dollar und die meisten anderen Währungen, die wir heute kennen, beruht auf dem Vertrauen, dass die herausgebenden Institutionen, das heisst die Zentralbanken, das Leitmotiv der Werterhaltung des Geldes verfolgen. Heutzutage ist dies leider nicht mehr der Fall, weil die Zentralbanken häufig unter Einfluss der Politik stehen oder sogar selber Fiskal- und Wirtschaftspolitik betreiben. Zudem werden Währungen immer öfter als Waffe eingesetzt, besonders von den USA. Seit Bretton Woods haben wir ein System mit dem Dollar als weltweiter Leitwährung, die USA nützen das mit Sanktionen und Ähnlichem aus. Die EU verhängt ebenfalls Sanktionen und übt Druck aus, am leichtesten lässt sich das über die Geldsysteme umsetzen. Deswegen versucht nun zum Beispiel China, eine Währung herauszugeben für seine «Belt and Road Initiative», die Neue Seidenstrasse. Einen Korb aus Gold, dem chinesischen Renminbi plus anderen Währungen. Ob das erfolgreich sein wird, weiss ich nicht. Klar ist: Hier handelt es sich um eine Gegenreaktion zum Dollar. Es gibt auch andere Versuche, gewisse Staaten aus dem internationalen System unabhängiger zu machen. Mittlerweile haben wir auch Technologien, die uns erlauben, parallele Währungen zu erschaffen, die auch global tätig sind. Bisher war immer Vertrauen gegenüber einer Institution, über Blockchain haben wir dezentralisiertes Vertrauen in eine Technologie.

Ist die jetzige Situation ein Versagen des Staates oder der Zentralbank?
Ich denke beider. Meiner Meinung nach haben in der ganzen Menschheitsgeschichte die meisten Staaten grosszügig Geld ausgegeben. Der Staat versucht, sich Geld zu beschaffen. Das Römische Reich ist untergegangen, als sie Kupfer in Silbermünzen beigemischt haben, die antike Form von «Quantitative Easing». John Law gab im Frankreich des 18. Jahrhunderts erstmals das Papiergeld heraus, auch hier war keine Wirtschaftsleistung dahinter. Geführt hat das schliesslich zur Französischen Revolution. Die heutige Situation ist also nichts Neues, es ist ein Zusammenspiel mit der Politik. Sobald Geld unter der Kontrolle der Politik ist, ist es ein Problem. Ich befürchte, das wird auch in Zukunft irgendwie bleiben; die Politik wird versuchen, dieses Machtinstrument für sich zu behalten.

Bisher ging ja jede Leitwährung irgendwann zugrunde. Ist es überhaupt realistisch und möglich, eine Leitwährung zu etablieren, die nicht an einen Staat geknüpft ist?
Das wäre wohl das Ideal, ich halte es aber für eine Utopie. Geld beruht ja darauf: Ich verkaufe Ihnen etwas und erhalte dafür 100 Euro. Mein Wert liegt darin, dass ich mit den 100 Euro Waren oder Dienstleistungen in demselben Gegenwert bekommen kann. Ich kann das aber nur bekommen, wenn mein Geld allgemein akzeptiert ist. Ideal wäre eine Währung, die auf universellem Konsens beruht, unabhängig davon, ob das dezentral oder zentral zustande kommt. Immer wieder sehe ich aber das Primat der Politik, welches oftmals fälschlicherweise für demokratisch gehalten wird. Ich befürchte, dass das Primat der Politik auch bei einer universellen Währung versuchen würde, das System für seine Zwecke einzusetzen. Deshalb ist es wohl besser, auf das Ideal der Universalwährung zu verzichten.

Auch keine dezentrale universelle Währung?
Ich denke, es ist immer schlecht, nur ein Pferd im Stall zu haben. Ich glaube stark an den Wettbewerb, auch beim Geld. Wettbewerb ist das beste Korrektiv.

Was ist derzeit die grösste, unmittelbar bevorstehende Gefahr für das jetzige Geldsystem?
Dass das Vertrauen verschwindet. Das beinhaltet die Frage der Staatsverschuldung, die offenen und nicht finanzierten Pensionsansprüche. Mittlerweile ist das so zentralisiert, dass ich Angst habe, dass Staaten sehr leicht auf die Sparguthaben der Bürger zurückgreifen können, um zumindest kurzfristig die Staatsschulden zu neutralisieren.

Die Verschuldungskrise gibt es nun schon eine ganze Weile. Woran liegt es, dass diese im Geldsystem enthaltene Gefahr so vielen Menschen nicht bewusst ist? Wie kann es sein, dass sich dieses System trotzdem am Leben erhält?
Das Problem wird immer grösser. Wir haben eine sehr effiziente Wirtschaft, das hält das krankende System gewissermassen am Leben. Wir wissen nicht, wann der Breaking Point erreicht wird, an welchem das nicht mehr geht. Die grosse Bedrohung wird dann kommen, wenn die Kaufkraft der älteren Bevölkerung stark schwindet. Es kann ja sein, dass die Pension nominal ausgezahlt wird; das hilft mir aber nichts, wenn sie real nur noch halb so viel wert ist.

Was würde dann passieren? Würde diese Generation dann beginnen, ihre Assets zu verkaufen, und so eine deflationäre Spirale auslösen?
Die Jungen würden nicht einsehen, weshalb sie plötzlich 70, 75 Prozent ihres Einkommens als Sozialleistungen und Steuern zahlen, um die Älteren zu finanzieren. Auch in Demokratien sind dann Eingriffe in die persönliche Freiheit zu befürchten.

Leben wir noch im Kapitalismus, wenn der Mensch für sein erarbeitetes Geld nicht nur keine Zinsen bekommt, sondern gar de facto enteignet wird? Wie würden Sie dieses System beschreiben?
Wir leben nicht mehr wirklich in einem eigentumsfreundlichen System der freien Marktwirtschaft. Eigentumsrechte, freie Marktwirtschaft und auch persönliche Freiheit gehören zusammen. Wir sind so überreguliert, dass wir sehr wenig freie Entscheidungen treffen können. Wir dürfen eigentlich auch nicht mehr frei über unsere Vermögenswerte verfügen, da gibt es sehr viele Beschränkungen. Die Forderungen, die Lenin aufgestellt hat, um in ein kommunistisches System zu kommen, von diesem Katalog erfüllen wir bereits 80 Prozent.

Lenin hat auch sinngemäss gesagt: «Wer die Macht im Staat übernehmen will, muss sich das Geldsystem unter den Nagel reissen.»
Und auch das Geld wertlos machen. Er sagt auch, man müsse die Bourgeoisie zermürben zwischen dem System der Steuern und der Inflation.

Welche Möglichkeiten der Sicherung von Eigentum empfehlen Sie Anlegern?
Man braucht Diversifikation und möglichst geringe Schulden. Kommt es hart auf hart, wird dem einzelnen wahrscheinlich ein Teil vom Vermögen weggeworben, doch die Schulden werden ihm belassen. Die Diversifikation soll sowohl in Branchen wie auch geografisch ausgestaltet werden. Die Zukunft vorauszusehen ist schwierig. Es empfiehlt sich, Vorsicht zu bewahren. Die nächsten Generationen sollen wissen, dass sie selber etwas leisten müssen.

Ist die junge Generation schlecht informiert, wenn es um Geldfragen geht?
Das glaube ich nicht. Schon immer gab es solche, die mit Geld umgehen konnten, und andere, die es nicht konnten. Ich glaube nicht, dass sich das wesentlich geändert hat. Es hat nur wenige Zeiten gegeben, in welchen die junge Generation so viel Geld zur Verfügung hatte wie heute.

Welche Bestrebungen trifft Liechtenstein konkret, was die Entnationalisierung des Geldes angeht?
Eine eigene Währung haben wir nicht, dafür sind wir zu klein. Wir sind im Schweizer-Franken-Raum, damit sind wir auch ziemlich zufrieden. Liechtenstein hat bei den dezentralen Technologien eine Vorreiterrolle übernommen. Kürzlich hat unser Parlament ein Gesetz verabschiedet, das Token rechtlich beschreibt. Das Ziel ist aber nicht nur, Kryptowährungen zu haben, sondern das ganze System der Blockchain, das geht wesentlich weiter. Wir versuchen, ein liberales Wirtschaftssystem aufrechtzuerhalten.

Haben Kleinstaaten bezüglich solcher Änderungen der Infrastruktur einen Vorteil gegenüber Grossnationen?
Kleinstaaten können schneller reagieren. Aber: Ein Kleinstaat muss sich wesentlich stärker an «International Best Practice» halten als grössere; wenn Staaten wie Deutschland im Finanzsystem gewisse internationale Regeln nicht voll umsetzen, ist das kein existenzielles Problem. Für ein kleines Land ist es eines.

Haben Sie persönlich Bitcoin?
Ja, ich hatte Bitcoin. Am World Economic Forum 2013 in Davos hat Bitcoin erstmals mein Interesse geweckt: Ich sah im Fernsehen eine Rede des damaligen amerikanischen Finanzministers. Von 45  Minuten brauchte der Mann ungefähr 30, um zu sagen, wie gefährlich Bitcoin sei und weshalb wir alles tun sollten, um die Kryptowährung zu verhindern. Das fand ich interessant.

Sind heutzutage die «Contrarians» besser aufgestellt als solche, die mit der Masse mitgehen?
Ich glaube ja. «Contrarians» hat man ja immer schon gebraucht, auch heute. In vielen Dingen, gerade in Krisen und in Zeiten von grossen Veränderungen, sind sie gut aufgestellt. Gut, sie können aber auch falsch liegen!

Der liechtensteinische Finanzplatz und die liechtensteinische Stiftung werden von Zeit zu Zeit für spekulative und unsachgemässe Berichte und Stellungnahmen missbraucht. Auffällig ist, wie dabei die Rechte von Begünstigten angezweifelt werden. Jedoch völlig zu Unrecht. Im nachfolgenden Beitrag erläutert S.D. Prinz Michael von und zu Liechtenstein die unterschiedlichen Begünstigungsformen und damit zusammenhängend die Auskunfts- und Informationsrechte. Der Beitrag ist erschienen in der liechtensteinischen Wochenzeitung www.wirtschaftregional.li

Der Finanzplatz und die Stiftung werden von Zeit zu Zeit für spekulative Berichte und unsachgemässe Stellungnahmen missbraucht. Auffällig ist, wie dabei die Rechte von Begünstigten angezweifelt werden, völlig zu Unrecht.

Begünstigung heisst, dass jemand ein Anrecht auf Leistung hat. Diese Leistung kann eine Geld- oder Sachleistung oder ein Nutzungsrecht (bspw. an einem Haus) beinhalten. Zeitpunkt, Ausmass und Voraussetzungen, unter denen jemand in den Genuss einer solchen Leistung kommt, richten sich nach dem Stiftungstyp und Stiftungszweck. Das Stiftungsrecht in Art. 552 des Personen- und Gesellschaftsrechts (PGR) unterteilt Begünstigte in vier Gruppen: Begünstigungsberechtigte, Ermessensbegünstigte, Anwartschaftsberechtigte und Letztbegünstigte.

Begünstigungsberechtigte bei Familienstiftungen sind Familienmitglieder, die ein klar definiertes Anrecht auf eine Leistung haben und entsprechend ein Auskunfts- und Informationsrecht betreffend ihres Anrechts. Anwartschaftsberechtigte wiederum haben ein Anrecht auf eine Leistung in der Zukunft, welches an eine Bedingung (bspw. Tod der Eltern) oder Frist (bspw. Erreichen eines bestimmten Alters) geknüpft ist, die erfüllt sein muss, damit das Leistungsanrecht rechtsgültig wird. Damit einher geht das Recht, Stiftungsdokumente einzusehen und Auskünfte vonseiten des Stiftungsrates zu erhalten. Letztbegünstigte sind in der Regel Personen, die gemäss Stiftungsdokumenten nach Auflösung einer Stiftung das verbleibende Vermögen erhalten.

Ermessensspielraum

Bei Ermessenbegünstigten handelt es sich um einen Kreis von mehreren Begünstigten oder um sogenannte Begünstigtenkreise (bspw. die Nachkommen von Frau X und die Nachkommen von Herrn Y), die in der Zukunft eine Leistung aus einer Stiftung erhalten können, aber nicht unbedingt müssen. Ermessensbegünstigte haben weder ein effektives noch rechtlich einklagbares Anrecht auf eine Leistung aus der Stiftung. Eine mögliche Begünstigung liegt im Ermessen der Stiftungsorgane. Dieser Sachverhalt stösst in der Praxis oft auf Unverständnis und wird aus einem Unrechtsempfinden heraus gerne als Willkür verunglimpft und in ein schlechtes Licht gerückt. Jedoch müssen sich die Stiftungsorgane an den Vorgaben und Richtlinien orientieren, die in den Stiftungsdokumenten im Hinblick auf Ermessensbegünstigungen festgelegt sind. Sie sind gesetzlich dazu verpflichtet, ein Stiftungsvermögen gemäss dem Stifterwillen, Stiftungszweck und im Interesse aller Begünstigten zu verwalten und zu verwenden. Diesem Prinzip ist auch Folge zu leisten, wenn Stiftungsorgane über eine Leistung an Ermessensbegünstigte entscheiden. Ermessen bedeutet nicht, dass Stiftungsorgane nach freiem Belieben entscheiden können. Im Gegenteil, jede Ermessensentscheidung muss stets auf einem qualifizierten Prozess der Entscheidungsfindung bauen und nachvollziehbar sein. Zudem haben Ermessensbegünstigte Einsichtsrecht in die Stiftungsdokumente.

Denken in Generationen

De facto räumt das liechtensteinische Stiftungsrecht also allen Begünstigten Auskunfts- und Informationsrechte ein, die mit der Revision 2008 zusätzlich gestärkt wurden. Insbesondere bei den Bestimmungen zu den Auskunfts- und Informationsrechten von Ermessensbegünstigten ist das liechtensteinische Stiftungsrecht führend verglichen mit anderen Jurisdiktionen.

Eine Stiftung verfolgt nie einen Selbstzweck. Das Vermögen, das Stifter in Stiftungen einbringen, ist stets an einen langfristig ausgerichteten Zweck gekoppelt, der einen Nutzen stiftet. In den meisten Fällen wollen Stifter ein bestimmtes Vermögen langfristig erhalten, um damit über mehrere Generationen von Familiennachkommen hinweg eine materielle und unternehmerische Grundlage zu schaffen, auf der diese dann aufbauen können. Stiftungsorgane verpflichtet dieser langfristige Anspruch, im Kontakt mit den Begünstigten zu stehen, ihre Bedürfnisse zu verstehen und in Einklang mit dem Stifterwillen und Stiftungszweck zu bringen. Bei einer Stiftung geht es nicht nur darum, Vermögen zu verwalten, sondern insbesondere darum, es für Generationen zu erhalten und damit einen Nutzen zu stiften.

Im Gespräch mit Wolf Tivy und Ash Milton spricht Prinz Michael von und zu Liechtenstein über gegenwärtige politische und wirtschaftliche Veränderungen und über die Bedeutung des Staatswesens für kleine Länder und deren Vorteile in einer Zeit, in der Grossmächte durch eine gloablisierte Internet-Kultur immer einflussreicher werden. Prinz Michael argumentiert die Wichtigkeit von Dezentralisierung und Eigenverantwortung sowie die Notwendigkeit des Vertrauens von Bürgern in ihre Regierungen. Und er unterstreicht die Vorteile des Milizsystems, wie es Liechtenstein und die Schweiz kennen. 

Link zum Digital Salon

S.D. Prinz Michael von und zu Liechtenstein spricht mit Silvia Abderhalden, Redakteurin des liechtensteinischen Magazins www.exclusiv.li, über die wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen und Folgen der Covid19-Pandemie und wie man sich am besten auf eine unvorhersehbare Zukunft vorbereiten kann.

Im Interview mit Silvia Abderhalden spricht S.D. Prinz Michael über wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Auswirkungen und Folgen der Corona-Pandemie

S.D. Prinz Michael von und zu Liechtenstein ist Executive Chairman von Industrie- und Finanzkontor Etablissement, einem unabhängigen liechtensteinischen Treuhandunternehmen mit Tradition und Expertise im langfristigen und generationenübergreifenden Vermögenserhalt (Wealth Preservation) – insbesondere für Familien und Unternehmer. Auch ist er Gründer und Vorsitzender der Geopolitical Intelligence Services AG, Präsident des Think Tanks European Center of Austrian Economics Foundation, Mitglied des International Institute of Longevity und Vorstandsmitglied der liechtensteinischen Treuhandkammer.

Die verschiedenen Massnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie haben weltweit in einem Ausmass zu Beeinträchtigungen, Unsicherheiten und Ängsten geführt, wie es seit Jahrzehnten nicht mehr vorgekommen ist. Als die Regierungen der Länder Massnahmen einführten, um die Gesundheitskrise unter Kontrolle zu bringen, kamen die Volkswirtschaften und das soziale Leben schlagartig zum Erliegen und ganze Sektoren wurden stillgelegt. War eine solche Krise in irgendeiner Form voraussehbar?
S.D. Prinz Michael von und zu Liechtenstein: Pandemien wie auch Naturkatastrophen wird es immer geben, sie gehören zur Geschichte der Menschheit. Dass Pandemien von Zeit zu Zeit in Erscheinung treten, darf deshalb nicht überraschen. Allerdings kann aufgrund der hohen Reisefrequenz der Menschen eine Ausbreitung heute wesentlich rascher voranschreiten, als zu früheren Zeiten. Es wäre eine Illusion, dass die Menschheit Katastrophen und Krisen unterbinden kann. Deshalb stellt sich auch weniger die Frage, wie solche vorausgesehen werden können, sondern vielmehr, wie die Menschen damit umgehen? Es gilt, nach dem Wahrscheinlichkeitsprinzip vorzugehen, aber auch, das Bewusstsein zu schärfen, dass es schlussendlich keine absolute Sicherheit gibt. Wichtig ist, dass die Menschen der Krise mit Ruhe und einer positiven Grundhaltung begegnen und nicht panisch reagieren. Dies gilt besonders für Medien, Politik und Behörden.

Wie können wir uns dann auf weitere, ähnliche Krisen vorbereiten? Kann die Politik Präventionsmassnahmen verstärken?
Staaten können Präventionsmassnahmen für wahrscheinliche oder potentiell wahrscheinliche Krisen vorsehen. Für unvorhersehbare Ereignisse aber ist es wichtig, auf die Selbstverantwortung des Einzelnen und die Lösungsorientierung von lokalen Institutionen und Behörden zählen zu können. Jeder Mensch und jede Kultur dieser Welt handelt unterschiedlich. Man kann Europa beispielsweise nicht mit Amerika, Russland oder China vergleichen. Deshalb ist es wichtig, dass Massnahmen lokal getroffen werden können. Es wäre wenig hilfreich, wenn nicht sogar kontraproduktiv, wenn Massnahmen von globalen Einheiten wie zum Beispiel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert und dann der ganzen Welt verordnet würden. Das Credo «Globale Probleme brauchen globale Lösungen» klingt zwar gut, funktioniert aber nicht.

Welche Ziele sollten wir anstreben, um das wichtige menschliche Grundbedürfnis, die Sicherheit, zurückzugewinnen?
Menschen streben nach Sicherheit, aber eigentlich ist sie eine Illusion. Das einzig sichere Ereignis im Leben ist leider nur der Tod. Der Luxus eines Wohlfahrtsstaates aber verleitet die Menschen zu dem Glauben, persönliche Verantwortung und Freiheit gegen eine vermeintliche Sicherheit eintauschen zu können. In vielen Ländern nähren sowohl die Politik als auch die Medien diese Illusion. Meines Erachtens wäre es zielführender, einerseits die Selbstverantwortung und damit den Selbstschutz zu stärken, andererseits das Verständnis zu schärfen, sowohl in der Bevölkerung als auch bei Behörden und Regierungen, dass «die Lösung» nicht in allen politischen Entscheidungen liegt.

Ein anderer, wichtiger Punkt ist, dass die Politik in Krisen die Verantwortung trägt und sich nicht einzig auf Experten verlässt. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sowohl die Politik wie auch die Experten an Vertrauen verlieren. Experten vertreten ihr Spezialgebiet, die Politik aber muss ausgewogen handeln. Zu Beginn der Corona-Pandemie gestatteten allzu viele Regierungen Wissenschaftlern, die Lage zu dominieren. Eine Debatte, die notwendig gewesen wäre, war nicht erlaubt. Im Gegenteil, sie wurde als Gefahr für Gesundheit und Leben dargestellt. Sich bereits dannzumal abzeichnende Kollateralschäden wurden ignoriert oder in Kauf genommen, beispielsweise indem ältere Menschen zu Risikogruppen erklärt und isoliert wurden, oder indem andere medizinische Behandlungen ausgesetzt wurden.

Die Corona-Pandemie betrifft alle Bereiche unseres persönlichen Lebens. Doch auch unser Gemeinwesen insgesamt – das politische und wirtschaftliche System, der Rechtsstaat, das Gesundheitswesen – bekommt die Auswirkungen der Krise deutlich zu spüren. Überbordende Staatsschulden waren schon vor der Corona-Krise nicht nur in Europa ein Problem. In den Medien lesen wir täglich von Hilfspaketen im Kampf gegen den mutmasslich grössten Wirtschaftseinbruch seit dem Zweiten Weltkrieg, in Höhen bei deren Erfassung uns schwindlig werden kann.

Kann Geld in unbegrenzter Höhe eingeschleust werden? Wohin fliesst es effektiv? Und wer profitiert wirklich davon?
Sicherlich notwendig sind Wirtschaftshilfen im Bereich von KMUs, da diese unverschuldet in Probleme geraten sind. Der Wirtschaftseinbruch ist gewaltig und die Folgen werden sich über Jahre erstrecken, gerade im Dienstleistungs- und Tourismussektor. Die Haltung, Probleme nicht durch Reformen, sondern durch Gelddrucken zu lösen, herrscht leider seit Jahrzehnten vor. Bis vor einigen Jahren wurde diese durch Erhöhung von Staatsschulden finanziert. Dann wurde das «quantitative easing» erfunden und bereits vor der Corona-Krise war ein Status erreicht, an dem die meisten Staatsschulden de facto nicht mehr rückzahlbar waren.

Dazu kommt das Problem, dass die wenigsten Staaten Reserven gebildet haben, um zukünftigen Pensionsverpflichtungen nachkommen zu können. Und auch die Frage, wie die steigenden Gesundheitskosten einer immer älter werdenden Gesellschaft gedeckt werden sollen, ist nach wie vor ungelöst. Mit der Corona-Krise wird nun weiter unbegrenzt Geld gedruckt. Aber wie lange kann das noch weitergehen? Irgendwann wird der «Zahltag» kommen. Und es kann gut sein, dass die Situation dann schlimmer sein wird, als man sich heute vorstellen kann: eine starke Inflation aufgrund überbordender Geldmengen und gleichzeitig eine Deflation aufgrund von Überkapazitäten im Tourismus-, Dienstleistungs- und Produktionsbereich. Liechtenstein nimmt hier eine Sonderrolle ein. Liechtenstein hielt sich schon immer dazu an, sparsam zu wirtschaften, Reserven zu bilden und den öffentlichen Haushalt mit Vorsicht zu verwalten. Dieser Umstand bewährt sich jetzt einmal mehr.

Bei welchen Sicherheitsmassnahmen sehen Sie in der Zukunft eine Gefahr für die Wirtschaft?
Ich glaube nicht, dass wir allzu viele Sicherheitsmassnahmen weiterführen können und auch gar nicht sollen. Allerdings wurde in Europa der Zivilschutz bis zur gegenwärtigen Krise eher vernachlässigt. Zivilschutz ist eine Vorsorge vor Gefahren jeglicher Art. Er bedingt eine Organisationsstruktur und Notfallpläne. Wie die Krise gezeigt hat, ist die Vorratshaltung im medizinischen Bereich mangelhaft. Auch die Sicherung der Versorgungslinien war bislang mangelhaft und es gibt nur wenige Notstandspläne. Gewisse Vorratshaltungen sind notwendig. Aber wie schon gesagt, wir können nicht jegliche Effizienz einer vermeintlichen Sicherheit opfern, sprich alles lokal machen anstatt zu importieren. Zu viele Sicherheitsmassnahmen sind auch eine Gefahr für die Wirtschaft. Im Prinzip muss sich jeder überlegen, wie er oder sie einer zweiten Welle begegnen kann. Aber es muss auch eine gewisse Immunisierung der Bevölkerung stattfinden können. Wenn eine zweite Welle kommt, könnte sich das schwedische Vorgehen eventuell als richtig herausstellen, weil eine breite Bevölkerung in der Zwischenzeit immunisiert ist. Leider wird man erst viel später feststellen können, was richtig oder falsch war. Was es sicher braucht, sind Flexibilität und Mut zu Entscheidungen in der jeweiligen Situation. Das gemässigtere Vorgehen in der Schweiz und in Liechtenstein in den vergangenen Monaten hat sich im Grossen und Ganzen wahrscheinlich bewährt.

Kann die Krise zu Veränderungen im globalen Währungs- und Finanzsystem führen?
Die Krise wird nicht zu globalen Veränderungen führen, kann aber gewisse Tendenzen beschleunigen. Die Währungs- und Finanzsysteme sind bereits krank und die Krise erlaubt, eine unsägliche Geldpolitik fortzusetzen. Zudem gestattet sie gewissen Staaten, die bereits vorherrschende Tendenz, persönliche Freiheitsrechte und Selbstverantwortung einzuschränken, zu verstärken. Auch muss die Krise vielerorts als Entschuldigung für das Fehlverhalten in der Vergangenheit herhalten. Nicht mehr die unverantwortlich hohen Staatsausgaben sind schuld an der finanziellen Misere der öffentlichen Hand, sondern ein klitzekleines Virus, das vermeintlich die Existenz der Menschheit bedroht. Doch eigentlich liegen die Gefahren ganz woanders.

Welches wäre der wichtigste Ratschlag, den Sie heute einem Menschen geben würden, der versucht, sein Vermögen langfristig aufzubauen und zu schützen und Sicherheit für die nächste Generation zu schaffen?
Vermögen entsteht durch Arbeit und Verzicht auf den Konsum von Erträgen, die aus der Arbeit resultieren. Also durch Sparen. Das Grundproblem heute aber liegt darin, dass vor allem die staatliche Steuerpolitik viele Erträge verschlingt und nicht viel zum Sparen übriglässt. Und die Tief- bis Negativzinspolitik von Zentralbanken macht Ersparnisse in Geld zudem unattraktiv. Daher bieten Anlagen in Sachwerte derzeit die interessanteste Alternative. Dies können beispielsweise Aktien, Immobilien oder der Ausbau des eigenen Unternehmens sein. Die heutige Situation führt aber dazu, dass es für die nächste Generation wenig Sicherheit im Hinblick auf Vermögen geben kann, insbesondere sind Pensionsguthaben durch langjähriges staatliches Versagen ausgehöhlt. Doch es können Massnahmen ergriffen werden, um Vermögen zu schützen. Die wichtigste Massnahme liegt meines Erachtens in der Erziehung. Die nächste Generation muss die Erfahrung machen können, dass ein verantwortungsvoller Umgang mit Vermögen wichtig ist, und selbst auch die Haltung einnehmen, dass Vermögen Verantwortung bedeutet, die es wahrzunehmen gilt. Eine der besten Erziehungsmassnahmen ist, Verantwortungsbewusstsein und Disziplin sowie Fleiss seitens der Eltern vorgelebt zu bekommen.

Um abzuschätzen, wie sich die Pandemie in Zukunft entwickelt, werden medizinische Fortschritte wichtiger werden. Trotz aller medizinischen Erfolge werden wir akzeptieren müssen, dass Corona und ähnliche Pandemien wieder vorkommen können. Gewiss hat es gravierende Versäumnisse gegeben. Kann man das künftig ändern, obwohl es ja leider zu einer gängigen Haltung gehört, Warnungen für eine nicht konkret absehbare Zukunft zu ignorieren?
Medizinischer Fortschritt ist wichtig, damit Krankheiten erkannt und auch vorgebeugt werden können. Aber die medizinische Forschung ist nicht dazu gemacht, um alle Gefahren von neuen Viren zu erkennen. Die grosse Herausforderung liegt wohl darin, dass die Bevölkerung erkennt, dass sie für ihre eigene Gesundheit selbst verantwortlich ist. Unabhängig vom Alter ist Gesundheit der wichtigste Faktor, um resistent gegen Krankheiten und Epidemien zu sein. Eine robuste Gesundheit kann aber nicht durch staatliche Programme gesteuert werden, sondern in erster Linie durch ein bewusstes, auf Eigenverantwortung bauendes Verhalten entstehen. Hier spielt der Lebensstil mit beispielsweise Bewegung und Ernährung hinein.

«Lass niemals eine Krise ungenutzt verstreichen.» Die Corona-Gesundheitskrise ist auf eine instabile Weltwirtschaft gestossen, in vielen europäischen Ländern haben erhöhte Ausgaben zu erheblichen Schulden geführt. Welche Massnahmen oder Wege könnten aus dieser Krise eine Chance werden lassen?
Unglücklicherweise wurde diese Krise von den grossen Schuldenmachern auf nationaler und supranationaler Ebene als Chance ergriffen, um jegliche Vernunft im Hinblick auf Ausgabendisziplin fallenzulassen und die Geldschleusen weit zu öffnen. Zentralbanken erzeugen künstliches Geld, für das keine Gegenleistung erbracht wird. Die reale Wirtschaft ist mit Beginn der Krise durch staatliche Auflagen extrem in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt worden und der Situation ziemlich fassungslos, vor allem aber machtlos, gegenübergestanden. Erste Erkenntnisse zeigen aber auch, dass die Krise für Bereiche der Wirtschaft Chancen bietet. Damit einhergehen aber halt auch gewisse Verlagerungen. Bereits zeigt sich, dass zum Beispiel der Onlinehandel zulasten des bestehenden Detailhandels gestärkt worden ist und auch, dass sich die Tendenz zu Homeoffice verstärkt hat. Ob das gut ist, sei dahingestellt, aber es ist eine Tatsache. Leider herrscht derzeit eindeutig der unglückliche «Primat der Politik» gegenüber den Interessen der Wirtschaft vor, der zu der falschen Annahme verleitet, dass die Politik alles regeln und steuern kann. Negative Folgekonsequenzen gehen zulasten der Bevölkerung, beispielsweise durch politische Massnahmen, die die Wirtschaft schwächen. Der Primat der Politik zieht für gewöhnlich auch mehr Gesetze und Regulierung nach sich, was sich schädlich auf Innovation und kreative Ideen auswirkt.

Birgt die Krise auch Erkenntnismöglichkeiten für die Politik?
Für eine aufmerksame und verantwortungsvolle Person bieten sich ständig Erkenntnismöglichkeiten und Krisen sind Katalysatoren für Erkenntnisse. Es macht aber in einer Situation einen entscheidenden Unterschied, ob man Erkenntnisse erhält, die einem helfen positiv weiterzuarbeiten, oder ob die Situation ausgenützt wird, um gewisse ideologische oder parteipolitische Erfolge erzielen zu können. Leider sieht man gerade in der vorherrschenden, fehlenden Ausgabendisziplin, dass die aktuelle Krise missbraucht wird. Die Erkenntnis für die Politik sollte nun eigentlich sein, dass man in guten Zeiten Reserven für Krisen aufbaut, um dann gestärkt aus einer Krise herausgelangen zu können. In Liechtenstein ist diese Haltung glücklicherweise ein Fakt.

Die Lehre sollte auch sein, stärker auf die Selbstverantwortung der Bürger zu setzen und dem einzelnen Bürger mehr Freiheiten zu lassen, anstatt die Selbstverantwortung durch ein engmaschiges Regulierungsnetz einzuschränken. Die Politik muss einsehen, dass der Staat nicht ein Instrument zur parteipolitischen Machtausübung ist, sondern dass er dazu da ist, um Aufgaben auszuüben, die nur durch den Staat ausgeübt werden können, wie beispielsweise das Polizei- und Justizwesen. In Liechtenstein sind wir in der glücklichen Situation, dass die Politik weitgehend auf einen schlanken Staat setzt.

Die Schuld an der Überregulierung wird gerne der Union zugeteilt. In welchen Bereichen hat Ihrer Ansicht nach die EU überreagiert oder ist zu wenig oder gar nicht eingeschritten und was sind die wichtigsten Erkenntnisse daraus?
Das Gesundheitswesen ist nicht Angelegenheit der Europäischen Union, was wahrscheinlich auch gut so ist. Vorbeugende und heilende Massnahmen müssen an regionale Gegebenheiten angepasst werden können. Verkehrs-, Wirtschafts- und Gesellschaftsstrukturen oder auch Gepflogenheiten sind je nach Region unterschiedlich und das Gesundheitswesen muss dem Rechnung tragen. In anderen Bereichen wird der Europäischen Union gerne der schwarze Peter für die Überregulierung zugeschoben, was aber nur bedingt berechtigt ist. Die Überregulierung findet stark auf nationaler Ebene statt und es darf nicht vergessen gehen, dass die Union stark an den Willen der Mitgliedsstaaten gebunden ist. Allerdings ist es schon auch so, dass viele Aufgaben auf Unionsebene geregelt oder verwaltet werden, die eigentlich in den nationalen oder regionalen Bereich gehören würden. Grundsätzlich sollte deshalb das Subsidiaritätsprinzip in der Europäischen Union gestärkt werden. Allerdings geben Mitgliedsstaaten gerne gewisse ungeliebte Verantwortlichkeiten an die Union ab. Eine gemeinsame Budget- und Finanzpolitik beispielsweise würde die Europäische Union, die im Grundsatz einen grossen Binnenmarkt bewahren soll, zu einer Transferunion machen, was die wichtige aber je nach Auffassung unliebsame Budgetverantwortung der einzelnen Mitgliedsstaaten reduzieren würde. Hier zeigt sich eine gefährliche Zentralisierungstendenz.

Bisher lässt sich feststellen, dass es Ländern mit dezentralisierten Gesundheitssystemen besser geht. Inwieweit kann oder sollte sich die Europäische Union in gemeinsame Lösungen einbringen?
Wie bereits zuvor ausgeführt, bin ich der festen Überzeugung, dass regionale und pragmatische Lösungen hilfreicher wären, anstatt nach zentralen europäischen Lösungen zu suchen. Gerade in Grenzgebieten wie hier im Bodenseeraum, zu dem Liechtenstein, die Ostschweiz, Westösterreich sowie Südwestdeutschland zählen, sind regionale Lösungen sinnvoller und effektiver, als europäische Lösungen. Die Europäische Union ist bedeutsam für die Wahrung des Binnenmarkts. Es bedarf auch einer europäischen Zusammenarbeit im globalen Wettbewerb und in der Verteidigung. Allerdings muss das nicht notwendigerweise durch Brüssel wahrgenommen werden, sondern könnte zum Beispiel über Vereinbarungen zur Zusammenarbeit zwischen verschiedenen europäischen Staaten geregelt werden. Das Gesundheitswesen wiederum ist eine Dienstleistung und muss sich den lokalen Bedürfnissen anpassen, weil die gesellschaftlichen und demografischen Strukturen sowie beispielsweise auch das Klima, der Verkehr und die Wirtschaft in einer jeweiligen Region unterschiedlich sind.

Wir haben hier in Liechtenstein ein sehr ausgewogenes Regierungssystem, das zu Zusammenhalt und Wohlstand führt. Es ist ein Beweis dafür, dass die Kombination aus Monarchie, direkter Demokratie und der hohen Autonomie der Gemeinden gut funktioniert, um persönliche Unabhängigkeit und das Privateigentum zu achten und schützen. Zunehmend werden in westlichen Demokratien Eigentumsrechte und die Wahlfreiheit eingeschränkt. Verstärkt die Corona-Krise diese Entwicklung?
In Europa zeigt sich zunehmend eine eigentumsfeindliche Einstellung. Sie äussert sich beispielsweise in den Diskussionen um eine «angemessene» Besteuerung von Vermögen und Einkommen oder in Gleichheitsdebatten. Dabei wird vergessen, dass Eigentum eine wesentliche Grundlage für die persönliche Freiheit der Bürger ist. Ideologien und Parteien, die auf eine starke Kontrolle des Staats über die Bürger setzen, sind für gewöhnlich auch eigentumsfeindlich eingestellt. Eine extreme Ausrichtung davon ist der Marxismus. Trotz des fatalen Versagens dieser Fortsetzung von Seite 29 Ideologie, erlebt der Marxismus heute eine gewisse Renaissance. Parteien und Ideologien, die eine starke Einschränkung von persönlichem Eigentum befürworten und sich einen starken Staat wünschen, benutzen die Corona-Krise dazu, um ihre Ideen und Ideologien durchzusetzen. Und es ist auch nicht auszuschliessen, dass das grosse Schuldenmachen im Rahmen dieser Krise zu konfiskatorischen Vermögensabgaben führen wird. Hohe Vermögensabgaben an den Staat werden sich aber sehr negativ auf die Wirtschaft und den allgemeinen Wohlstand auswirken. Wir hier in Liechtenstein können uns wirklich glücklich schätzen, in einem Land zu leben, das sich dadurch auszeichnet, dass die persönliche Freiheit hochgehalten wird, sowohl von der Bevölkerung, als auch von den Institutionen. Und dass die staatlichen Institutionen ihre Machtkompetenz verantwortungsvoll ausüben.

Zukunftsweisend müssen wir uns und unsere Kinder vermehrt darauf vorbereiten, dass vieles ausserhalb unserer Kontrolle liegt? Wenn ja, wie können wir das?
Es ist richtig, dass vieles sich nicht kontrollieren lässt. Die beste Vorbereitung auf Unvorhergesehenes liegt in der Einstellung eines jeden Einzelnen, schliesslich und endlich für sich selbst verantwortlich zu sein und das auch sein zu können. Was aber nicht heisst, dass man für die Schwächeren in der Gesellschaft keine Mitverantwortung trägt. Allerdings darf dadurch kein unverdientes Anspruchsdenken in der Gesellschaft erzeugt werden. Ein Verzicht auf Anspruchsdenken ist notwendig. Essenziell ist, nicht zu erwarten, sondern selbst anzupacken.

Wir bedanken uns bei S.D. Prinz Michael von und zu Liechtenstein ganz herzlich für das Interview.

Seit einigen Jahren ist die Finanzindustrie, und insbesondere die Treuhandbranche, stark mit regulatorischen Veränderungen und Transparenzvorgaben konfrontiert. Problematisch an dieser Entwicklung ist, dass die Komplexität der Regulierungsvorgaben das Blickfeld für das Wesentliche einengt: die Kunden und die eigentliche Treuhandtätigkeit. Deshalb ist es an der Zeit, sich ein paar wesentliche Fakten wieder verstärkt ins Bewusstsein zu rufen. Lesen Sie mehr dazu im Beitrag, der bei Trusts & Trustees erschienen ist.

Link zum Beitrag

Rund 6 Bio. US-Dollars in den USA, knapp 1 Bio. US-Dollars in Japan und circa 500 Mrd. Euro allein von der Europäischen Kommission, wozu noch die Unterstützungssummen der einzelnen Mitgliedsstaaten kommen – dies sind nur ein paar der Summen, die weltweit in Konjunkturprogramme fliessen, um die durch Covid-19 ausgelöste Wirtschaftskrise zu mildern. Denn Schätzungen der OECD besagen, dass die Corona-Krise die Wertschöpfung in den Industrieländern um etwa 25% verringern wird.

Berechnungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge belief sich 2019 die weltweite, öffentliche Verschuldung auf 83% der Wirtschaftsleistung. Schätzungen zufolge wird sich diese Quote 2020 gegen 100% bewegen. Die Konjunkturprogramme der G20-Länder belaufen sich bereits auf fast 10% im Verhältnis zum BIP 2019. Gleichzeitig bewirken die Massnahmen zur Eindämmung von Covid-19 einen Angebots- und Nachfrageschock. Für 2020 rechnet der IWF beispielsweise mit einem Einbruch der Weltwirtschaft um 3%. Effektiv gültige Zahlen zu nennen, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich.

Die Herausforderungen

Das Dilemma liegt nun darin, dass sich einerseits grosse Schuldenberge auftürmen und andererseits Einnahmenquellen stocken. Der IWF weist bereits darauf hin, dass Regierungen zwar durchaus grosszügig sein sollen in dieser Zeit, aber auch eine saubere Buchhaltung führen sollen – denn irgendwann kommt der Tag der Abrechnung. Und das Virus ist noch nicht überwunden. Die Situation wird verschärft von einer Geldpolitik, die heute funktionieren mag, weil derzeit keine unmittelbare Inflationsgefahr besteht. Auf mittelfristige Sicht aber erhöht sie die Gefahr der Marktverzerrung und Blasenbildung in Sachwerten. Und die Leitzinsen von FED und EZB bewegen sich bereits um den Nullbereich. Damit wird Sparern und Vorsorgesystemen die Grundlage entzogen, Kapital aufzubauen. Zudem werden die Kriterien der Ankaufprogramme für Risikopapiere gelockert. Mit der Finanzkrise sind die Bilanzen der Notenbanken kontinuierlich aufgebläht worden, nun setzt sich dieser Gang fort.

Verknüpft man die geldpolitische Lage mit der schrumpfenden Wertschöpfung, den schnell anwachsenden Staatsschulden und berücksichtigt man dabei noch die Verschuldungsquote der Unternehmen und Privathaushalte, so zeigt sich ein sehr zerbrechliches Zukunftsbild. Denn mit den aktuellen Manövern engen sich FED und EZB ihren Gestaltungsspielraum immer mehr ein, so dass sie, wenn sich die Verschuldungsspirale nicht mehr drehen kann, handlungsunfähig sein werden.

Vorausschauend planen

In diesem Umfeld ist es wichtig, mit Bedacht zu agieren. Irgendwann werden Staaten das Geld, das sie jetzt ausgeben, wieder einnehmen müssen. Sie werden nicht umhinkommen, die Einnahmenquellen auszubauen. Bereits werden neue Steuerarten und Abgaben diskutiert. Auch der regulatorische Druck wird zunehmen und der Druck auf «offshore», mittlerweile ein Synonym für private Vermögen, wird sich weiter verschärfen. Die Realisierung eines weltumspannenden Vermögensregisters ist zwar noch in weiter Ferne, aber es zeigt doch eine Richtung an, in die die Welt sich entwickelt. Es gilt deshalb, vorzusorgen und das eigene Vermögen vorausschauend zu planen und zu strukturieren, damit es gegen die zukünftigen Herausforderungen aller Art abgesichert ist.

Damit eine Vermögensstruktur langfristig und über Ländergrenzen hinweg hält, muss sie den langfristigen Zielen, Anforderungen und Lebensumständen einer Familie entsprechen und gleichzeitig auch die relevanten gesetzlichen, regulatorischen, steuerlichen, wirtschaftlichen und unternehmerischen Erfordernisse berücksichtigen. Jede Vermögenssituation ist anders. Deshalb ist es wichtig, dass eine Vermögensstruktur passgenau auf den Kunden zugeschnitten und dennoch derart flexibel ausgestaltet ist, dass sie auch in der Zukunft an sich verändernde Rahmenbedingungen angepasst werden kann.

Anton von Seilern-Aspang
Mitglied der Geschäftsleitung

Unauffällig entwickelt sich ein Megaprojekt, das weitreichende Konsequenzen haben und einen signifikanten Eingriff in die finanzielle Privatsphäre eines jeden Einzelnen darstellen wird. Die Rede ist vom Global Asset Registry, das unter der Leitung der Ökonomen Joseph Stiglitz, Thomas Piketty und Gabriel Zucman vorangetrieben wird. Deren Vision ist es, den verborgenen Reichtum der Nationen aufzuspüren. Mit welchen Konsequenzen?

Mehr Gleichheit und Gerechtigkeit

Stellen Sie sich vor, alles, was Sie besitzen und erwerben, fliesst unter Angabe Ihres Namens, Ihres Wohnorts und Ihrer Steuernummer in ein Vermögensregister ein. Weltweit kann jeder Einsicht nehmen und die Informationen zu Ihren Besitztümern abrufen. Was halten Sie davon?

Unter der Leitung der Independent Commission for the Reform of International Corporate Taxation (ICRICT), der Piketty sowie Stiglitz und Zucman angehören, wird an einem weltumspannenden, zentral geführten Vermögensregister gearbeitet. In einem ersten Global Asset Registry Workshop, der im Juli 2019 in Paris stattfand, wurden zahlreiche Ideen dafür gesponnen. Grundstücke, Häuser, Wohnungen, anderer Immobilienbesitz, Autos, Bankkonten, Lebensversicherungen, Safeinhalte – ausnahmslos alle Arten von Vermögen könnten langfristig in dieses Register einfliessen, das möglichst uneingeschränkt beziehungsweise öffentlich zugänglich sein soll.

In der Roadmap for a Global Asset Registry (GAR) argumentiert die ICRICT das Projekt damit, dass die herrschende Vermögensungleichheit eine ernsthafte Gefahr für Wirtschaft, Gesellschaft und Demokratie darstelle. Worin diese Gefahr genau besteht, führt sie nicht aus. Aber die Lösung sieht sie in der lückenlosen Offenlegung von Vermögensbesitz. Die ICRICT gesteht zwar ein, dass das effektive Ausmass der Vermögensungleichheit unbekannt ist. Sie erhofft sich aber, mit dem GAR einen verborgenen Reichtum an die Oberfläche bringen und dann das Ausmass der Vermögensungleichheit aufzeigen zu können. Dazu will sie die über das GAR zu erhebenden Vermögensdaten mit jenen verknüpfen, die bereits über existierende Instrumente gesammelt werden – beispielsweise dem Common Reporting Standard, dem Begünstigungsregister oder dem Country-by-Country-Reporting – oder die in anderen nationalen Registern enthalten sind. Allfällige weitere Daten könnten dann in einem späteren Schritt zusätzlich erhoben werden. In diesem Projekt wird es als zielführend erachtet, Vermögensbesitz möglichst bis zu seinem Ursprung zurückverfolgen zu können.

Im Sinne des Gemeinwohls

Das Streben nach umfassender Vermögenstransparenz begründet die ICRICT damit, dass sie einen «gebrochenen Gesellschaftsvertrag» wiederbeleben wolle, nach dem Privateigentum nur Schutz vor dem Gesetz erhält, wenn als Gegenleistung Eigentumsverhältnisse offengelegt und geltende Steuern gezahlt werden. Die Begründung deutet darauf hin, dass sie einem «Contrat Social» nacheifert, bei dem der Gemeinwille und das Gemeinwohl über allem stehen und individuelle Rechte und Güter diesem Gemeinwillen und Gemeinwohl unterzuordnen sind. Ungleichheit von Besitz wird zur Ungleichheit unter den Menschen, scheint die Überzeugung zu sein. Im Umkehrschluss bedeutet das aber, dass für individuelle Handlungs- und Entscheidungsfreiheiten und auch für Eigentumsrechte kein Raum mehr bestünde.

Politische Entscheidungsträger sind eine wichtige Zielgruppe. Ihnen möchte die ICRICT eine Grundlage liefern, um – wie in der GAR-Roadmap ausgeführt wird – eine Diskussion über den gewünschten Grad der Ungleichheit zu erleichtern und eine angemessene Besteuerung zu unterstützen. Im Weiteren sieht die ICRICT das GAR als Instrument, um Kriminalität und Machtmissbrauch zu unterbinden; Steuerbehörden oder Bürger korrupter Staaten sollen gegen ihre Regierungen vorgehen können. Der Vorteil für Normalbürger oder Wirtschaftstreibende wird mit der vollumfänglichen Transparenz und der daraus resultierenden Annehmlichkeit argumentiert, in Zukunft beispielsweise bei Steuererklärungen nur noch die Unterschrift leisten zu müssen. Die Angaben zu Hab und Gut wären bereits zentral gespeichert.

Welche Rolle spielt Covid-19?

Die Argumentation des Projekts stützt sich über weite Strecken auf Schätzungen und Vermutungen. Es folgt der weit verbreiteten Annahme, dass die «Reichen» immer reicher und die «Armen» immer ärmer würden, weil ein gewisser Prozentsatz des weltweiten Vermögens auf einen gewissen Prozentsatz der Bevölkerung entfällt und dieser Prozentsatz ausschlaggebend für alle gesellschaftlichen Probleme und Ungerechtigkeiten sei. Darauf baut die Vorstellung, dass Gerechtigkeit sich dann einstellt, wenn alle gleich viel haben. Doch geht es nicht viel eher darum, dass Menschen aus der Armut herausgelangen können und überhaupt die Chance auf eine positive Entwicklung ihres Lebensstandards haben, anstatt dass alle gleich viel oder im Umkehrschluss gleich wenig haben? In Diskussionen über Reich und Arm wird oft nicht berücksichtigt, dass sich die Armut in den vergangenen Jahrzehnten weltweit wesentlich verringert hat, wie Erhebungen der Weltbank und anderer Organisationen bestätigen, und dass der Lebensstandard heute allgemein deutlich höher liegt.

Die wegen Covid-19 initiierten Massnahmen allerdings könnten die positive Entwicklung im Bereich der Armut unterbrechen, sie werden nachhaltig Spuren in Wirtschaft und Gesellschaft hinterlassen. Über den Globus verteilt wird sich die soziale, gesellschaftliche und wirtschaftliche Wohlstandsentwicklung abschwächen und Armut wieder ansteigen lassen. Das Virus wird da und dort auch dazu verleiten, die Einschränkung von Grundrechten beizubehalten und die Kontrolle über Bürger zu verstärken. Stellt man diese Entwicklungen den mit dem GAR angestrebten Zielen gegenüber, zeigt sich ein komplexes Zukunftsbild: Die Möglichkeiten, das Leben nach eigenen Vorstellungen zu gestalten, werden schwinden. Das Recht, rechtmässig erworbenes Eigentum zu besitzen, zu nutzen, darüber zu verfügen und es weiterzuvererben, wird schrittweise beschränkt werden. Behörden und zentral geprägte Organisationen hingegen werden einen grösseren Handlungsspielraum erhalten.

Was heisst das für die Zukunft?

Die Welt bewegt sich in einem herausfordernden Zeitalter. Der Anspruch auf Gleichheit und Gerechtigkeit blendet aus, dass in einer Welt, in der alle gleich sind, kein Fortschritt mehr entstehen kann. Um es mit den Worten von Friedrich A. von Hayek zu verdeutlichen: «Eine soziale Marktwirtschaft ist keine Marktwirtschaft, ein sozialer Rechtsstaat kein Rechtsstaat, ein soziales Gewissen kein Gewissen, soziale Gerechtigkeit keine Gerechtigkeit.» Warum? Weil mit dem Wort «sozial» persönliche Freiheitsrechte schrittweise aberkannt werden.

Ob und wie sich das GAR-Projekt wirklich etablieren wird können, hängt letztlich davon ab, wie sehr sich die Politik, insbesondere der westlichen Demokratien, an rechtsstaatliche Prinzipien halten wird – denn ein solches Projekt greift das Prinzip des Rechtsstaats und Personenrechts an. Und auch, wie bewusst sich jeder Einzelne der Gefahren wird, die von einer solch umfassenden Transparenz ausgehen. Ein weltumspannendes Vermögensregister würde weder Kriminalität zum Erliegen bringen, noch die Kluft zwischen Arm und Reich schliessen oder Ungleichheit beseitigen. Vielmehr würde es grundlegende Menschenrechte ad absurdum führen und jeden Bürger zur Schau stellen. Sozialer Fortschritt und gesellschaftlicher Wohlstand würden zerstört, weil privates Vermögen zerstört würde.

Realismus statt Klischees

In der GAR-Roadmap wird auch argumentiert, dass Offshore-Strukturen über Stiftungen oder Trusts die Existenz von Vermögenseigentum verborgen hielten und der Steuerhinterziehung, Steuerumgehung oder Finanzdelikten einen fruchtbaren Nährboden bieten würden. Hier scheinen die Urheber die Entwicklungen der letzten Jahre auf dem Gebiet der Steuerkonformität und der Bekämpfung von Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung willentlich zugunsten ihres Projekts zu negieren.

Der Sinn und Zweck von Stiftungen, Trusts oder anderen Rechtsformen liegt darin, Vermögenswerte derart zu organisieren, dass sich damit unternehmerische, familiäre oder gemeinnützige Ziele und Vorhaben umsetzen lassen. Dies setzt aber voraus, dass Vermögen erhalten bleibt und geschützt wird, beispielsweise vor den Gefahren, die sich aus gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen auftun. Stiftungen und Trusts sind Instrumente, mit denen Vermögenswerte langfristig erhalten und einem Zweck entsprechend ausgerichtet werden können – damit auch kommende Generationen eine Perspektive haben.

Das neue Jahrzehnt hat mit Covid-19 deutlich gemacht, dass alles möglich und nichts unveränderlich ist. Von einem Tag auf den anderen wurden offene Grenzen geschlossen und das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben wurde zum Stillstand gebracht – weltweit. Ein paar Monate später sehen wir uns einer neuen Realität gegenüberstehen, die Folgen der Krise werden deutlich sichtbar.

Covid-19 hat zu einer grossen Verunsicherung in der Gesellschaft geführt. Die Gefahr von Seuchen ist plötzlich wieder real. Um eine mögliche Ansteckung mit dem Virus zu vermeiden, ist man zu Konzessionen bereit. Über den Globus verteilt wird die Privatsphäre gelockert, um im Gegenzug über Apps eine etwas grössere Sicherheit zu erhalten. Milliardenhilfen werden stillschweigend hingenommen, auch wenn ungewiss ist, wie man sie in der Zukunft finanzieren und zurückzahlen soll. Die Frage nach den mittel- und langfristigen Konsequenzen wird im Moment nicht akzeptiert. Sie wird als Zeichen eines mangelnden Gemeinschaftssinns gewertet. Dennoch muss es gestattet sein, sie zu stellen.

In Zeiten von Covid-19 gilt Solidarität als oberstes Gebot der Stunde. Dies soll den Zusammenhalt und das Vertrauen in der Gesellschaft stärken und helfen, diese Zeiten besser zu überwinden. Problematisch wird es aber dann, wenn Solidarität dazu genutzt wird, um bürgerliche Grundrechte zu unterlaufen, Bürokratie auszubauen, Unternehmertum zu behindern oder die Demokratie zu schwächen, beziehungsweise mithilfe des Virus und dem Ruf nach Solidarität die Kontrolle über den Einzelnen zu erhöhen. Denn ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass temporäre Massnahmen zum Dauerzustand mutieren können. Paradoxerweise wird Solidarität aber dann ausser Acht gelassen, wenn es um die Zukunft der jüngeren Generationen geht, die die finanziellen und anderen Konsequenzen tragen werden müssen. Könnte die Bedrohung durch das Virus unter Umständen mittel- und langfristig von den Konsequenzen der Massnahmen, die wegen des Virus ergriffen werden, in den Schatten gestellt werden?

Wir alle – ob Jung oder Alt, Privatperson, Familie, Unternehmer, Wirtschaftsführer oder Politiker – sollten uns mit den Folgen der mit dem Virus initiierten Krise auseinandersetzen und dann entscheiden, welches langfristig der richtige Weg ist: Einschränkungen, Kontrolle und Fremdbestimmung oder Unternehmertum, Vertrauen und Selbstbestimmung? Es ist an der Zeit, sich stärker denn je mit diesen Werten zu befassen und unsere Wirtschafts- und Gesellschaftssysteme derart auszurichten, dass auch kommende Generationen Perspektiven haben und die Zukunft unter dem Einfluss des Virus nicht unnötig verspielt wird.

Gisela von und zu Liechtenstein
Mitglied der Geschäftsleitung

Das Global Forum über Transparenz und Informationsaustausch zu Steuerzwecken untersucht regelmässig mittels Länderprüfungen und sogenannten Peer Reviews, wie die von der OECD entwickelten Amtshilfestandards eingehalten werden. Auch Liechtenstein muss in regelmässigen Abständen diese Länderbewertungen und andere Assessments durchlaufen. Was dies bedingt, lesen Sie im Beitrag von Prinz Michael von und zu Liechtenstein, der in der liechtensteinischen Wochenzeitung www.wirtschaftregional.li erschienen ist.

In regelmässigen Abständen muss Liechtenstein die vom Global Forum über Transparenz und Informationsaustausch zu Steuerzwecken vorgegebenen Länderbewertungen und Peer-Reviews durchlaufen. Dabei wird geprüft, wie die Amtshilfestandards am Finanzplatz Liechtenstein eingehalten werden. Die Konformität mit den OECD-Standards wird als wesentliche Voraussetzung für den Marktzugang und die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes verstanden. Im Weiteren wird Liechtenstein von Moneyval, dem Expertenausschuss des Europarats zur Bekämpfung von Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung, in regelmässigen Abständen auf die Einhaltung der internationalen Bestimmungen zur Bekämpfung von Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierunggeprüft. Solche Assessments und Peer-Reviews sind selbstredend nicht kostenlos. Neben den monetären Kosten binden sie ein Vielfaches an zeitlichen und personellen Ressourcen.

Interessant in diesem Zusammenhang ist, die Hintergründe der OECD zu sehen. Die OECD ist die Nachfolgeorganisation der nach dem Zweiten Weltkrieg gegründeten OEEC (Organisation für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit), über die die Marshallplanhilfe zum Wiederaufbau Europas abgewickelt worden ist. Die Idee für die OECD war, den führenden Regierungen der Welt weiterhin eine Plattform zum informellen Austausch zu bieten, um so deren Zusammenarbeit aufrechterhalten zu können. Die Kernaufgabe der OECD damals lag darin, Analysen zu verschiedenen, wirtschaftlich relevanten Themenbereichen zu erstellen und die Mitgliedsstaaten mit Statistiken zu beliefern.

Weder die OECD noch Moneyval haben eine demokratische Legitimation. Sie sind von keinem Volkssouverän gewählt und entbehren einer verfassungsmässigen Grundlage. Dementsprechend haben sie auch keine Rechenschaftspflicht. Sie sind nach wie vor ein informelles Gremium. Ihr Einfluss aber ist weitreichend. Kaum wahrnehmbar findet eine Verlagerung nationaler Entscheidungsgewalt auf diese supranationalen Organisationen statt. Und die Aussage, dass die OECD selbst indirekt Politik betreibt, ist nicht an den Haaren herbeigezogen. Mit den schwarzen und grauen Listen der Steueroasen hat die OECD ein valables Machtinstrument geschaffen, mit dem sie Länder und Wirtschaftssysteme boykottieren kann. Die Staats- und Regierungschefs der GILC-Staaten goutieren dies und sind sich, obschon ihre Interessen höchst heterogen sind, in zwei Punkten erstaunlich einig: Bürger sollen stärker überwacht und der Steuerwettbewerb zwischen Staaten soll auf ein von ihnen definiertes, höheres Niveau begrenzt werden.

Und so setzt sich ein Trend fort, der langfristig in eine Sackgasse führen wird: mehr supranationale Vorgaben, Zentralisierung und Bürokratisierung sowie Eingriffe in die Privatsphäre des Einzelnen. Die Massnahmen im Zusammenhang mit dem Coronavirus befeuern diesen Trend zusätzlich. Die Welt bewegt sich immer rascher auf einen Punkt zu, an dem liberal ausgerichtete Wirtschaftsstrukturen vehement gefährdet sind. Sofern kein Umdenken stattfindet, werden sie in Zukunft wohl nur mehr noch in Geschichtsbüchern nachzulesen sein.

Kleinstaaten wie Liechtenstein können sich diesem Trend nur schwer entziehen, und dennoch besteht Handlungsspielraum: Erstens ist eine Mitgliedschaft und Mitarbeit in Gremien wie dem Global Forum oder Moneyval unvermeidlich. Eine systematische, internationale Vernetzung ist insbesondere für einen Kleinstaat wesentlich. Zweitens gilt es, das Wesen der Selbstbestimmung und Eigenverantwortung hochzuhalten, wobei pragmatische, kostenverträgliche Lösungen einer prinzipiengetreuen Umsetzung von Vorgaben vorzuziehen sind. Drittens ist eine enge Zusammenarbeit der heimischen Akteure im regulatorischen Bereich wichtig und zielführend.

Der liechtensteinische Finanzplatz ist ein stützen-der Pfeiler der heimischen Volkswirtschaft. Deshalb muss bei der Umsetzung von Regulierungsvorgaben stets die Grössenverträglichkeit berücksichtigt werden, denn diese Möglichkeit besteht auch.

"Eine Krise darf nicht dazu missbraucht werden, um den staatlichen Einfluss zu erhöhen." hält S.D. Prinz Michael von und zu Liechtenstein im Interview mit Claudio Grass fest. Im Interview spricht S.D. Prinz Michael über die wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Folgen der Massnahmen, die im Zusammenhang mit dem Coronavirus ergriffen worden sind. Er erklärt auch, warum es nun dringend an der Zeit sei, den Weg zurückzufinden zu mehr Unternehmertum, individueller Freiheit, Eigenverantwortung, weniger öffentlichen Ausgaben, mehr privaten Ersparnissen und einer soliden Eigenkapitalbildung. Das Interview ist erschienen auf www.proaurum.ch

Der Finanzplatz Liechtenstein steht wie kaum ein anderer für Stabilität, Qualität und Langfristigkeit. Die liechtensteinische Treuhandbranche ist ein wichtiger Pfeiler für den Finanzplatz. Sie ist sich ihrer Verantwortung bewusst und hat in diesem Jahr Vorschläge zur Stärkung der Governance erarbeitet. Mehr dazu lesen Sie im nachfolgenden Beitrag, der in der liechtensteinischen Wochenzeitung www.wirtschaftregional.li erschienen ist.

In Liechtenstein wird bald ein in FinTech-Kreisen bereits als Blockchain-Gesetz bekanntes Gesetz über Token und VT-Dienstleister zur Anwendung gelangen. In diesem Newsletter erfahren Sie mehr zu diesem Gesetz und auch, welche Chancen sich aus einem digitalisierten Wirtschaftssystem ergeben.

S.D. Prinz Michael von und zu Liechtenstein spricht im Interview mit Claudio Grass über den Wert von Privateigentum in der heutigen Zeit, worin die Aufgaben eines Staates liegen, welche Chancen und Risiken absehbar sind und wodurch sich das Fürstentum Liechtenstein auszeichnet. Das Interview ist in zwei Teilen erschienen auf www.proaurum.de

Die Token-Ökonomie steht als Überbegriff für den in der digitalen Welt stattfindenden Handel und die Bewirtschaftung von Informationen in Form von Token. Die Blockchain bildet derzeit das dafür notwendige digitale Handelssystem. Die Vorteile eines solchen Systems liegen auf der Hand: direktes Involvement, höhere Effizienz, geringerer Verwaltungsaufwand und tiefe Transaktionskosten. Gerade für die Treuhandbranche stellt die Möglichkeit der Tokenisierung neue Chancen bereit. Welche? Lesen Sie mehr dazu im Beitrag, der bei Trust & Trustees erschienen ist.

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Als Folge einer Überregulierung ist der Kostendruck auf europäische Finanzplätze in den vergangenen Jahren überproportional stark angestiegen. Die Gefahr ist gross, dass mit der Überregulierung und der daraus resultierenden Komplexität und auch teilweisen Widersprüchlichkeit die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit sowie Kundenorientierung immer stärker eingeschränkt werden. Was das für den Finanzplatz Liechtenstein bedeutet, lesen Sie in diesem Beitrag, der in der liechtensteinischen Wochenzeitung www.wirtschaftregional.li erschienen ist.

Die Welt kann auf ein goldenes Zeitalter zurückblicken. Massgebend dafür waren das Konzept der freien Marktwirtschaft und das Bewusstsein für ein Miteinander. Doch wie wird die Zukunft aussehen? Die Stimmen der Gleichmacherei werden immer lauter und ein Anspruchsdenken immer stärker. Erfahren Sie mehr dazu in diesem Newsletter und auch, wie es Liechtenstein gelungen ist, sich zu einem erfolgreichen Wirtschaftsstandort entwickeln zu können.

Die Begünstigungsausgestaltung an einer Stiftung ist abhängig vom jeweiligen Stiftungstyp. Dieser Beitrag, erschienen in der Wochenzeitung www.wirtschaftregional.li, erläutert die unterschiedlichen Stiftungstypen und Möglichkeiten von Begünstigungen.

Interview über Geopolitik, Finanzpolitik, Regulierungsexzesse und die Lage am Finanzplatz Liechtenstein. www.wirtschaftregional.li im Gespräch mit S.D. Prinz Michael von und zu Liechtenstein

Der Finanzplatz Liechtenstein hat eine enorme Vielfalt an Dienstleistungsangeboten zu bieten und überzeugt mit einer unnachahmlichen Expertise. Ein Beitrag dazu, wie sich der liechtensteinische Finanzplatz unterscheidet - erschienen in der regionalen Wirtschaftswochenzeitung www.wirtschaftregional.li

Liechtenstein im Schatten Europas: Die Welt befindet sich in einem grossen Umbruch, mit dem die geopolitischen Machtverhältnisse neu ausgerichtet werden. S.D. Prinz Michael von und zu Liechtenstein erörtert in diesem Beitrag die aktuelle Weltlage und stellt den Bezug zu Liechtenstein her. Dieser Beitrag ist erschienen im Staatsfeiertagsmagazin von www.exclusiv.li

Das sogenannte Begünstigtenregister (Beneficial Ownership Register) öffnet ein neues Kapital im europäischen Kontroll- und Überwachungsmassnahmenkatalog. Dieser Beitrag beleuchtet die Hintergründe zum Trend nach mehr finanzieller Transparenz.

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Im zweiten Halbjahr 2017 wird die liechtensteinische Steuerverwaltung erstmals Daten mit 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union austauschen. In diesem Newsletter erfahren Sie, was die Informationen im Rahmen des automatischen Informationsaustauschs (AIA) beinhalten und was er für liechtensteinische Vermögensstrukturen bedeutet.

Prinz Michael von und zu Liechtenstein im Interview mit Barbara Dietrich (www.diplomatic-world.com): Wie können sich Kleinstaaten im globalen Wettbewerb behaupten?

Was zeichnet die liechtensteinische Treuhandtätigkeit aus? Und worin unterscheidet sie sich von anderen Treuhänderprofilen? Ein informativer Beitrag über den interessanten Berufsstand liechtensteinischer Treuhänder, erschienen im www.wirtschaftregional.li

Der Automatische Informationsaustausch (AIA) im Gespräch: die zentralen Inhalte zum automatischen Informationsaustausch hinsichtlich Steuerinformationen, für einmal auf eine andere Art und Weise vermittelt.

Ein exklusives Interview mit S.D. Prinz Michael von und zu Liechtenstein über Geopolitik, Vermögenserhalt und Vermögenssicherung und die Frage, welchen Einfluss ein liberales Rechtsverständnis auf die Vermögensbetreuung und Vermögensverwaltung hat. Das Interview ist erschienen im Staatsfeiertagsmagazin von www.exclusiv.li

Wie entwickelt sich gesamtgesellschaftlicher Wohlstand? Welche Rolle spielt Privatvermögen? Warum wird grosses Vermögen von der breiten Bevölkerung als etwas Suspektes angesehen? Diese und weitere Fragen beantwortet der folgende Beitrag mit dem Titel: Die Mär vom bösen Wolf.

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Im Zuge der Panama Papers ein Kommentar zum Sinn und Zweck von Vermögensstrukturen und Offshore-Gesellschaften, erschienen im www.wirtschaftregional.li

Ein Beitrag über die drei Herausforderungen, denen sich das internationale Trust Business zu stellen hat, und wie sich Liechtenstein darin behauptet.

Ein Interview, erschienen auf www.finews.ch, mit Einsichten in eine Zukunftsvision für die Vermögensbetreuung im Sinne der Wealth Preservation. Denn für eine langfristige Vermögenssicherung benötigt es eine anders gelagerte Expertise als in der Vermögensverwaltung.

"Zu viele Regulierungen bedeuten eine Rückkehr zur Planwirtschaft": Interview mit S.D. Prinz Michael von und zu Liechtenstein mit Antworten zu globalen Entwicklungen und zum Finanzplatz Liechtenstein.

Ein Beitrag, in dem die aktuelle Geldpolitik mit ihren Konsequenzen analysiert wird.

Ein Interview mit Ansichten und Einsichten zu den verschiedenen Bereichen der Wealth Preservation und was das Tätigkeitsgebiet eines liechtensteinischen Treuhänders alles umfasst.

Ein Beitrag zum Finanzplatz Liechtenstein als Wealth Preservation Center.

In diesem Newsletter erfahren Sie den Sinn und Zweck und die Ziele einer nachhaltigen Wealth Preservation. Und auch, welche Vielfalt Liechtenstein zu bieten hat.

In diesem Newsletter erfahren Sie Hintergrundinformationen und Fakten zum automatischen Informationsaustausch (AIA).

In diesem Newsletter erfahren Sie von den Risiken und Gefahren, die ein Vermögen bedrohen können, und was es braucht, damit Vermögen langfristig gesichert werden kann. 

In diesem Newsletter erfahren Sie mehr zu den Steuerabkommen der Schweiz mit Deutschland, Österreich und Grossbritannien.

Ein Beitrag über die zunehmenden Gefahren für Rechtsstaat und Rechtsstaatlichkeit.

Ein Beitrag über die liechtensteinische Stiftung aus dem Blickwinkel der Famiily Governance. 

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In diesem Newsletter erhalten Sie einen tiefergehenden Einblick in das liechtensteinische Steuergesetz und erfahren auch, warum es richtig ist, sich über Vermögensschutz und Vermögenserhalt Gedanken zu machen.

Ein Beitrag zum Thema: Stress-test: Liechtenstein between transparency and asset protection.

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Ein Beitrag zum Thema: Liechtenstein: Philanthropy and the use of charitable foundation. 

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